Neue Widersprüche im Fall Struzl

3. August 2003, 19:00
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Beim Kauf von VAE-Aktien durch Voest-Chef Struzl sei der Ausstieg der Vossloh AG völlig offen gewesen, sagt der Vossloh-Chef

Wien - Der wegen seines privaten Aktiendeals unter massivem öffentlichem Druck stehende Voest-Chef Franz Struzl bekommt nun Schützenhilfe aus Deutschland. Gleichzeitig tauchen aber neue Ungereimtheiten auf, die den ^genauen Wissensstand des Voest-Generals vor seinem Kauf von Aktien der Voestalpine Eisenbahnsysteme (VAE) am 3. Juli 2002 betreffen.

So sei schon längere Zeit vor dem Ausstieg der Vossloh AG bei der VAE am 15. Juli 2002 im Voest-Aufsichtsrat die beabsichtigte Übernahme der Vossloh-Anteile und ein entsprechendes Preisband genehmigt worden, bestätigte Voest- Aufsichtsratschef Rudolf Streicher dem Standard. Wann genau, könne er nicht sagen, so Streicher. Die Genehmigung sei jedenfalls vor der letzten Aufsichtsratssitzung zu diesem Thema, die am 2. Juli 2002 stattfand, erteilt worden.

Für die 45,3 Prozent der Vossloh AG an der VAE zahlte die Voest 140 Millionen Euro, und jede VAE-Aktie, also auch Struzls 2800 Stück, die er am 3. Juli zu je 130 Euro geordert hatte, wurden mit 221,47 Euro abgefunden. Da der Preis innerhalb der genehmigten Bandbreite lag, so Streicher, sei zwar das Aufsichtsratsprä 5. Spalte sidium informiert worden, eine neuerliche Aufsichtsratssitzung sei aber nicht mehr nötig gewesen.

Struzls Anwalt besteht im Gegensatz zum Staatsanwalt weiterhin darauf, dass Struzl kein Insiderwissen hatte, da der Deal rund um die VAE noch mit großen Unsicherheiten behaftet gewesen wäre.

Diese Sicht der Dinge teilt der Vorstandschef der deutschen Vossloh AG, Burkhard Schuchmann. Die Vossloh AG ist insofern der Angelpunkt der ganzen Causa, als erst durch die Übernahme des französischen Weichenherstellers Cogifer durch Vossloh (am 15. Juli 2002) der Ausstieg der Deutschen bei der VAE besiegelt war und die Voest - wie geplant und genehmigt - zum Zug kam.

"Völlig offen"

Burkhard sagte: "Anfang Juli 2002 waren mit uns noch vier bis fünf Bieter um Cogifer im Rennen, da lief noch die Due-Diligence (vertiefte Unternehmensprüfung, Anm.). Der Deal war zu diesem Zeitpunkt in der Tat völlig offen. Selbst am 15. Juli, am Tag unserer Vertragsunterzeichnung, kam es nochmals zu einer Situation, die kurzfristig alles infrage stellte. Bis zur Unterschrift hätte das noch scheitern können."

Seit 1998 waren Vossloh und die Voest zu je 45,3 Prozent an der VAE beteiligt. Cogifer war der direkte VAE- Konkurrent im Weichenbau. Die Cogifer-Übernahme durch Vossloh erzwang schon aus kartellrechtlichen Gründen den Ausstieg der Deutschen bei der VAE. (Michael Bachner, Der Standard, Printausgabe, 02.08.2003)

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