Lebensretter Früherkennung: Kampagne der Ärztekammer gestartet

12. September 2013, 13:51
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Bei Prävention und Früherkennung hat Österreich noch Aufholbedarf - eine Initiative der Wiener Ärztekammer soll Vorsorgemuffel motivieren

Brust-, Gebärmutterhals-, Prostata- und Darmkrebs gemeinsam haben keinerlei Symptome im Frühstadium. Die guten Heilungschancen bei rechtzeitiger Diagnose kann durch individuell gestaltete Gesundheitsvorsorge signifikant erhöht werden - ohne großen Aufwand für die Patienten. Auf maßgeschneiderte Schritte je nach Alter, Geschlecht und persönlichem Risiko komme es an, so die Wiener Ärztekammer anlässlich des Starts einer Präventions-Initiative. Die neue, vierteilige Kampagne "Gesagt. Getan. Vorgesorgt" der Wiener Ärztekammer richtet sich an alle Altersgruppen und beide Geschlechter, wobei letztere unterschiedlich angesprochen werden.

Viele Krankheiten unbemerkt

Ein Großteil der häufigsten tödlichen Erkrankungen bleibt lange Zeit unbemerkt für den Betroffenen - man muss gezielt nach Hinweisen suchen, dann stehen die Heilungschancen meist recht gut. Während es bei Frauen ab dem 40. Lebensjahr häufig selbstverständlich ist, einmal jährlich dem Gynäkologen zwecks Vorsorge einen Besuch abzustatten, scheuen Männer den ähnlich sinnvollen Gang zum Urologen.

Frauen bleiben grundsätzlich die Gesundheitsmanagerinnen für die gesamte Familie, Männer diesbezüglich eher Muffel. Um die weibliche Gesundheit und Vorsorge stehe es aber nicht grundsätzlich bestens, so die Gender-Medicine-Spezialistin und Ärztin Alexandra Kautzky-Willer. Schwachstellen bleiben etwa mangelnde Bewegung, Diätwahn oder das Rauchen. Vom Mädchen bis zur Greisin werden andere, spezifischere Lebensabschnitte mit stärkeren, eindeutige Einschnitten durchlaufen. Das müsse berücksichtigt werden.

Aufklärungsbedarf bei Männern

Bei den Männern besteht generell größerer Aufklärungsbedarf. Sie fühlen sich zwar gesünder, sind es aber nicht unbedingt. Nur den wenigsten dürfte etwa bekannt sein, dass Erektionsstörungen als Symptome bei unzähligen internistischen Erkrankungen auftreten können. Oft muss vor allem die erste Hürde überwunden werden - die Angst vor urologischen Vorsorgeuntersuchungen an sich, die nicht selten aufgrund von mangelnder Aufklärung auftritt. Krebs befällt allerdings bei Männern am häufigsten die Prostata, wo er erst in fortgeschrittenem Stadium Beschwerden verursacht.

Frauen sind zwar meist besser informiert, verhalten sich aber nicht immer dementsprechend. So liegen die Österreicherinnen etwa in Sachen Nikotinkonsum europaweit ganz vorne. Hierzulande dürfte die Sterblichkeit durch Lungenkrebs sogar bald jene von Brustkrebs überrunden.

Die Kampagne

Im Fokus der neuen Kampagne steht grundsätzlich die "Erwartung an gesunden Jahren" zu heben. Derzeit liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Frauen zwar fünf Jahre höher, sie leiden aber öfter an chronischen Erkrankungen und Pflegebedürftigkeit. Das Projekt bietet sowohl Informationen über empfohlene Untersuchungen, inklusive Anleitungen zu Selbst-Checks, als auch praktische Hilfestellungen wie Spezialistensuche oder Erinnerungen an Check-ups via Internet und App. (APA, derStandard.at, 12.9.2013)

Die Vorsorgekampagne:

Gesagt. Getan. Vorgesorgt

  • Vor allem Männer gehen oft erst dann zum Arzt, wenn es unbedingt sein muss: Die neue Kampagne der Ärztekammer soll Vorsorge und Früherkennung verbessern.
    foto: dpa-zentralbild/soeren stache

    Vor allem Männer gehen oft erst dann zum Arzt, wenn es unbedingt sein muss: Die neue Kampagne der Ärztekammer soll Vorsorge und Früherkennung verbessern.

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