Zweites Quartal 2013: Wo Werner Faymann fair wohnt

15. September 2013, 19:29
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Medientransparenz im Detail - Maria Fekters Faible für die "Presse" und die Wissenschaften vom Menschen

Wien – Das Kanzleramt warb nicht in "Fair Wohnen". Das hoch glänzende, an Mitglieder versandte Magazin der Mietervereinigung Wien widmete derem früheren Chef Werner Faymann ohnehin gerade drei Seiten. Das "Interview" mit dem heutigen SPÖ-Chef und Bundeskanzler wirkte freilich nur auf den allerersten Blick redaktionell im klassischen Sinn gestaltet.

"Wie geht es Dir?" fragt der heutige Chef der roten Interessenorganisation seinen Genossen Faymann, auch nach den "Errungenschaften" in den ersten fünf Jahren im Kanzleramt und so weiter.

"Fair Wohnen" wird produziert von der Quality Multi Media, die zu 95 Prozent der Periodika Privatstiftung gehört. Die Periodika hält auch 26 Prozent an der Gratiszeitung "Heute", an der eine von Eva Dichand und ihrem Bruder ins Leben gerufene Stiftung die Mehrheit besitzt.

Quality Multi Media gibt auch einen "Smartguide" zum Magazin der Mietervereinigung heraus. Unter den Inserenten im zweiten Quartal 2013 laut am Sonntag veröffentlichten Meldungen an die Medienbehörde: das Verteidigungsministerium mit 8316 Euro, jenes für Soziales mit 6600, das für Bildung mit 7400, die Stadt Wien mit 15.714, das Wohnservice Wien mit 9240.

Das sind Peanuts im Vergleich zum Werbevolumen öffentlicher Stellen im zweiten Quartal 2013. Aber auch kleine Beispiele, welche Wege öffentliche Gelder in welche Medienhäuser nehmen, die auch medientransparent aufgelistet nicht gleich ins Auge fallen. Und eine von vielen gar nicht so kleinen Kleinigkeiten, die das Gesamtbild doch wieder recht intransparent verschwimmen lassen.

Zweites Quartal 2013: 59 Millionen Euro

Insgesamt warben Österreichs Ministerien, Bundesländer, Firmen in öffentlichem Besitz, Fonds, Körperschaften und Vereine von April bis Juni 2013 im Gegenwert von 59 Millionen Euro. 5500 Stellen melden Quartal für Quartal ihre Buchungen in den verschiedensten Medien, Beilagen, Ablegern - noch immer unter verschiedensten Bezeichnungen, obwohl die Medienbehörde die möglichen Schreibweisen einschränkte.

Zur Vielfalt der Meldung kommen die rasch entdeckten und genutzten Umgehungsmöglichkeiten des Medientransparenzgesetzes. Buchung in Beilagen etwa, die seltener als viermal jährlich erscheinen, ist nicht zu melden.

Entsprechend schwierig ist, ein präzises, transparentes Bild öffentlicher Werbung auch ein Jahr nach dem Medientransparenzgesetz. Gemeldet wurden in diesem ersten Jahr, seit es in Kraft trat: insgesamt rund 203 Millionen Euro öffentlicher Werbebuchungen.

Welche Buchungen von öffentlichen Firmen, Stiftungen, Vereinen und Körperschaften sind etwa Ministerien zuzuordnen? DER STANDARD und derStandard.at ordnen nun vorerst nur noch Firmen in Allein- und Mehrheitsbesitz etwa von Ländern zu.

Finanz vor Kanzleramt

Das lässt Fälle unberücksichtigt, in denen ein Minister oder sein Kabinettchef bei einer großen Firma in seinem Einflussbereich vorstellig wird, er brauche "ein paar Millionen" Werbemittel für den jeweiligen Amtsträger. Die Staatsanwaltschaft ermittelte bereits in solchen Fällen.

Die ÖBB warb im zweiten Quartal 2012 laut Meldung für rund 2,4 Millionen Euro, die Straßenbauer von der Asfinag für gut 1,7 Millionen. Die als Verein organisierte Österreich Werbung etwa für 3,1 Millionen.

Unter den Ministerien (ohne Firmenzuordnungen) gab jenes für Finanzen am meisten aus. Mit 125.627,29 Euro schaltete Maria Fekter in der "Presse" so viel wie in "Österreich" und "Krone" zusammen. Nur ein Teil der ansehnlichen Summe fließt allerdings in klassische Inserate: Dahinter dürfte eine Medienkooperation stehen, die eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der "Presse" mit dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) stehen.

Zweitgrößter Bucher in der Regierung ist im zweiten Quartal das Kanzleramt. Es schaltet offenbar im Großen ziemlich strikt nach überregionaler Reichweite: "Krone" vor "Heute" vor "Kleine Zeitung" vor "Österreich" und "Kurier". Dann kommt "e-media" vor "Standard" und "Presse". Im Kleinen bucht man am Ballhausplatz vor allem bei Medien mit Migrations- und Volksgruppenhintergrund.

Die Bundesländer - mit Firmen in Allein- und Mehrheitsbesitz - warben um fast 21 Millionen Euro. Wien, traditionell stärkster Werber, buchte alleine fast die Hälfte davon.

Echo der Heimat

Und wo bucht Wien? Im nationalen Reichweitenriesen "Krone" um 1,5 Millionen, in der Mediengruppe Österreich, in der Wiener Nummer 1 "Heute" 1,2 Millionen. Die Gratiszeitung kontrolliert Herausgeberin Eva Dichand, sie ist auch Frau des "Krone"-Chefs.

Gleich nach dem ORF folgt bei den Wiener Buchungen das Echo Medienhaus mit 0,75 Millionen - es gehört dem zumindest SP-nahen Verein der Wiener Arbeiterheime. Der Verlag Bohmann gibt viele Publikationen der Stadt heraus - sie und ihre Firmen buchen in diesem Quartal bei Bohmann für 0,55 Millionen Euro.

Niederösterreich liegt mit 3,7 Millionen Euro Buchungsvolumen in diesem Quartal auf Rang zwei. 591.197,12 Euro gingen an Publikationen des Niederösterreichischen Pressehauses (Niederösterreichische Nachrichten). Der ORF auf Platz zwei in diesem Bundesland erhielt etwas mehr als die Hälfte davon.

"Krone" vor ORF Die Gesamt-Medienwertung aller öffentlichen Buchungen geht auch in diesem Quartal an den Reichweitenriesen Kronen Zeitung mit rund 6,1 Millionen Euro vor dem ORF mit rund 5,5 Millionen.

Die von Wolfgang Fellner geführte Mediengruppe um Österreich kommt in dieser Gesamtwertung auf rund 3,9 Millionen Euro. Die Gratiszeitung Heute auf fast 3,5 Millionen Euro im Quartal, die Daten schließen etwa auch das Portal netdoktor.at ein. Und "Fair Wohnen" spielt auch eine kleine Rolle dabei. (Harald Fidler, DER STANDARD/derStandard.at, 16.9.2013)

  • Grafik: Wieviel die Ministerien und Bundesländer von April bis Juni 2013 buchten - und wo
    grafik: standard

    Grafik: Wieviel die Ministerien und Bundesländer von April bis Juni 2013 buchten - und wo

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