Spekulation um Struzls Posten

3. August 2003, 19:00
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Nach umstrittenem Aktienkauf will Voest-Aufsichtsrat Vertrauensfrage stellen - Immer mehr gegen Wechsel an der Spitze

Wien - Zum umstrittenen VAE-Aktienkauf von voestalpine-Generaldirektor Franz Struzl schließt sich ÖIAG-Vorstandsdirektor Rainer Wieltsch der Äußerung "Schönheitspreis gewinnt diese Aktion nicht" von Voest-Aufsichtsratschef Rudolf Streicher an.

Persönlich näher bewerten wollte voest-AR-Vize Wieltsch die Aktientransaktion am Samstag im Ö1-Mittagsjournal allerdings nicht. Seine Meinung vertreten werde er erst bei der Voest-Aufsichtsratssitzung am kommenden Freitag in Linz, bei der Struzl wie berichtet die Vertrauensfrage stellen will.

Mehrheit für Struzl

Er werde sich seine Meinung nach Beurteilung aller Aspekte bilden, sagte Wieltsch. Dazu zählten neben dem "optischen Aspekt, der veröffentlichten Meinung" und der rein rechtlichen Sichtweise auch die voest und Struzl selbst. Die Debatte habe niemanden genützt, weder der voest noch deren Generaldirektor.

Zur Frage, ob Struzl trotz der VAE-Transaktion voest-General bleiben könnte, konstatierte Wieltsch, dass sich hier zu Gunsten Struzls "offensichtlich eine Mehrheit bildet", nachdem sich außer dem mächtigen Ludwig Scharinger, Chef der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) und Mitglied im voest-Aufsichtsrat, auch Belegschaftsvertreter gegen einen Wechsel an der Spitze des Stahlkonzerns ausgesprochen haben. Grundsätzlich sei die Frage, ob Struzl bleibt, derzeit aber noch "Spekulation", meinte Wieltsch.

Strutzls VAE-Aktienkauf

In öffentliche Diskussion geraten war Struzl wegen des Erwerbs von 2.800 VAE-Aktien Anfang Juli 2002, kurz nachdem sich eine voestalpine-Aufsichtsratssitzung mit dem Thema VAE befasst hatte. Der heimische Weichenbauer gehörte damals zu je 45 Prozent der voestalpine und dem deutschen Verkehrstechnikunternehmen Vossloh.

Gewinn

Das seit 1998 fixierte Szenario lautete: Steigt Vossloh bei VAE aus, was durch die Übernahme des VAE-Konkurrenten Cogifer durch die Deutschen am 15. Juli 2002 geschah, übernimmt die voest die Vossloh-Anteile an der VAE. Erworben haben soll Struzl die VAE-Aktien für rund 130 Euro je Aktie. Am 16. Juli teilte die voest mit, dass jede VAE-Aktie mit 221,5 Euro abgefunden wird.

Den im Jänner 2003 nach der VAE-Streubesitzabfindung erzielten Kursgewinn (250.000 Euro) hat Struzl karitativen Einrichtungen (Krebsstationen) gespendet. Nach einer "Diversion" (außergerichtliche Einigung) wegen Nichtmeldung seiner Aktienkäufe (ein Verstoß gegen das Börsegesetz) führte Struzl außerdem 50.000 Euro an den Bund ab. (APA)

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