Wenn zwei eine Reise tun

12. September 2013, 18:09
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Klaus Maria Brandauer mit Belletristischem von Richard Wagner und Pianist Lars Vogt mit Beethovens "Sechs Bagatellen"

Wien - Ein Klavier, ein Tisch, zwei Männer: so die angenehm simple Grundkomposition der diesjährigen Saisoneröffnung des Theaters an der Wien am Mittwochabend. Am Klavier spielt Lars Vogt kleines und großes Spätes von Ludwig van Beethoven, am Tische liest Klaus Maria Brandauer belletristisches Frühes von Richard Wagner: im Wagner-Jahr an Beethovens einstiger Wohn- und Wirkungsstätte doch eine ideale Kombination.

Brandauer liest Wagners Text Eine Pilgerfahrt zu Beethoven, eine fiktionale Geschichte, durchmischt mit autobiografischen Elementen, die der finanzklamme Gesamtkünstler 1840 in Paris für die Zeitschrift Gazette musicale verfasst hat. Die mit komödiantischen Elementen durchsetzte, unterhaltsame Geschichte ist klug komponiert und strebt mit magnetischer Kraft ihrem Finale zu, dem Treffen des Icherzählers mit dem angebeteten tauben Komponisten.

Brandauer beginnt die Tour mit Verve, Allegro assai, drosselt dann das Tempo im Lauf der Erzählstrecke, um den Schlussauftritt des Angebeteten in einem mit Fermaten versehenen Adagio melancholico zu schildern. Er verzichtet auf die staatstragende Robe des Burgtheater-Deutschs und spricht normalmenschlich, trägt die Geschichte mit virtuoser Selbstverständlichkeit, Farbigkeit und Lebendigkeit vor. Mehrmalige Charakterisierungen der Wiener als "oberflächlich" nimmt das Publikum dem Autor nicht krumm - ist ja alles lange her und pure Fiktion.

In den Text eingebaut spielt Lars Vogt zuerst Beethovens letztes Klavierwerk, die Sechs Bagatellen op. 126, danach seine letzte Klaviersonate, das von massivem Toben und zu zartem Schweben sich emporerleichternde Opus 111. Die langen Pausen, in denen der deutsche Pianist Brandauers Vortrag lauscht, schlagen sich lediglich in minimalen Inakkuratessen im Spiel des Charakterkopfs Vogt nieder; der etwas hart klingende Steinway mindert mitunter den Genuss von Vogts zwischen kraftvoller Intensität und spielerischer Leichtigkeit aufgespannten, im Tempo oft überraschend volatilen Interpretationen.

Brandauer folgt alldem mit intensiver Zuwendung. Nach 90 Minuten sind Pilgerfahrt und Klavierwerk unter begeistertem Applaus beendet. Vorhang auf für die neue Saison. (end, DER STANDARD, 13.9.2013)

  • Eröffnungsgast Lars Vogt.
    foto: matthias cremer

    Eröffnungsgast Lars Vogt.

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