Vom Gesetz und vom wirklichen Leben

Kolumne | Mia Eidlhuber
15. September 2013, 17:00

Ich wusste auch lange nichts mit dem Wort Doppelresidenz anzufangen, kannte keinen Unterschied zwischen Alimenten und Kindesunterhalt und bin immer vage davon ausgegangen, dass eine gemeinsame Obsorge für ein gemeinsames Kind nach einer Scheidung der einzig gangbare Weg ist. Das ist er für mich immer noch, inzwischen aber weiß ich, dass Alimente nur ein anderes Wort für Kindesunterhalt ist und die Sache mit der Doppelresidenz abseits aller organisatorischen Hürden auch gesetzlich eine hochkomplexe Sache ist.

Denn das, was eine Vielzahl auch an österreichischen Kindern in ihrem Alltag bereits praktiziert, nämlich annähernd zu gleichen Teilen bei Mutter und Vater zu leben, sprich zwischen zwei "Residenzen" (klingt super, ist aber für die Kinder oft stressig) zu pendeln, dieses Modell ist im österreichischen Gesetz nicht verankert. Der österreichische Gesetzgeber geht noch immer davon aus, dass einer (hauptsächlich) betreut und der andere (hauptsächlich) zahlt.

Was aber, wenn beide betreuen? (Was in mancher Hinsicht einfacher wird, wenn Kinder in Richtung Pubertät marschieren und nicht mehr täglich vom Kindergarten abgeholt werden müssen.) Wer zahlt dann? Neue Winterschuhe, Jacken, Zahnspangen, Schienbeinschoner, Ballettschuhe, Judo-Kurse, Kinokarten, Geburtstagstorten, den Friseur, iTunes-Gutscheine, Geschenke für Schulfreunde, Smartphones, Sneakers, Handyrechnungen, Hustensaft, Harry-Potter-Bücher, Schulsachen, Jausenbrote, DVDs, Laptops, Spielkonsolen, von Kindergarten- und Hortkosten, Landschulwochen oder Sprachferien für die Großen ganz zu schweigen.

Wie wird das geregelt? Derzeit gar nicht. Denn wollen Eltern oder, besser gesagt, wollen deren Kinder eine Doppelresidenz leben, können sie dies nur außerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen tun. "Außergerichtlich" heißt hier das Zauberwort, und sich auf die Art zu einigen empfehlen zunehmend auch Jugendgerichte. Dazu braucht es aber Eltern, die einander auch nach einer Scheidung respektieren und verstehen. Das ist oft gar nicht so einfach. (Mia Eidlhuber, derStandard.at, 15.9.2013)

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Neue Regierung- neues Familienrecht!

1) Natürliche selbstverständliche gemeinsame Obsorge für leibliche Kinder!
(mit Antragsrecht auf alleinige Obsorge bei nachgewiesener Kindeswohlgfährdung)
2) Bei wiederholter Kontaktunterbrechung und/ oder PAS Verursachung soll das Kind aus der hauptsächlichen Betreuung des schädlichen Elternteil in die Obhut des anderen Elternteils wechseln.
3)Kontaktenzug und PAS Verursachung ins Strafgesetzbuch
4) Möglichkeit und Antragsrecht auf Doppelresidenz
5) endlich vollständige Umsetzung der UN Kinderrechtskonvention 1989
6) Evaluierung der Sozialarbeiterausbildung in Familienbetreuungsstellen

Muss unglaublich toll sein, jede Woche den Wohnort zu wechseln.

"Doppelresidenz" ist auch nur ein Euphemismus für die Tatsache, dass das Leben dieser Kinder mehr oder weniger zerrissen ist.

Das Gesetz geht davon aus, dass eine doppelresidenz nicht dem kindeswohl entspricht.

fast notgedrungen (Teil2)

... der Unterkunftgebende Elternteil zahlt jedoch (je nach Vereinbarung mit dem anderen) auch einen BEtrag auf das Konto ein. Beide Eltern können dann wiederum Geld für die Kindeskosten abheben, eben AUCH der geldunterhaltspflichtige, der auf diesem Weg bei gemeinsamen Urlauben, Kino oder was sonst noch weniger Auslagen zu tätigen braucht.
Ein ist aber klar.. dazu braucht man einen nicht so geringen Konsens über die Elternschaft.

