Wachsen in der Krise - geht das?

13. September 2013, 17:54
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Der zweite ExpertenClub des BFI Wien am vergangenen Dienstag im Tech Gate Vienna widmete sich dem Krisenmanagement

Vor rund zwei Jahren ist Valerie Höllinger für einen Change ans BFI Wien geholt worden, als dann kurze Zeit später dort die Gelder gekürzt wurden, so die BFI-Chefin vergangenen Dienstag am Podium des zweiten BFI-ExpertenClub. Dann war sie da, die Krise, und man musste mit ihr umgehen - führte Höllinger in das Thema des Abends "Krisenmanagement - Wachsen in der Krise?" ein. Gemeinsam mit Wolfgang Müller, Linienpilot und Gründer des Aviation Forum, das unterschiedlichen Unternehmungen und Organisationen Trainings zu Risiko- und Krisenmanagement anbietet, sowie mit Bernhard Kohl, Ex-Radrennprofi und heute Fahrradshop-Inhaber mit 34 Mitarbeitern, diskutierte Höllinger Methoden des Führens, Handelns und Kommunizierens in Krisensituationen.

Offenheit, Mut, Ausdauer

Für Valerie Höllinger war Transparenz - in Kommunikation und im Handeln - ein Treiber im Veränderungsprozess. "Die Krise hat die Ängste der Mitarbeiter geschürt", erzählt sie, sie habe diese nicht kleingeredet, sondern diese Ängste kanalisiert, sie für sich und den Prozess genutzt. "Das klingt vielleicht brutal", sagt sie, Veränderungen finden aber meist erst dann statt, wenn der Schmerz groß ist. Auch das sei eine Methode, Menschen für das Richtige ins sprichwörtliche Boot zu holen. So gesehen sei die Krise, die ja "von außen kam", auch ein Veränderungstreiber gewesen - dies durchaus auch im positiven Sinn, sagt sie in der Rückschau.

Auch für Bernhard Kohl war "Offenheit", wie er sagt, der Schlüssel aus der Krise. "Die Lügerei vor der Überführung wegen Dopings war schrecklich", schildert er seine berufliche wie persönliche Krise, die schließlich in einem jähen Karriereende durch Berufsverbot als Radrennfahrer mündete. Heute habe er alles dazu gesagt, zu seinen Fehlern und Versäumnissen. Er habe unter diesen Teil seiner Vergangenheit einen Schlussstrich gezogen und als Unternehmer neu angefangen - und aus den Erfahrungen früher Tage gelernt. Kohl: "Wenn eine Krise aufkommt, weiß ich, dass sie schnell bearbeitet gehört, klar und offen an die Mitarbeiter kommuniziert werden muss."

"Plan B"

Interessant ist, sagt Wolfgang Müller, dass die wenigsten an eine Alternative, an einen "Plan B", denken. Das sei für ihn als Pilot in Beraterfunktion anfangs überraschend gewesen. "Als Piloten müssen wir einen Notfallplan haben, wir sind auf Krisen vorbereitet", sagt er. Und falls der Fall der Fälle eintrete, gelte die Notfallregel "fly, navigate, communicate". Im übertragenen Sinn heiße das, "einen Schritt zurück zu machen und sich auf die wichtigsten Überlebensschritte zu besinnen. Sie müssen immer zuerst schauen, ob sie noch fliegen. Es sind schon einige Flugzeuge heruntergefallen, weil alle nur noch auf das Problem geschaut haben." Als Berater heiße das zunächst, Bewusstsein für eine mögliche Krise zu schaffen. Und wenn es aber dann so weit ist, klare, direkte Anweisungen zu geben. Und wie kommt man gestärkt aus einer Krise? Mithilfe von Freunden, Beratern, und auch das Achten auf die Gesundheit waren Schlagworte. Höllinger: "In schwierigen Zeiten lernt man seine Stärken kennen, man tut Dinge, von denen man zuvor nicht gedacht hat, dass man sie kann. Und dann sprechen einen Freunde an und sagen: 'Deinen Job könnte ich nicht machen.' - Und man selbst denkt sich: 'Ich kann das.'" (red, STANDARD, 14./15.9.2013)

Der nächste ExpertenClub findet am 12. November statt und widmet sich dem Thema Humor.

Link:

www.bfi-wien.at

  • Beim ExpertenClub des BFI Wien wurde offen über Einsamkeit, Fehler und Neubeginn gesprochen (v. li.): Moderatorin Heidi Aichinger (der Standard ), Ex-Radrennprofi Bernhard Kohl, Linienpilot Wolfgang Müller und BFI-Geschäftsführerin Valerie Höllinger.
    foto: standard/fischer

    Beim ExpertenClub des BFI Wien wurde offen über Einsamkeit, Fehler und Neubeginn gesprochen (v. li.): Moderatorin Heidi Aichinger (der Standard ), Ex-Radrennprofi Bernhard Kohl, Linienpilot Wolfgang Müller und BFI-Geschäftsführerin Valerie Höllinger.

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