Alternative zu Antibiotika

6. August 2003, 11:44
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Autovakzine wirken gegen chronische Infektionen und sind weitgehend frei von Nebenwirkungen

Heidelberg - Im Kampf gegen chronische Infektionskrankheiten könnten so genannte Autovakzine in Zukunft Antibiotika ersetzen. Bei dem schon seit 100 Jahren bekannten Verfahren wird der Patient mit einem seinem eigenen Körper entnommenen Erreger geimpft, wie die Universitätsklinik Heidelberg berichtet. In Osteuropa werde die Methode offenbar mit Erfolg gegen chronische Infektionen der Harn- und Atemwege sowie gegen viele Hautkrankheiten wie Akne oder Furunkulose eingesetzt.

Dabei werden aus einem Infektionsherd die Erreger entnommen, angezüchtet und schonend abgetötet. Dieser Totimpfstoff wird dann dem Patienten injiziert. Dadurch wird das Immunsystem gezielt auf den auslösenden Erreger sensibilisiert. Autovakzinen werden eingesetzt, wenn eine schwere Infektion nicht mehr beherrschbar ist. Der genaue Wirkmechanismus ist allerdings noch unbekannt.

Keine Nebenwirkungen

Die Entdeckung der Antibiotika ließ die Autovakzine zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten in Vergessenheit geraten. Lediglich in Osteuropa hat sich die Behandlungsart erhalten. Ein Vorteil im Vergleich zu Antibiotika liegt darin, dass in der Regel keine Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Magen-Darm-Probleme auftreten. Zudem sind bakterielle Erreger zunehmend gegen Antibiotika resistent. Im vergangenen Jahr wurden in den USA erstmals zwei Stämme von Staphylococcus aureus entdeckt, bei denen alle verfügbaren Antibiotika keine Wirkung mehr entfalteten.

Das Forscherteam, darunter Mediziner der Universitätsklinik Heidelberg, wollen auch die Wirksamkeit der Madentherapie sowie der Eigenbluttherapie untersuchen. Bei dem ersten Verfahren setzen Maden ein Verdauungssekret frei, durch das sie entzündetes und abgestorbenes Gewebe aus einer Wunde saugen können. Das Verdauungssekret besteht aus mehr als 1.000 Proteinen und wirkt keimtötend. Bei der Eigenbluttherapie wird Blut des Patienten in eine chronisch infizierte Wunde gespritzt. Nährstoffe und immunologische Wirkstoffe lösen dann offenbar einen heilungsfördernden Reiz aus. (APA/AP)

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