fast notgedrungen

Nachdem beim Gedanken an eine Doppelresidenz ja fast schon notgedrungen eine Einigkeit zwischen den Eltern zu erwarten ist, was die Basics der Elternschaft betrifft gibt es sehr wohl Modelle, die sich in der Beratungspraxis bewährt haben und uns in den Beratungsstellen immer wieder positives Feedback bringen:
a.) eine klipp und klare Kontaktregelung für den Notfall, also eine, in der penibel genau geregelt ist, wann das Kind wo ist. Diese Regelung dient aber nicht als Norm sondern nur als Backup, damit für den Fall eines Streites zwischen den Eltern ein Mindestrecht des Kindes gesichert bleibt
b.) ein Kinderkonto, auf das BEIDE Eltern erstens Zahlungen leisten (der geldunterhaltspflichtige Elternteil halt den Geldunterhalt...) .....

Wenn ma das Modell halbwegs friedlich bekommt, braucht ma ka Scheidung.

quatsch

"wenn-dann"-kombiantionen ergeben selten sinn. vielmehr wäre es anzustreben, nach einer scheidung sachlich oder gar freundschftlich zu empfinden oder zzumindest so handeln. in einer beziehungen kommen viele unbewusste "unsachlichkeiten" zum vorschein...wenn die man-frau-gefühle weg sind, dann nicht mehr. es gibt unzählige menschen, die es schaffen.

ich hatte das glück, meinen ex, bis er leider verstarb, nach der beziehung wie einen bruder zu betrachten, schätzen und zu lieben

Bravo. Endlich mal eine Frau, die das Kindeswohl erkannt hat...

Täubel Weinreich erklärt übrigens in der Presse, dass das fehlende Interesse an der gemeinsamen Obsorge der ledigen Väter in ihrem Realitätssinn besteht. Sinngemäß: Am Wochenende kann man zum Arzt auch ohne Obsorge. Vermutlich aufgrund einer Notsituation...

Der Oberste Gerichtshof scheint indessen neustens folgendes zu erkennen: „Dabei konnte die Mutter auf die gängige Praxis vertrauen, dass die Beziehungs- und Betreuungskontinuität zumal bei einem Kleinkind für sie sprechen würde, während der Vater gravierende Mängel dieser Betreuung aufzeigen musste, um eine alleinige Betrauung mit der Obsorge zu erwirken“ (4 Ob 32/13d)
Meint er, wenn die "Gesprächsbasis" fehlt?

das ist bei der einfachresidenz auch nicht wirklich gelöst. wie will man den exmann die kosten verrechnen, wenn das kind kommt und fragt, kann ich einen fünfer für das oder jenes haben? in den meisten fällen wird man das ihnen nicht verweigern, aber auch nix vom ex fordern. nur im laufe des monats werden das auch einige fünfern sein und wie soll man dann das je verrechnen? ich zahl halt drauf, wie die anderen das machen ist mir ein rätsel.

ausnahmsweise ist dieser artikel nicht so chaotisch wie die vorangegangenen, also gibt es verbesserung, bravo

war daran sehr interessiert, aber unter einer solchen gesetzeslage ist das äusserst kritisch und nicht machbar. leider.

Wir machen das seit über 10 Jahren und es funktioniert erstklassig - wie auch im Artikel vorausgesetzt, sofern die Eltern sich respektieren :)

Wenn sich die Eltern nicht verstehen wird das auch mit der Doppelresidenz sicher nichts.

Außergerichtlich

Das wäre noch ein Stück Recherche wert. Die Mutter kann auf den Unterhalt des Kindes nicht wirksam verzichten, da es sich um einen Rechtsanspruch des Kindes handelt. Sie kann ihn aber vermutlich auch rückwirkend im Namen des Kindes einklagen, oder nicht? Da begibt man sich auf dünnes Eis.

Einseitige Betrachtung ihrerseits. Vielleicht kann der Vater auf den Unterhalt des Kindes nicht wirksam verzichten ..... Ach ja stimmt in Österreich bekommen ja im Streitfall automatisch die Mütter die Obsorge .

um den streitfall gehts hier ja gar nicht, hatte nur keine lust am handy gendergerecht zu posten. bitte zur strafe 3 x zornig im kreis springen.

Unterhalt ist zu zahlen, der muss dann halt mit den weiteren Kosten gegengerechnet werden oder sonst eine Regelung gefunden werden, aber Unterhalt ist jedenfalls zu zahlen.

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