Dinkhauser kandidiert bundesweit

    21. August 2008, 18:57

    Zehn Listen treten bei der Nationalratswahl sicher an - Kandidatur auch von KPÖ, LIF "Die Christen" und "Rettet Österreich" fix - Heute um Punkt 17.00 Uhr endet die Einreichfrist

    Wien – Um Punkt 17.00 Uhr endet am Freitag die Einreichfrist für die Kleinparteien, die für eine bundesweite Kandidatur 2600 Unterstützungserklärungen benötigen. Doch bereits jetzt steht fest: Bei der Nationalratswahl am 28. September werden so viele Parteien wie nie zuvor in der Zweiten Republik antreten, denn diesmal kandidieren österreichweit mindestens acht Listen.

    Neben den im Parlament vertretenen Parteien SPÖ, ÖVP, Grüne, FPÖ und BZÖ haben nämlich bereits das Liberale Forum, die KPÖ, "Die Christen" und die Bürgerinitiative "Rettet Österreich" die erforderlichen Unterschriften beisammen. Auch der Tiroler Fritz Dinkhauser hat genügend Unterschriften für eine bundesweite Kandidatur gesammelt. Zum Vergleich: In den Neunzigerjahren, 1994, waren erstmals sieben Parteien im Rennen.

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    "Ist das nicht der Karlheinz Hackl?" Zwei Passantinnen tuschelten aufgeregt - und hatten richtig erkannt. Am Donnerstagnachmittag sammelte der Schauspieler auf dem Wiener Stephansplatz verzweifelt Unterstützungserklärungen. Mindestens 500 müsste er bis Freitag zusammenhaben, um zumindest in der Bundeshauptstadt mit seiner "Solidarischen Kultur Österreich" bei der Nationalratswahl antreten zu können. Doch beim Sammeln stand der Möchtegern-Politiker ziemlich im Abseits. Nicht einmal der Notar, der ihm zugesagt hatte, die Unterschriften zu beglaubigen, war erschienen. "Man ist sehr allein. Es wäre ein Wunder, wenn ich die bürokratischen Hürden doch noch überwinden könnte" , sagte Hackl enttäuscht zum Standard.

    Die Zeit drängt für alle Kleinparteien: Bis 17 Uhr brauchen sie für eine bundesweite Kandidatur 2600 Unterschriften, für einzelne Bundesländer reichen 100 bis 500, je nach Einwohnerzahl.
    Zumindest in Wien und Salzburg hat die Liste "Linke" die erforderliche Anzahl an Unterstützern gefunden. Als Wiener Spitzenkandidatin geht die Gewerkschaftsaktivistin Selma Schacht in die Wahl. Die Ziele der Partei: "Die Enteignung der Superreichen" und "ein uneingeschränktes Wahlrecht".

    Die EU-skeptische Bürgerinitiative "Rettet Österreich" wiederum, die die nötigen Unterstützungserklärungen schon beisammenhat, tritt zwar ohne echten Spitzenkandidaten an, dafür stellte sie am Donnerstag ihren Listenersten vor: Parteigründer Wilfried Auerbach. Der Österreich-Retter strebt keine Koalition mit einer Partei an, sondern will im Parlament lieber Opposition betreiben, wie er sagte.

    Warum sich seine Initiative auf keinen Frontman geeinigt habe? "Wir wollen Themen hinüberbringen." Doch abseits ihrer Forderung nach einer Abstimmung über den EU-Reformvertrag, der die Kronen Zeitung monatelang viel Platz einräumte, wirkt die Kleinpartei in anderen Fragen noch nicht sattelfest. Zur Steuerreform habe man sich noch nichts Konkretes überlegt, gab Auerbach zu. Als zweites großes Anliegen nannte er "die Verhinderung der Gentechnik" .

    Dazu völlig konträr war die Neupräsentation des Liberalen Forums, das ebenfalls die erforderlichen Unterschriften für seine budesweite Kandidatur gesammelt hat: Als Salzburger Spitzenkandidatin schickt das LIF die EU-Parlamentarierin Karin Resetarits, in Brüssel in der liberalen Fraktion ALDE, ins Rennen. Ihr Ziel: "Das Projekt Europa allen Bürgern näherbringen."

    Zwei Zwergenparteien haben knapp 24 Stunden vor der Einreichfrist aufgegeben: Die "Weißen" , ein Zusammenschluss von Ärzten, und die Monarchisten treten bei der Wahl doch nicht an. Begründung der Ärzte: "In Anbetracht der Urlaubszeit von Ärzten und Patienten konnte sich die Werbung um Unterstützungserklärungen nicht voll entfalten." (kw, nw/DER STANDARD, Printausgabe , 22.8.2008/APA)

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