Bitte keine Entballungen

13. September 2013, 18:05
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Dank Handlungsarmut ist die Serie eher für eine Zielgruppe gebaut, die sich nicht verunsichern lassen will - donnerstags auf Servus TV

Die Romanvorlage "Das Paradies der Damen" stammt von Émile Zola und war zu seiner Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts, ein Bestseller. Beworben wird die Serie mit dem geschlechtlich und grammatikalisch nicht korrekten Zusatz "für Freunde von Dowton Abbey". Wenn man davon ausgeht, dass letztgenanntes britisches Fernsehwunder aber gut sei, muss man schon so fair sein, eines festzustellen: "The Paradise", das nun  immer am Donnerstag im Hauptabend auf Servus TV gezeigt wird, hat weniger mit "Das Haus am Eaton Place" als Vorläufer "Downton Abbey's" zu tun – woran sich Kinder der 1970er-Jahre noch mit Entsetzen erinnern. Von wegen: Folge 37, Der angebrannte Milchreis. Folge 51, Aufregung um eine ungebügelte Zeitung.

"The Paradise" ist mit seinen acht sehr wahrscheinlich allesamt dank Handlunsarmut länglichen Teilen der ersten von zwei Staffeln eher für eine Zielgruppe gebaut, die sich nicht von unvorhersehbaren Ereignisballungen in einer Geschichte verunsichern lassen will.

Es geht um die Schicksale der Beschäftigten in einem der ersten damals um die vorletzte Jahrhundertwende gegründeten Kaufhäuser in Nordengland. Es geht um Aschenputtel als Landei, das als Verkäuferin anfängt – diese Schuhe, hihi! Märchenprinz mit kapitalistischem Turbo-Nullgenierer ist der oberste Chef. Eine böse Abteilungsleiterin und Zickenkrieg gibt es auch. Mit dem Sex hält man sich vornehm zurück, aber es sind ja Briten.

Ab Minute fünf weiß man, wie alles ausgehen wird. Das lädt genausogut zum Schlafen ein wie ein mittelprächtiger "Tatort", der Effekt stellt sich aber um mindestens 15 Minuten früher ein. Super Sache, die ganze Familie hasst es. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 14./15.9.2013)

  • Kostümserie "Paradise"
    foto: servus tv

    Kostümserie "Paradise"

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