"Österreich bleibt Laden-Schlusslicht"

6. August 2003, 14:34
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Urlauber wollen auch sonntags shoppen

Wien - Die neuen Ladenöffnungszeiten gehen vielen gegen den Strich. So wettert vor allem die Tourismuswirtschaft dagegen, dass auch in Zukunft das Gros der Rollbalken am Sonntag unten bleiben muss. Peter Peer, Chef der Mercure Hotels Österreich, zeigt sich deshalb im Gespräch mit dem Standardüberzeugt, dass "Österreich mit solchen Rahmenbedingungen auch weiterhin internationales Laden-Schlusslicht bleiben wird." Peers Frust richtet sich gegen die Landeshauptleute, welche die Liberalisierungsnotwendigkeit noch immer nicht verstanden hätten. Vor allem in Wien, wo der Sonntag tabu bleibt und auch nur an einem Wochentag länger offen bleiben darf, werde völlig realitätsfremd agiert: "Wenn die Schengener Grenzen weiter in den Osten rücken, sind die meisten Wiener schneller in Bratislava als in der SCS", ätzt er.

Peer, auch Präsident der Hoteliervereinigung (ÖHV), kann sich mit seiner Aufsperrforderung für Sonntag jedenfalls auf eine aktuelle ÖHV-Umfrage stützten. Demnach wünschen sich "sieben von zehn Wien-Urlaubern, dass die Geschäfte auch am Sonntag offen sind". Auf die Frage, ob sie dann auch mehr einkaufen würden, antworteten 52,3 Prozent mit Ja. Experten nehmen dadurch eine Umsatzsteigerung von rund elf Prozent als durchaus realistisch an. Derzeit fließt dem Wiener Handel ein Umsatz von 5,4 Mrd. Euro durch Touristen zu.

Platte Nasen statt Cash

Die ÖHV-Umfrage zeigt jedenfalls, dass die Gäste mit dem heimischen Einkaufsangeboten deutlich zufriedener sind als mit den Ladenöffnungszeiten. Die Hoteliers wollen deshalb nicht einsehen, dass auch künftig das Gros der Urlauber "am Samstagabend abreist und sich die verbleibenden Gäste dann nur mehr die Nasen an den Schaufenstern platt drücken können." Vor allem die deutschen Touristen tun dies äußerst ungern. Sie sind deutlich unzufriedener als andere Gäste, weil sie Österreich mit ihren anderen klassischen Reisezielen - Spanien und Italien - vergleichen. Mehr Angebot am Sonntag wird es aber trotzdem nur auf Bahnhöfen geben. Das neue Ladenöffnungsgesetz sorgt zumindest hier dafür, dass in den dortigen Supermarktfilialen am Sonntag künftig mehr als nur "Reiseproviant" verkauft wird.(Monika Bachhofer, Der Standard, Printausgabe, 02.08.2003)

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