Kührer-Prozess: "Pervers war er gegenüber Mädls generell"

12. September 2013, 18:42
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Kalt-warm bekommt es der Angeklagte am dritten Tag des Prozesses um den Tod von Julia Kührer. Während Zeugen sexuelle Übergriffe schildern, gerät der Vorwurf, Michael K. habe Kührer Drogen gegeben, ins Wanken

Korneuburg - "Dort war es also sehr locker", meint Helmut Neumar, Vorsitzender des Geschworenengerichts im Prozess um den Tod von Julia Kührer. Als Reaktion auf die Schilderung von Roland H., was man in der Videothek des Angeklagten Michael K. in Pulkau (Bez. Hollabrunn) so erleben konnte. "A bissl Oberschenkel- und Brustgreifen hat schon jeder gesehen", schildert der junge Mann fröhlich über den Umgang von K. mit jungen Frauen.

Weit weniger lustig findet das Magdalena M., als sie aussagt. Sie machte im Jahr 2006 als 16-Jährige ein Praktikum bei dem 51-Jährigen, den sie, wie fast alle jungen Menschen in dem 1500-Einwohner-Ort, kannte. "Er hat mir einige Male auf den Hintern und die Brust gegriffen", sagt sie. "Kumm Baby, blos ma an", habe er einmal gesagt, ein andermal habe er vor ihr in der Hose mit seinem Geschlechtsteil gespielt.

"Pervers war er Mädls gegenüber generell", sagt sie, im Sinne von anstößig. "Die Schmähs waren immer unter der Gürtellinie." Allerdings: "Die Burschen ham auch so geredet."

Wie traurig und wie schön

Der Pfarrer von Pulkau weiß ebenso Belastendes zu berichten. Im persönlichen Umgang sei er immer höflich gewesen. Allerdings habe dessen junge Freundin, eine Tschechin, den Geistlichen einmal gefragt, ob sie sein Handy benutzen dürfe. "Sie hat gesagt, sie will ihre Freundin anrufen, da sie weg will." Sie könne es nicht mehr aushalten, erklärte sie ihm. "Ihr Freund verlange von ihr Sachen, die sie nicht mehr machen will." Zwei oder drei Tage später war sie weg.

Einige Wochen vor Kührers Verschwinden am 27. Juni 2006 habe es noch eine Auffälligkeit gegeben. Bei einem Besuch in der Videothek habe ihn K. auf die vorbeigehende Kührer aufmerksam gemacht: "Er hat gesagt, wie traurig und wie schön sie ist, und wusste auch, dass es mit ihrem Freund nicht so gut laufe."

Nach diesen Aussagen kann Staatsanwalt Christian Pawle frohlocken. Schließlich stärken sie seine Theorie, K. habe sich an Kührer herangemacht und sie wegen seines sexuellen Verlangens getötet. Kurz darauf muss er allerdings innerlich in bittere Tränen ausgebrochen sein: beim Auftritt der Hauptbelastungszeugin, laut der K. mehrmals Crystal Meth an Julia Kührer verkauft haben soll.

Die Sache "irgendwo verstaut"

Spuren der stimmungshebenden Droge wurden im Gehirn von Kührers Leiche festgestellt, nachdem sie im Juli 2011 in einem Erdkeller auf K.s Grundstück entdeckt wurde. Nur: Zeugin Alexandra W. ist gelinde gesagt unglaubwürdig. Sie widerspricht sich massiv bei Daten, zu ihren Aussagen vor der Polizei und kann sich bei heiklen Details nicht mehr erinnern. Einerseits begründet sie die Lücken damit, dass sie die Sache "irgendwo verstaut" habe, andererseits mit einem Gedächtnisverlust 2008 - der aber auch schon vor ihrer Polizeiaussage war. Die Debatte um die Widersprüche führt zu einem wütenden Schlagabtausch zwischen Pawle und Rifaat.

Interessant ist, dass auch Magdalena M. über "Crystal" berichtet: Das Rauschmittel sei in einem anderen Pulkauer Lokal öfters von älteren Jugendlichen konsumiert worden. Woher es kam, weiß sie nicht, in der Videothek sei jedenfalls nie von Drogen oder deren Verkauf die Rede gewesen.

Am Dienstag wird fortgesetzt. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 12.9.2013)

  • Eine frühere Praktikantin belastet im Kührer-Prozess den Angeklagten Michael K. massiv.
    foto: apa/helmut fohringer

    Eine frühere Praktikantin belastet im Kührer-Prozess den Angeklagten Michael K. massiv.

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