Ruanda: 84 Angeklagte wegen Völkermordes verurteilt

2. August 2003, 17:16
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Elf Todesurteile bei bislang größten Gruppenprozess gegen Völkermord-Beteiligte in lokalem Gericht

Gikongo/Nairobi - In dem bislang größten Gruppenprozess gegen Völkermord-Beteiligte in Ruanda hat ein lokales Gericht mehr als 80 Angeklagte verurteilt. Elf von ihnen seien zum Tode verurteilt, 73 zu lebenslanger Haft, berichtete der britische Sender BBC am Samstag. Das Gericht in Gikongo im Süden des Landes sprach am Freitag zudem 37 Angeklagte frei.

Derzeit warten noch etwa 100.000 Angeklagte in Gefängnissen auf Gerichtsverfahren. Bisher seien 6500 Menschen wegen Beteiligung am Völkermord verurteilt worden, berichtete die BBC unter Berufung auf die ruandesische Staatsanwaltschaft. Mehr als 600 seien zum Tode verurteilt, 23 Todesurteile seien bereits vollstreckt. Von April bis Juli 1994 töteten Hutu-Milizen und die Armee auf Anweisung der Regierung rund 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutus.

Unterdessen hat in Ruanda der Wahlkampf für die erste Präsidentenwahl seit dem Völkermord begonnen. Am 25. August treten der amtierende Präsident Paul Kagame, ein Tutsi, und drei Mitbewerber gegeneinander an. Wichtigster Konkurrent ist der ehemalige Premierminister und Hutu-Politiker Faustin Twagiramungu, der vor acht Jahren ins belgische Exil ging. (APA/dpa)

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