Alternativantriebe: Es wird durchgeladen

Analyse |

Die erste Welle an Elektroautos ist ohne Aufsehen verebbt, nun kommt der zweite Anlauf, und erstmals ist eine breite Front an Herstellern am Werk – durchgehend, von Masse bis Premium

Die erste Welle der Elektroautos ist vorüber, und wer nun glaubte, das wär's gewesen für die nächsten zwanzig Jahre, hat sich gehörig getäuscht. Auch wenn die Anlaufschwierigkeiten für die neuen Technologien gewaltig sind und der Weg alles andere als klar vorgezeichnet ist, so führt wohl nichts an der Elektrifizierung des Automobils vorbei.

Doch der Reihe nach: Während auf der einen Seite noch über die Sinnhaftigkeit des Elektroantriebs philosophiert wird, haben die Financiers längst ihre Taschen aufgemacht und die Ingenieure ihre Computer und zum Teil auch schon die Produktionsanlagen hochgefahren. Elektrizität ist mittlerweile integraler Bestandteil der Fachliteratur.

Der Grund dafür erscheint wenig emotional: Der erlaubte durchschnittliche CO2-Ausstoß der Fahrzeugflotten der Hersteller wird von der Europäischen Kommission sukzessive verschärft. Auch die Angst, durch Technologieverweigerung schnell als technologischer Methusalem dazustehen, schwingt kräftig mit.

Das nächste Neuland

So setzt man trotz herber Rückschläge im ersten Anlauf unvermindert auf den elektrischen Strom, entweder in Form reiner Elektroautos oder sogenannter Plug-in-Hybride, also Autos mit kombiniertem Verbrennungsmotor- und Elektroantrieb, die auch längere Strecken rein elektrisch fahren und an der Steckdose nachgeladen werden können.

BMW hat erst kürzlich den Start seines Elektroautos i3 im November angekündigt und auch Preise genannt, nämlich 35.700 Euro für das reine Elektroauto und 40.400 Euro für die Variante mit Range Extender, also einem kleinen Benzinmotor, der passables Weiterfahren ermöglicht, wenn die Batterie leer ist. BMW hat dabei nicht nur mit dem Elektroantrieb Neuland betreten, sondern auch mit Kohlefaser als Werkstoff für die Fahrgastzelle.

Innovationstreiber

Der Sportwagen auf Basis der neuen Technologie, der i8, folgt nächstes Jahr. Hier handelt es sich allerdings um einen Plug-in-Hy­brid mit 231-PS-Benzinmotor und einem 131-PS-Elektromotor. Der für 2014 angekündigte Freizeit-Van Active Tourer soll als erster Frontantriebs-BMW auch in ei­ner Plug-in-Hybrid-Variante folgen.

Mercedes konnte das nicht auf sich sitzen lassen und stellt dem BMW i3 eine elektrische Variante der B-Klasse entgegen, dabei nützt man nicht nur Synergien mit dem Partnerunternehmen Tesla, sondern gleich den ganzen Antriebsstrang der Luxuslimousine Tesla S, was ganz hübsche Eckdaten ergibt, nämlich über 100 kW Leistung und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h unter 10 Sekunden. Der Marktstart soll bald in den USA erfolgen, nach Europa kommt die elektrische B-Klasse Anfang 2015.

Viel näher liegt die Plug-in-Hybrid-Variante der Mercedes S-Klasse, denn sie soll schon ab kommendem Jahr den Flottenverbrauch der Luxusklasse kräftig drücken, nämlich mit einem CO2-Ausstoß von 69 g/km.

Audi irritiert

Auch wenn der Sager vom Au­di-Ausstieg aus der Elektroauto-Entwicklung, der in dieser Form eh nicht stattfindet (Audi A3 Plug-in-Hybrid ab 2014), einen erheblichen Imageschaden angerichtet hat, Mütterchen VW ar­beitet unbeirrt an einer spannungsgeladenen Zukunft. Man startet Anfang kommenden Jahres mit dem e-up!, einem typischen City-Spezialisten, der dann mit 11,7 kWh auf 100 km auch gleich den geringsten Stromverbrauch aller serienmäßigen Elektroautos haben soll. Ab Mitte des Jahres folgt dann der e-Golf, womit wohl der Sprung aus einer langen Erprobungsphase ins wahre Leben geschafft ist.

