Homo-Ehe: Katholiken uneinig

4. August 2003, 11:03
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Das Nein des Vatikans spaltet die Gemeinschaft der Gläubigen - Streit bei Italiens Politikern - USA erwägt Verfassungsänderung

Rom/Washington/Winnipeg - Das Nein des Vatikans zur Homosexuellen-Ehe und der Appell an katholische Politiker, "familienfeindliche" Gesetzesinitiativen abzulehnen (DER STANDARD berichtete), spaltet die Gemeinschaft der italienischen Katholiken.

Kirche und Staat keine Einigkeit

Der Sprecher der oppositionellen Sammelbewegung "Margherita" und ehemalige Christdemokrat Dario Franceschini billigte dem Vatikan das Recht zu, an katholische Politiker zu appellieren. Er werde aber autonom Beschlüsse über entsprechende Gesetze fassen.

Die rechtspopulistische Regierungspartei Lega Nord steht positiv zum Appell des Vatikans. In jüngster Zeit hatte der Chef der Lega Nord, Umberto Bossi, die Homosexuellen öfters beschuldigt, sie seien Teil eines groß angelegten Projekts, um im Namen der Globalisierung die "natürliche Familie" zu zerstören.

Damit geriet die Lega Nord auch schon mit Frauenministerin Stefania Prestigiacomo in Konflikt. Sie sprach sich vor einigen Monaten für die sofortige Verabschiedung eines Gesetzes zur Gleichberechtigung homosexueller und unverheirateter Paare aus und sorgte somit für Spannungen in der Mitte-rechts-Koalition.

Bush gegen Homo-Ehe

Die US-Regierung erwägt nun doch eine Verfassungsänderung, um das Verbot der Homo-Ehe in den USA sicherzustellen. Erst kürzlich hatte Präsident George W. Bush noch erklärt, eine entsprechende Verfassungsänderung sei wohl nicht erforderlich. Am Mittwoch aber sagte Bush, derzeit würden Möglichkeiten zur Unterbindung der Homo-Ehen untersucht.

Der Sprecher des Präsidialamts, Scott McClellan, sagte dazu: "Dem Präsidenten ist sehr viel daran gelegen, die Unverletzlichkeit der Ehe zu schützen und diese Einrichtung, die sich seiner Überzeugung nach zwischen Mann und Frau vollzieht, zu verteidigen."

Für eine Verfassungsänderung müssen hohe Hürden überwunden werden. Zwei Drittel der Abgeordneten beider Kammern müssen einer Änderung zustimmen, drei Viertel der Bundesstaaten müssen sie ratifizieren.

Vage Lutherianer

Der Lutherische Weltbund (LWB) hat sich bei seiner Vollversammlung in Winnipeg (Kanada) nicht auf eine gemeinsame Position zum Thema Homosexualität einigen können. Delegierte aus Westeuropa forderten eine kirchliche Anerkennung schwuler und lesbischer Paare. Viele Delegierte aus Afrika betonten dagegen das biblische Leitbild der Ehe. In ihrer Erklärung wenden sich die lutherischen Kirchen nur noch allgemein gegen jede Form von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung.

Die LWB-Vollversammlung tritt alle sechs Jahre zusammen. Sie ist das oberste Entscheidungsorgan des Zusammenschlusses von evangelisch-lutherischen Kirchen in 76 Ländern. (APA, Reuters, DER STANDARD Printausgabe 2/3.8.2003 )

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