Österreicher sind Ostsprachenmuffel

19. Jänner 2004, 17:05
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Österreichs Betriebe könnten den EU-Beitritt Osteuropas verschlafen. Dies ergibt eine vom Marktforschungsinstitut Markant durchgeführte repräsentative Studie. Heimische Betriebe müssen Sprachen pauken und interkulturelles Management erlernen.

Heimische Unternehmen sind kaum auf die EU-Osterweiterung vorbereitet, das zeigt eine Umfrage des Consultingunternehmens "die Berater". Von 156 befragten ostösterreichischen Firmen gaben rund 90 Prozent an, dass ihr Unternehmen von der EU-Osterweiterung betroffen sein werde. Zwei Drittel hätten jedoch diesbezüglich keine spezifischen Vorbereitungsmaßnahmen geplant.

"Es ist erschreckend, aber eine Tatsache: Österreichs Betriebe laufen Gefahr, die EU-Erweiterung zu verschlafen", sagt Martin Röhsner, "die Berater"-Geschäftsführer zum KARRIERENSTANDARD. Nur bei besonders innovativen Unternehmen stünden in der Personalentwicklung Ostsprachenkurse bereits heute an vorderer Stelle.

Obwohl nahezu alle befragten Unternehmen Einflüsse durch die bevorstehende EU-Erweiterung erwarten, setzen nur wenige Betriebe vorbereitende Maßnahmen. Vor allem kleine Betriebe (mit bis zu 100 Mitarbeitern) seien besonders unvorbereitet. In diesem Segment hätten 72 Prozent noch keinerlei spezifische Aktivitäten durchgeführt.

Ein Großteil darunter plane auch nichts dergleichen. "Bei der Nachfrage nach Sprachkursen bleibt Englisch die Sprache der Geschäftswelt. Es hat in den letzten Jahren auch in Osteuropa dem früher beliebten Deutsch starke Konkurrenz gemacht", sagt Brigitte Krizsanits, Leiterin des Sprachcenters von "die Berater". In den heimischen Betrieben herrsche weiterhin die Meinung vor, mit Englisch komme man ohnehin überall durch.

Schlüssel zum Erfolg

Dabei sei das Erlernen der Landessprache eines osteuropäischen Geschäftspartners oft der Schlüssel zum Erfolg. Krizsanits spricht aus eigener Erfahrung. Hat sie doch selbst vor einem Jahr als Deutsch-lehrerin in Prag gearbeitet.

"Ich habe in dem Jahr ein wenig Tschechisch gelernt und es bei alltäglichen Situationen angewendet." Fazit: Die Prager freute das. Denn, so Krizsanits: "Bereits die ersten Worte signalisieren Interesse an Land, Leuten und Kultur und schaffen einen positiven Gesprächseinstieg."

Am 1. Mai 2004 werden zehn neue Staaten der Europäischen Union beitreten. Aber schon jetzt würden 31 Prozent der Befragten mit prägnanten Veränderungen auf dem heimischen Arbeitsmarkt rechnen. Vor allem das überaus hohe Angebot an Arbeitskräften - einerseits mit anderen Qualifikationen, andererseits mit niedrigeren Gehaltsvorstellungen - sei ein wichtiger Faktor. Innerhalb der "aktiven" 38 Prozent, die bereits Vorbereitungsmaßnahmen gesetzt haben, wurden als solche Standorteröffnungen in Osteuropa, die Intensivierung von Kooperationen und Kontakten, Personalrekrutierung und Werbeaktivitäten genannt.

Lediglich elf Prozent haben aber in die Personalentwicklung investiert. Dabei gäbe es gerade dort zahlreiche Ansatzpunkte: landesspezifische Kundenorientierung, Ostsprachenkurse, Deutschkurse für ausländische Mitarbeiter sowie interkulturelle Verhandlungs- und Kommunikationstechnik. (Judith Grohmann, DER STANDARD, Printausgabe vom 2./3.8.2003)

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    montage: derstandard.at
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