USA wollen Saddam Hussein vor irakisches Gericht stellen

2. August 2003, 11:49
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Präsidententöchter wollen tote Brüder ins jordanische Exil überführen lassen

Washington/Amman - Die USA wollen den entmachteten irakischen Präsidenten Saddam Hussein nach Informationen der "New York Times" nach seiner Festnahme vor ein irakisches Gericht stellen. Es sei wichtig, "dass wir die Zuständigkeit für diesen Fall den Irakern übertragen", zitiert die Zeitung in ihrer Freitag-Ausgabe einen nicht näher genannten Mitarbeiter des US-Außenministeriums. Saddam solle vor einem Tribunal aus irakischen Richtern für seine "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" angeklagt werden. Ein internationales Gericht unter der Leitung der Vereinten Nationen lehnen die USA laut dem Bericht ab.

Auch der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag eigne sich nicht für die Ahndung der Menschenrechtsverbrechen, da er sich nur mit Straftaten befasse, die nach dem 1. Juli 2002 begangen wurden. Vor allem amerikanische Diplomaten im Irak hätten sich für einen Prozess im Land eingesetzt, da die irakische Bevölkerung gegen ein internationales Tribunal außerhalb ihres Landes sei. Auch der von den USA eingesetzte irakische Übergangsrat hatte Mitte Juli beschlossen, ein Tribunal für die strafrechtliche Verfolgung von Verbrechen des gestürzten Baath-Regimes einzusetzen.

Nach den US-Plänen könnte sich das Gericht aus Juristen zusammensetzen, die unter Saddam Hussein entlassen oder geflohen waren. Neben dem gestürzten Machthaber könnte das Gericht auch über Mitglieder seiner Regierung und des irakischen Militärs urteilen. Saddam selbst solle unter anderem wegen versuchten Völkermordes an den irakischen Kurden angeklagt werden, hieß es in dem Zeitungsbericht.

Die beiden nach Jordanien geflohenen Töchter Saddam Husseins wollen die Leichen ihrer beiden getöteten Brüder Udai und Kusai nach Angaben eines Verwandten überführen lassen. Raghad und Rana wollten ihre Brüder "nach islamischer Tradition bestatten", sagte ein enger Verwandter der Schwestern am Freitag in Amman. Sie seien deshalb bereits mit den USA in Kontakt. (APA/dpa)

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