Hohe Wohnpreise überraschen selbst Experten

12. September 2013, 18:48
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Wohnen ist ein wichtiges Wahlkampfthema. Kein Wunder - die Preise für Eigentumswohnungen haben sich in Wien in den letzten 13 Jahren verdoppelt

Wolfgang Feilmayr hatte das in dieser Ausprägung nicht erwartet: Vor wenigen Tagen publizierte der Professor der Technischen Universität Wien seinen aktuellen Immobilienindex, den er seit vielen Jahren gemeinsam mit der Nationalbank erstellt. Der Teilindex für gebrauchte Wiener Eigentumswohnungen lag dabei im zweiten Quartal 2013 erstmals jenseits der 200-Punkte-Marke; die Preise in diesem Segment hatten sich seit dem Jahr 2000 also verdoppelt. Der Verbraucherpreisindex legte im selben Zeitraum nur 30,3 Prozent zu.

Auch wenn von Beobachtern langsam ein Ende der bundesweiten Preisrally prophezeit wird, kletterten die Quadratmeterpreise für Wohnungen in Wien und Niederösterreich im ersten Halbjahr 2013 laut Re/Max-Immobilienpreisspiegel immer noch um fast 19 Prozent auf durchschnittlich 2868 bzw. 1620 Euro, in Salzburg um 8,2 Prozent auf 3148 Euro und in Kärnten um 4,5 Prozent auf 2138 Euro. Für neue Wiener Wohnungen müssen derzeit rund 3600 Euro, für gebrauchte rund 2400 Euro je m² bezahlt werden.

Bundesländerunterschiede

Bei den Mieten waren die Anstiege zuletzt weniger dramatisch, die freien Mieten legten von 2011 auf 2012 im bundesweiten Schnitt laut Wirtschaftskammer um 3,5 Prozent zu - bei einer Inflationsrate von 2,4 Prozent. Hier zeigten sich aber nach Bundesländern betrachtet starke Unterschiede: In Tirol gab es einen Zuwachs um nur ein Prozent, in Vorarlberg waren es fast sechs. Am günstigsten sind die Mieten im Schnitt demnach in Kärnten und der Steiermark mit knapp über 5,50 Euro je Quadratmeter (netto, ohne Betriebskosten), am teuersten in Wien mit über neun Euro.

Kritik an den hohen Mieten in privaten Wiener Altbauten kommt seit Jahren von der Arbeiterkammer. Viele Mieter würden nicht wissen, dass sie zu viel bezahlen, weil der Vermieter die Zuschläge zum Richtwert nicht angeben muss. So manche Partei will das nun ändern (siehe unten). (Martin Putschögl, DER STANDARD, 13.9.2013)


Wissen: Programme der Parteien beim Wohnen

"Leistbares Wohnen" geistert als Schlagwort durch die Wahlprogramme der Parteien für die Nationalratswahl am 29. September. SPÖ und Grüne wollen die Zu- und Abschläge auf den Richtwert besser regeln und die Maklergebühr für Mieter abschaffen, außerdem die Wohnbauförderung (inklusive der Rückflüsse) wieder zweckwidmen und allgemein in den sozialen Wohnbau investieren. Die ÖVP fordert eine Ökologisierung des Mietrechts durch Zu- und Abschläge nach dem Energiebedarf der betreffenden Wohneinheit. Außerdem setzt sie vor allem auf die Förderung von Eigentum und hier insbesondere darauf, dass Gemeindebaubewohner ihre Wohnungen günstig erwerben können. Das ist auch ein Ziel des Teams Stronach. Das BZÖ will die Umsatzsteuer auf Mieten und die Mietvertragsgebühr abschaffen. Letzteres plant die ÖVP nur für unter 35-Jährige. Die FPÖ will sich allgemein für eine Mietenreduktion und eine Offensive im Wohnbau einsetzen.

  • Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen in den vergangenen Jahren vor allem in Wien exorbitant.
    grafik: der standard

    Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen in den vergangenen Jahren vor allem in Wien exorbitant.

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