Labour-Fraktionschef warnt vor Ablösung Blairs

5. August 2003, 18:16
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"Niemand reicht an seine Autorität heran" - Nachfolger wäre Gordon Brown

London - Der Labour-Fraktionschef im britischen Unterhaus, Peter Hain, hat seine Parteifreunde vor einer Ablösung von Premierminister Tony Blair gewarnt.

Nachfolger Gordon Brown

"Der Premierminister überragt weiter die gesamte britische Politik", schrieb Hain am Samstag in der "Times". "Niemand sonst reicht an seine Autorität heran." Im Zuge der Irak-Krise und der Affäre um den Selbstmord des Waffenexperten David Kelly waren in den vergangenen Wochen vereinzelt Rücktrittsforderungen an Blair aus den eigenen Reihen laut geworden. Als Nachfolger stünde Finanzminister Gordon Brown bereit.

Der am längsten ohne Unterbrechung regierende Labour-Premier

Blair, der am Freitag in den Sommerurlaub nach Barbados abreiste, ist seit diesem Samstag der am längsten ohne Unterbrechung regierende Labour-Premier der britischen Geschichte. Er übertraf Clement Attlee, der von 1945 bis 1951 sechs Jahre und 92 Tage regiert hatte. Blair hat allerdings noch nicht den Rekord von Harold Wilson gebrochen, der in zwei Abschnitten insgesamt sieben Jahre und 279 Tage an der Macht war, einmal von 1964 bis 1970 und dann von 1974 bis 1976.

Krise

Hain gab am Samstag zu, dass sich die Regierung Blair in ihrer bisher schwersten Krise befindet. Er erinnerte jedoch daran, dass Labour in den Umfragen immer noch knapp vor den oppositionellen Konservativen liegt. Zur Mitte einer Legislaturperiode sei dies höchst ungewöhnlich. Vehement widersprach er auch der von vielen Labour-Politikern vertretenen Einschätzung, im Vergleich zu Attlee habe Blair noch nicht viel geleistet. Er verwies unter anderem auf die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns, die Gründung eines schottischen und eines walisischen Regionalparlaments und die Milliardeninvestitionen in das staatliche Gesundheitssystem.

Anerkannte Leistungen

Weithin anerkannte Leistungen der Regierung Blair sind der Friedensprozess in Nordirland, die Einführung einer von der Regierung unabhängigen Zentralbank und das vergleichsweise hohe Wirtschaftswachstum. Kaum Fortschritte hat Labour nach vorherrschender Einschätzung dagegen bei der Reform des Bildungswesens und des maroden Bahnsystems erzielt. Außerdem hat sich die Kluft zwischen Arm und Reich in Blairs Amtszeit vertieft. Dies liegt unter anderem daran, dass Wirtschaftsbosse immer besser bezahlt werden und gleichzeitig die Zahl der Billigjobs steigt. (APA/dpa)

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