Web Ad: IAB zeichnet Adblocker aus

17. September 2013, 16:48
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Demner, Merlicek & Bergmann überdeckte für seinen Kunden Mömax digitale Werbschaltungen mit einem Vorhang und wurde dafür ausgezeichnet

Vor zehn Jahren initiierte der IAB Austria den Web Ad, einen Preis für die Onlinewerbung des Landes, um die digitale Werbelandschaft zu stärken. Skurriles Detail an den 2013 prämierten Arbeiten: Heuer findet sich unter den Gewinnern eine Kreation, die einen Adblocker, den natürlichen Feind der Bannerwerbung, einsetzt.

Die Idee, einen Adblocker zur Verbreitung von Werbung zu verwenden, kam  Demner, Merlicek & Bergmann für den Kunden Mömax. Die Agentur kreierte für den Möbelhändler über Greasemonkey, ein Plugin für den Browser Firefox, das über jede Webseite in den Werbebereichen einen Vorhang legte und so die Einblendungen abdeckte. Auch Werbeeinschaltungen auf derStandard.at waren betroffen. Greasemonkey erlaubt es Nutzern, Erscheinungsbild und Funktionen einer Webseite zu ändern.

Freie Entscheidung des Nutzers

"Bei der Aktion handelt es sich nicht um eine von uns platzierte Werbeeinschaltung auf derStandard.at, sondern um ein vereinzeltes Aufscheinen eines Adblockers, der direkt von Usern individuell auf 'bannervorhang.at' für seinen eigenen lokalen Browser heruntergeladen werden kann", argumentiert die Agentur.

Gabriele Achmüller von Demner, Merlicek & Bergmann erklärt, es sei jedem Nutzer erlaubt, "Erscheinungsbild und Verhalten der angezeigten Webseite zu individualisieren, ohne dass ein Zugriff auf die eigentliche Webseite vorgenommen wird." Die Vorhänge würden erst sichtbar werden, wenn das Plugin vom Nutzer heruntergelanden, installiert und aktiviert wurde.

Rasch schätzt Orginalität der Idee

Denselben Ansatz vertritt auch Stefan Rasch, Leiter der Kreativjury und Gründer der Agentur screenagers. Er verweist auf internationale Beispiele wie Uniqulo, welche die technische Möglichkeit der Überlagerung schon vor Jahren kreativ nutzten. "Es ist eine originelle Idee einen Adblocker als Servicefläche zu verwenden", erklärt der Jurypräsident, "es gab Diskussionen über die Prämierung dieser Kampagne, aber die Innovation und Kreativität ging letztlich vor."

IAB-Präsidentin Martina Zadina verteidigt die Prämierung: "Natürlich gibt es da ein Spannungsfeld, aber die Kreativjury soll die Kreativität beurteilen." Sie selbst sehe das Thema allerdings kritisch. Noch habe man im IAB kein fertiges Rezept, wie man mit dieser Art von Werbung umgehen soll, erklärte Zadina derStandard.at, schließlich sei sie dieses Jahr zum ersten Mal in Österreich aufgetaucht. Allerdings könne man die Diskussion nutzen, um über eine andere Art der Werbeschaltung in Hinblick auf Datenschutz und User-Bevormundung nachzudenken.

Schaden für Kunden

Matthias Stöcher, Anzeigenleiter von derStandard.at, beurteilt die Situation aus der Sicht eines Medienhauses anders: "Die Verbreitung eines derartigen Adblockers halten wir für problematisch. Während 'handelsübliche' Adblocker bereits die Auslieferung und damit die Bezahlung von Onlinewerbung unterdrücken, überlagert dieses Script - ohne jede Kontrolle vom Medium - bereits ausgelieferte Werbung." (red, derStandard.at, 17.9.2013)

  • Mit der Kampagne "Bannervorhang" gewann D, M & B beim "Web Ad 2013" Silber in der Kategorien "Beste Media Idee" und "Beste Werbe Idee".
    foto: media 1

    Mit der Kampagne "Bannervorhang" gewann D, M & B beim "Web Ad 2013" Silber in der Kategorien "Beste Media Idee" und "Beste Werbe Idee".

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