"milena" ist für alle Frauen da

18. August 2003, 11:33
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EU-Erweiterung als weibliche Angelegenheit

Der Anspruch ist simpel und kompliziert zugleich: Eine ungarische Journalistin arbeitet an einer Geschichte über Politikerinnen im ungarischen Parlament und sucht Vergleichszahlen aus anderen europäischen Parlamenten. Unter www.milena.at wählt sie "projects/studies" und findet das gewünschte Ergebnis inklusive Kontaktadressen. Via "milena" werden Frauenthemen aus zentraleuropäischer Sicht grenzüberschreitend beleuchtet. Auch Forschungsprojekte, politische Strategien und wirtschaftliche Probleme werden von kompetenten Frauen diskutiert.

Paneuropäisch

Vor mittlerweile sechs Jahren wurde das Frauenprojekt "milena" in Kooperation zwischen dem Frauenbüro der Stadt Wien und der EU gegründet. Die Finanzierung erfolgte zunächst über Interreg II, das Ziel ist - immer noch -, "eine paneuropäische Frauenplattform zu werden. Aktive Frauenpolitik sollte und darf nicht an nationalen Grenzen enden", wie die Wiener Frauenstadträtin Renate Brauner damals verordnete.

Seither wurden einschlägige Bücher produziert, ein vierteljährlicher Newsletter, regelmäßige Treffen mit NGOs, lokalen und kommunalen Beamtinnen und Politikerinnen arrangiert. Dabei geht es um Probleme wie Bekämpfung weiblicher Arbeitslosigkeit, Qualifizierung von Frauen, Kinderbetreuung, frauengerechte Stadtplanung, Gewalt gegen Frauen, Prostitution und Schlepperkriminalität. Ebenso wurden im Sinne des "gender mainstreaming" Frauen über Grenzen hinaus sichtbar gemacht - als Technikerinnen, Biochemikerinnen, Computerspezialistinnen.

Das neueste Projekt ist nun eben die Vernetzung aller verfügbaren Expertinnen, Politikerinnen, Journalistinnen. Leicht wird das nicht, denn vor allem Wissenschafterinnen aus den neuen EU-Ländern stellen ihre schwer erarbeiteten Erkenntnisse nicht gerne gratis ins Netz (vgl. Interview). Auch beklagen "Ost"-Frauen häufig die "feministische Bevormundung" durch viele "West"-Frauen, vor allem aus den USA. "Die glauben offenbar, sie müssen uns bekehren oder uns zeigen, wie man es richtig macht", kritisierte eine Beamtin aus Bratislava beim "milena"-Workshop im Juni in Wien.

Daher versteht auch Doris Lessing, die Leiterin des Wiener Frauenbüros, das Netzwerk als "Angebot", das nur so gut sein könne wie die Kooperationsbereitschaft aller Teilnehmerinnen. Die gute Nachricht: Das Engagement steigt. Knapp 200 Expertinnen zählt die Datenbank bereits - Tendenz steigend. (stui/DER STANDARD, Printausgabe 02./03.08.2003)

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