CIA:Tonband-Aufnahme mit Saddamstimme "vermutlich echt"

4. August 2003, 06:19
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USA will irakisches Sondertribunal für Saddam Hussein - Irakisches Volk soll Gewalt über den Prozess haben

Tikrit/Washington - Der US-Geheimdienst CIA hat bekannt gegeben, dass sie die am Freitag ausgestrahlte Tonbandaufnahme mit der Stimme Saddams für echt halte.

Der US-Geheimdienst CIA hält das jüngste Tonband mit der angeblichen Stimme des gestürzten irakischen Staatschefs Saddam Hussein für echt. Der arabische Sender Al Jazeera hatte die Aufnahme am Freitag ausgestrahlt. Darin wurden die Iraker erneut zum Widerstand aufgerufen. Jeder, der mit den Besatzungstruppen zusammenarbeite, sei ein Agent und Verräter, hieß es.

Irakisches Sondertribunal für Saddam Hussein Der gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein soll bei einer Festnahme offenbar vor ein Tribunal aus irakischen Richtern gestellt werden. Dort müsse er sich für seine "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" verantworten, sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher am Freitag in Washington.

Irakisches Volk soll Gewalt über den Prozess haben

Boucher betonte, das irakische Volk solle die Gewalt über die Prozess gegen Saddam Hussein und seine Gefolgsleute haben. Der Sprecher forderte die internationale Gemeinschaft auf, dabei unterstützend mitzuwirken. Für eine Einschätzung des Ausmaßes der erforderlichen Unterstützung sei es aber noch zu früh. Dazu könnten finanzielle Mittel gehören, aber auch die Entsendung von Rechtsexperten.

Aburteilung durch USA

Die Aburteilung von Tätern, die Angriffe auf die US-Truppen im Irak verübten, behielten sich die USA aber selbst vor, betonte der Ministeriumssprecher.

Neue Festnahmen

Unterdessen haben die US-Truppen im Irak nach eigenen Angaben einen mutmaßlichen Drahtzieher von Guerilla-Angriffen auf die Besatzungstruppen festgenommen.

Der von den US-Truppen in der Nacht auf Samstag verhaftete Mann wurde bei einer nächtlichen Razzia in Tikrit, der Heimatstadt des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein, festgenommen und in Handschellen abgeführt. "Wir nehmen an, dass die Person, auf die wir es heute Nacht abgesehen hatten, an der Planung von Angriffen auf US-Truppen und der Waffenbeschaffung dazu beteiligt gewesen ist sowie Mitgliedern des (entmachteten) Regimes Schutz geboten hat", sagte ein US-Militärsprecher. Bereits wenige Stunden zuvor hatten US-Soldaten in Tikrit zwei Gefolgsleute Saddams festgenommen.

Interview mit Töchtern Unterdessen haben die nach Jordanien geflohenen Töchter des Ex-Staatschefs, Raghad und Rana, ihren Vater als "überaus zärtlichen" Mann geschildert. CNN sagten die beiden Frauen am Freitag weiter, sie hätten Saddam seit einem letzten Familientreffen sieben Tage vor dem Krieg nicht mehr gesehen und wüssten absolut nicht, wo er sich aufhalte. Sie liebten ihren Vater über alles und beteten für sein Wohlergehen. "Ich hoffe, dass ich ihn wiedersehe und Gott ihn beschützt", sagte Rana. In einem anderen Gespräch vom Freitag mit dem arabischen Sender Al Arabiya machte die ältere Tochter Raghad Verrat für den Sturz ihres Vaters verantwortlich.

Suche nach Saddam verstärkt

Nach Einschätzung hochrangiger US-Kreise verfeinern die USA ihre Suche nach Saddam deutlich, nachdem sie vergangene Woche seine beiden Söhne bei einer Razzia in einer Villa in Mossul aufgestöbert und getötet hatten. In dieser Woche waren US-Soldaten zudem bei einer Razzia ebenfalls in der Nähe von Tikrit auf einen ehemaligen Leibwächter Saddams gestoßen und hatten ihn festgenommen. Die USA haben für Hinweise, die zur Ergreifung Saddams führen, eine Belohnung von 25 Millionen Dollar ausgesetzt und fahnden mit Hochdruck nach ihm. Sie machen seine Anhänger für die Angriffe verantwortlich, bei denen Dutzende US-Soldaten nach dem Ende des Kampfhandlungen im Irak getötet wurden. (APA)

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