Alkolenker, Geisterfahrer und Co.

8. August 2003, 09:57
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In Verkehrssicherheit liegt Österreich im unteren EU-Rangbereich - DER STANDARD listet auf, wo es sich hierzulande besonders gefährlich fährt

Will man Gevatter Tod zeitgemäß darstellen, dann sollte der Knochenmann keine Sense, sondern ein Lenkrad in den skelettierten Fingern halten. 515 Menschen starben laut Statistik des Innenministeriums heuer bis zum 27. Juli im heimischen Straßenverkehr, ein Plus von über drei Prozent zum Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Gefährdung innerhalb der Alpenrepublik ist dabei recht unterschiedlich.

  • Tödliches Risiko

    Das höchste Risiko, Opfer eines tödlichen Crashs zu werden, hat man in Niederösterreich. 17 Verkehrstote kamen hier im vergangenen Jahr auf 100.000 Einwohner, hat der Verkehrsclub Österreich berechnet. In der Negativrangliste folgen Tirol und Kärnten mit je 15 Umgekommenen pro 100.000 Einwohner.

  • Fast 10.000 junge Opfer

    Bei den Teenagern sieht das Bild anders aus. 101 Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren starben im Vorjahr bei Verkehrsunfällen, 9391 wurden verletzt. Am gefährlichsten ist es dabei laut Kuratorium für Verkehrssicherheit in Oberösterreich. Umgelegt auf jeweils 100.000 Jugendliche verunglückten im Land ob der Enns 2475 Teenager. Mit hochgerechneten 2413 beziehungsweise 2323 Verunglückten je 100.000 der 15- bis 19-Jährigen folgen die Steiermark und Kärnten.

    Einer der Gründe für die schlechten Werte in Ober- und Niederösterreich: der hohe Anteil an Bundes- und Landesstraßen. Auf diesen beiden Straßentypen ereignen sich fast zwei Drittel aller tödlichen Havarien. Die Mixtur aus überhöhter Geschwindigkeit, Gegenverkehr, Kreuzungen und langsamen Verkehrsteilnehmern ergibt den letalen Cocktail.

    Im kollektiven Unterbewusstsein spielt dagegen das Geschehen auf den Autobahnen die größere Rolle. Kilometerlange Rekordstaus während der Sommermonate, steigende Zahl von Geisterfahrerwarnungen und Karambolagen mit Schwerfahrzeugen bestimmen das Automobilistenbild vom "Albtraum Autobahn".

  • Albtraum Geisterfahrer

    Im Ö3-Verkehrsfunk wurde im Vorjahr gleich 510-mal Geisterfahreralarm gesendet. Die höchste Wahrscheinlichkeit, der Horrorvorstellung jedes Lenkers zu begegnen, hat man demnach in der Steiermark, 112-mal gingen von dort Meldungen ein über Fahrzeuge, die gegen die Fahrtrichtung unterwegs waren. Niederösterreich (101) und Oberösterreich (67) nehmen die Plätze zwei und drei ein. Vertraut man der Statistik, sollte man besonders die Südautobahn meiden. 100 Meldungen kamen von der A2, die Westautobahn kommt auf 65 Alarme und liegt vor der Pyhrnautobahn (49).

  • Lkw-Crash auf der Autobahn

    Vor einer anderen Gefahr auf den Autobahnen warnt der ARBÖ. Denn an einem Drittel der Unfälle sind dort mittlerweile Schwerfahrzeuge beteiligt, hat die Interessenvertretung errechnet. Am höchsten war das Risiko dabei im Jahr 2002 in Oberösterreich, vermeldet der Autofahrerklub.

    Unfälle im Alkoholrausch

    Wenn ein Fahrzeug in einen Crash verwickelt ist, spielt oft auch Alkohol eine Rolle. Der Promille- ist nach dem Geschwindigkeitsrausch die zweithäufigste Ursache für tödliche Unfälle. Auch hierfür hat der Verkehrsclub eine Rangliste erstellt: Die führt Tirol vor der Steiermark und Salzburg an.

    Wiederum umgelegt auf 100.000 Einwohner ereigneten sich im "heiligen Land" 52 Alkounfälle, bei denen 73 Menschen verletzt worden sind. Die Steiermark kommt nach dieser Rechnung auf 63 Verletzte, in Salzburg waren es schließlich 56.

    Den Kampf gegen Betrunkene hinter dem Steuer hat die Exekutive im abgelaufenen Jahr allerdings verstärkt. 133.586-mal wurde ein Lenker zum Röhrchenblasen gebeten, 945 Fahrer mussten sich Blut abzapfen lassen. Noch nie zuvor wurden in Österreich so viele Alkokontrollen durchgeführt.

    Verkehrsunfallstatistiken

    Im Europavergleich liegt die Alpenrepublik in den Verkehrsunfallstatistiken aber immer noch im schlechten Mittelfeld. Bis 2010 soll die Zahl der Verkehrstoten von derzeit jährlich rund 1000 halbiert werden. So lautet zumindest das Ziel des österreichischen Verkehrssicherheitsprogrammes. Sollte das gelingen, würde man an die europäische Spitze herankommen. Insgesamt 115 Maßnahmen in 27 Schwerpunktbereichen wurden ausgearbeitet, ob alle umgesetzt werden können oder dem politischen Druck zum Opfer fallen, steht in den Sternen.

    Punkteführerschein

    Die Einführung des Punkteführerscheins ist derzeit noch immer umstritten (siehe Kasten), niedrigere Tempolimits auf Freilandstraßen, wie vor Verkehrssicherheitsexperten gefordert, werden wohl nur Volksvertreter einführen, die sich keiner Wiederwahl mehr stellen müssen. Im Gegenteil: Der steirische VP-Klubchef Christopher Drexler ließ am Freitag mit seinem Vorschlag aufhorchen, die Geschwindigkeitsbegrenzung auf gut ausgebauten Autobahnen auf 160 Stundenkilometer zu erhöhen. Im Gegenzug sollte bei gefährlichen Verhältnissen wie heftigem Regen das Limit auf 100 oder 110 km/h gesenkt werden. (Michael Möseneder,DER STANDARD Printausgabe 2/3.8.2003)

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      Gefahr Autoverkehr

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      Über 500 Menschen verloren heuer in den ersten sieben Monaten bei Verkehrsunfällen auf den heimischen Straßen ihr Leben. Die Gefahr, ein Opfer zu werden, ist dabei regional höchst unterschiedlich gelagert

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