Geplantes Fahrverbot für Tiroler Industrie "Katastrophe"

3. August 2003, 20:32
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Umsatzeinbrüche, Verlust von Arbeitsplätzen oder Einkommenseinbußen befürchtet

Innsbruck - Massiv gegen das geplante Lkw-Fahrverbot in Tirol hat sich am Freitag die Tiroler Industrie ausgesprochen. Die Maßnahme wäre eine "Katastrophe", sagte der Präsident der Industriellenvereinigung Tirol, Oswald Mayr.

"Umsatzeinbrüche, kurzfristige Verluste und Abbau von Arbeitsplätzen, scharfe Einkommenseinbußen für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie eine kaum mehr gut zu machende Beschädigung des Industrie- und Wirtschaftsstandortes Tirol wären die unabwendbaren Folgen", befürchtete Mayr. Er sei froh, dass das Fahrverbot für Lkw der Euroklassen "0", "1" und "2" noch keineswegs beschlossene Sache sei.

"Dramatische Folgen"

Die Tiroler Industrie setze im tirolerischen und im österreichischen Verteilerverkehr überwiegend Fahrzeuge nach der Klasse "2" und nur wenige der Klasse "3" ein, weil es diese erst seit Anfang 2000 gebe. Im Gegensatz zum Fern- und Transitverkehr würden die Fahrzeuge im Verteilerverkehr durchschnittlich für die Dauer von sieben bis neun Jahren eingesetzt.

Die Folgen eines Fahrverbotes für "Euro 2" wären für die Tiroler Betriebe und die Tiroler Bevölkerung "dramatisch". So würde etwa die Treibstoffversorgung der Tankstellen "massiv" eingeschränkt werden mit "ernst zu nehmenden Engpässen in der Versorgung der Bevölkerung".

Wirtschaftskammer läuft Sturm

Das geplante neue Lkw-Fahrverbot hat auch bei der Tiroler Wirtschaftskammer Bestürzung ausgelöst. Der Hauptbetroffene sei der heimische Nah- und Werkverkehr. Die Tiroler Wirtschaft würde mit der Maßnahme "im Mark" getroffen, sagte Präsident Hansjörg Jäger.

Die Fahrzeugflotten der Transporteure im internationalen Fernverkehr seien nämlich zum größten Teil bereits auf die seit dem Jahr 2000 erhältlichen "Euro 3"-Lkw umgestellt worden. Fahrzeuge im Nahverkehr hätten hingegen "sehr viel längere Amortisationszeiten". Daher seien im Tiroler Wirtschaftsverkehr noch viele "Euro 2"- Modelle im Einsatz. Ein Wechsel auf die modernere Fahrzeugklasse sei für die Unternehmen in der Regel nicht finanzierbar.

"Eine kurze Umrüstzeit von wenigen Wochen oder Monaten ist daher für die Wirtschaft keinesfalls akzeptabel. Wenn umrüsten, dann ist das Land gefordert dies durch spezielle Förderungsmittel zu unterstützen", forderte Jäger in einer Aussendung. Auch die in den Raum gestellte Möglichkeit der Blockabfertigung sei kein geeignetes Mittel, um die Luftbelastung zu senken. "Durch den Stop-and-Go Verkehr und die viel langsameren Fahrgeschwindigkeiten kommt es zu wesentlich höheren Emissionswerten". Eine "empfindliche Störung des heimischen Wirtschaftsverkehrs" sei zudem die Folge, meinte Jäger. (APA)

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