Opiattherapie ohne Gefahr eines Atemstillstands

1. August 2003, 20:59
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Neues Verfahren schließt lebensgefährliche Komplikation bei Operationen aus

Göttingen - Ärzte können künftig bei Operationen Opiate als Schmerzmittel einsetzen, ohne einen Atemstillstand des Patienten zu riskieren. Mediziner der Universität Göttingen haben eine Kombinationstherapie entwickelt, die diese lebensgefährliche Komplikation ausschließt. Eine solche Behandlung würde auch chronische Schmerzpatienten vor der Gefahr einer Atemdepression schützen.

Opiate werden vor allem bei Narkosen und in der Therapie chronischer Schmerzpatienten eingesetzt. Sie hemmen Nervenzellen, die Informationen über Schmerz weiterleiten. Diese Wirkung beruht darauf, dass die Opiate an bestimmte Rezeptoren dieser Zellen binden und die Konzentration des Botenstoffes cAMP verringern. Je geringer die cAMP-Konzentration in einer Nervenzelle, desto weniger leicht ist sie erregbar. Der Nachteil ist allerdings, dass auch die Nervenzellen des Atemzentrums Opiatrezeptoren besitzen, so dass auch hier die cAMP-Bildung gehemmt wird.

Spezifischer Rezeptor

Die Göttinger Neuro- und Sinnesphysiologen entdeckten nun in den Nervenzellen des Atemzentrums einen spezifischen Rezeptor für den Botenstoff Serotonin. Dieser Rezeptor erhöht den cAMP-Spiegel in den Zellen und wirkt damit der Opiatwirkung entgegen: Mit der Droge BIMU8 können die Forscher die Nervenzellen des Atemzentrums stimulieren. Da die Zellen der Schmerzbahn den Rezeptor nicht haben, bleibt die schmerzlindernde Wirkung der Opiate erhalten.

An Ratten wiesen die Forscher nach, dass die Kombination von Opiaten und BIMU8 Schmerzen unterdrückt, gleichzeitig aber keine Atemdepression auslöst. Dieses Verfahren lässt sich nach Angaben von Forschungsleiter Diethelm Richter wahrscheinlich auf den Menschen übertragen. (APA/AP)

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