"The World's End": Eine Sauftour mit unheimlichen Begegnungen

11. September 2013, 21:43
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Eine Pub-Runde alter Schulfreunde läuft in der neuen Komödie des britischen Gespanns Simon Pegg und Nick Frost gehörig aus dem Ruder. "The World's End" erzählt auch vom Terror des Älterwerdens

Wien - In den Geschichten von Verlierertypen ist dies der unerlässliche imaginäre Fluchtpunkt: jener Moment, an dem sich das Leben in einen immer schneller werdenden Abfahrtslauf verwandelt. Je weiter man sich in Richtung Tal entfernt, umso verklärter blickt man auf dieses Ereignis zurück.

Bei Gary King, dem vom britischen Starkomiker Simon Pegg verkörperten Antihelden aus "The World's End", kam dieser Augenblick dummerweise besonders früh. In der Highschool wurde er von seinen Kumpels tatsächlich als "King" verehrt, und die Pub-Tour durch die britische Kleinstadt Newton Haven, bei der er sich nach dem Schulabschluss besinnungslos angetrunken hat - und dazwischen Frauen abschleppte -, war eine Erfahrung von Intensität und Freiheit, an die keine darauffolgende herankam.

An ein solches Erlebnis wieder anschließen zu wollen ist keine gute Idee. Und genau deshalb eignet sie sich ideal als Ausgangspunkt für eine Komödie: Gary, der mit seinem Sisters-of-Mercy-T-Shirt, zottelig-fettem Haar und Staubmantel schon optisch wie eine Erscheinung aus der Vergangenheit wirkt, will die alte Gang wieder zusammentrommeln, um die Tour zu wiederholen. Schließlich habe man damals nicht bis zum zwölften Pub durchgehalten, das den symbolisch-schönen Namen The World's End trägt.

Nach der Zombie-Komödie "Shaun of the Dead" und der Action-Satire "Hot Fuzz" bildet "The World's End" den Abschluss von Edgar Wrights sogenannter "Cornetto"-Trilogie - schon die ersten beiden, auch mit Simon Pegg und Nick Frost besetzten und von ihnen verfassten Teile erwiesen sich über die Grenzen des Königreichs hinaus als äußerst erfolgreich. Die Rezeptur ist im Grunde immer ähnlich. Zwei komische Charaktere, die durchaus dem britischen Durchschnittstypus entsprechen, werden (unfreiwillig) zu Helden einer dem populären Genrefach entlehnten Geschichte. Realismus mit höherem Attraktionswert für jüngeres Publikum, aufgetischt mit britischem Humor, der vor allem im Dialogwitz überzeugt.

Die Gratwanderung funktioniert in "The World's End" vor allem in der ersten Hälfte ziemlich gut, wobei der Übertritt zum Genre Science-Fiction - der Filmtitel weckt ja schon entsprechend apokalyptische Assoziationen - relativ spät erfolgt. Pegg/Frost/Wright nehmen sich erfreulicherweise die Zeit, jeder ihrer Figuren markante Züge zu geben - mit dabei sind noch die Charakterköpfe Eddie Marsan, Paddy Considine und Martin Freeman.

Ein Pub ist wie das andere

Gary erweist sich neben den in Brotberufen fade gewordenen Freunden von einst als letzter, wenngleich etwas peinlicher Berufsjugendlicher. Die von ihren Routinen erschöpften Kumpels reagieren auf die nostalgische Sauftour so auch wie auf eine lästige Verpflichtung. Ihre Durchschnittlichkeit spiegelt der Film stimmig in standardisierten Pub-Innendekors wider - ganz Newton Haven wirkt eigentlich wie eine endlose Fertigteilvorstadt.

Von da ist es gar nicht so weit zu dem aus der Science-Fiction bekannten Terror der Uniformität. "The World's End" macht davon recht überraschend Gebrauch. Auch ist es eine witzige Zuspitzung, die mit dem Älterwerden eintretende Entfremdung von der eigenen Jugend konkreter, plastischer auszulegen. In der Umsetzung gerät die Idee leider weniger originell, motiviert sie doch überwiegend zu Prügelserien - so wird "The World's End" am Ende zum Crossover in Seitenlage. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 12.9.2013)

Ab Freitag

  • Fünf Freunde, die sich zumindest einen kräftigen Zug bewahrt haben: Martin Freeman, Paddy Considine, Simon Pegg, Nick Frost und Eddie Marsan (v. li.) in Edgar Wrights Komödie "The World's End".
    foto: upi

    Fünf Freunde, die sich zumindest einen kräftigen Zug bewahrt haben: Martin Freeman, Paddy Considine, Simon Pegg, Nick Frost und Eddie Marsan (v. li.) in Edgar Wrights Komödie "The World's End".

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