Keiner der Großen der Autobranche kann sich dem Trend verweigern. Der Ford Focus Electric wird bereits seit November in Nordamerika gebaut und läuft seit Juni auch im Ford-Werk Saarlouis im Saarland vom Band. In Österreich soll der elektrische Focus in Kürze in den Auslagen stehen – dann auch gleich mit Preis.

Apropos Auslagen: Wie ernst diese Vorstöße wirklich gemeint sind, wie schnell es die Au­tos aus den Prospekten in unsere Garagen schaffen, werden wir erst sehen, wenn wir im Verkaufslokal stehen und so ein Auto kaufen wollen. (Rudolf Skarics, DER STANDARD, 13.9.2013)

  • Urbane Zukunft: Der Elektriker load up! ist außen kompakt, schluckt aber, dank eines klappbaren Beifahrersitzes, bis zu einem Kubikmeter Raum. VW sieht den Kleinen als Schwarmintelligenzler: Statt einen Transporter so lange stehen zu lassen bis er voll ist, können mehrere Flitzer gleichzeitig die Arbeit in weniger Zeit erledigen. Meint VW. vergrößern (645x410)
    foto: reuters/pfaffenbach

    Urbane Zukunft: Der Elektriker load up! ist außen kompakt, schluckt aber, dank eines klappbaren Beifahrersitzes, bis zu einem Kubikmeter Raum. VW sieht den Kleinen als Schwarmintelligenzler: Statt einen Transporter so lange stehen zu lassen bis er voll ist, können mehrere Flitzer gleichzeitig die Arbeit in weniger Zeit erledigen. Meint VW.

  • VW up! mit E-Antrieb harmoniert ähnlich gut wie im Smart. Drei-Euro-Auto, sagt VW: Kosten je 100 km Fahrt nämlich. Ab Anfang 2014.vergrößern (645x410)
    foto: der standard/stockinger

    VW up! mit E-Antrieb harmoniert ähnlich gut wie im Smart. Drei-Euro-Auto, sagt VW: Kosten je 100 km Fahrt nämlich. Ab Anfang 2014.

  • Der e-Golf kommt Mitte 2014. Er hat einen 115 PS starken Elektromotor, der ihn in 14,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Reichweite: 190 Kilometervergrößern (645x410)
    foto: apa/uli deck

    Der e-Golf kommt Mitte 2014. Er hat einen 115 PS starken Elektromotor, der ihn in 14,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Reichweite: 190 Kilometer

  • Schallplatten als Pneus? Energiesparreifen helfen mit, dem i3 eine Reichweite von 130 bis 160 Kilometer zu ermöglichen. Markteinführung feiert der 170 PS starke Elektro-BMW noch heuer im November.vergrößern (645x410)
    foto: der standard/stockinger

    Schallplatten als Pneus? Energiesparreifen helfen mit, dem i3 eine Reichweite von 130 bis 160 Kilometer zu ermöglichen. Markteinführung feiert der 170 PS starke Elektro-BMW noch heuer im November.

  • S Plug-in-Hybrid: Das Mercedes-Flaggschiff mit würdigen 440 PS Gesamtleistung wird ab nächstem Jahr auf 3,0 l / 100 km Normverbrauch kommen. E-Reichweite: rund 30 Kilometer.vergrößern (645x410)
    foto: der standard/stockinger

    S Plug-in-Hybrid: Das Mercedes-Flaggschiff mit würdigen 440 PS Gesamtleistung wird ab nächstem Jahr auf 3,0 l / 100 km Normverbrauch kommen. E-Reichweite: rund 30 Kilometer.

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