Herr Bach, der Fettnapf, das weiße Blatt Papier

11. September 2013, 18:15
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Der neue IOC-Präsident auf dem Präsentierteller - kritische Situationen bei ebensolchen Fragen in den ersten Stunden im Amt

Buenos Aires - Als Thomas Bach acht Stunden nach seinem Wahlsieg im noblen Yachtclub Puerto Madero erschien, war der neue IOC-Präsident noch nicht bereit für Lachs und Champagner. Da lehnte er freundlich, aber bestimmt ab. Denn er musste noch präsidieren: hier eine Umarmung, da ein Küsschen, und immer wieder klopften ihm Gratulanten derart heftig auf die Schultern, dass seine Frau Claudia ihm dezent das Sakko glatt strich. Die ersten Stunden nach seiner Thronbesteigung in Buenos Aires hatten ihm weit mehr abverlangt als nur präsidiale Floskeln. Und nicht alles lief glatt.

Bei seiner Dankesrede trat Bach in einen Fettnapf, und er musste sich vor der versammelten Weltpresse für seine umstrittene Verbindung zu IOC-Königsmacher Scheich Ahmad al-Sabah rechtfertigen. Darauf angesprochen, sagte Bach: "Ich habe in keinen Gesprächen mit meinen Kollegen vor der Wahl irgendwelche Versprechungen gemacht. Das erlaubt mir, am nächsten Dienstag in Lausanne meine Arbeit auf einem weißen Blatt Papier zu beginnen."

Schwerer fiel Bach die Parade auf eine Einlassung eines argentinischen Journalisten, der ihn mit einem pikanten Teil der in alle Welt übertragenen, abgelesenen Dankesrede konfrontierte. Bach hatte an seine Reise zur Fecht-WM 1977 nach Buenos Aires erinnert und betont, wie wohl er sich auch damals bei den "argentinischen Gastgebern und Freunden" gefühlt habe. Doch herrschte da in Argentinien die brutale Militärjunta, deren Schreckensherrschaft zehntausende Opfer gefordert hat. Bach meinte kleinlaut, er habe sehr wohl die Bedrücktheit auf den Straßen gespürt, die ihn "traurig" gemacht habe, doch irgendwann hätten der Sport und die Emotionen am Wettkampfort Oberhand gewonnen.

Für den 59-Jährigen war es ein Vorgeschmack darauf, was ihn als IOC-Chef erwartet. Er sitzt weltweit auf dem Präsentierteller. Am Mittwoch flog Bach nach Hause, am Donnerstag steht ein Besuch in der Zentrale des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in Frankfurt an. Als dessen Präsident wird Bach bald zurücktreten, was nicht wenige begrüßen, die ihm vorwerfen, er habe im deutschen Sport für Stillstand gesorgt. Der dreimalige Schwimm-Olympiasieger Groß unterstellt Bach ein "jahrelanges Taktieren für seine eigene Person". Groß sieht nun "eine große Chance für den deutschen Sport - nicht, weil Bach jetzt IOC-Präsident, sondern weil er nicht mehr DOSB-Präsident ist". (sid, fri - 11.9. 2013)

  • Bekam einen Vorgeschmack auf die neue präsidiale Realität: Thomas Bach.
    foto: apa/epa/medina

    Bekam einen Vorgeschmack auf die neue präsidiale Realität: Thomas Bach.

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