Aufschwung für die Reichen in den USA

11. September 2013, 17:41
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Nach dem Absturz in der Krise steigen die Einkommen der US-Amerikaner wieder. Doch die Entwicklung verläuft völlig ungleich

Wien - Für David Tepper hätte das vergangene Jahr finanziell kaum besser laufen können. Der US-Amerikaner ist Chef von Appaloosa Management, einem Hedgefonds, der vor allem in Banken, Versicherungen und Technologiekonzerne wie Apple investiert. Tepper ist selbst an Appaloosa beteiligt, und das "Forbes"-Magazin hat sich unlängst angesehen, wie viel der Manager im vergangenen Jahr verdient hat: Herausgekommen sind rekordverdächtige 2,2 Milliarden Dollar, was bei einer angenommenen 60-Stunden-Woche einen Stundenverdienst von mehr als 700.000 Dollar ergibt.

Dass der Milliardär tatsächlich so viel arbeitet, steht nicht fest, sicher ist aber, dass die Finanzkrise in der Geldbörse Teppers keine Spuren hinterlassen hat. Er verdient so viel wie eh und je und steht damit nicht allein da: Der Berkeley-Ökonom Emmanuel Saez hat eine neue Studie zur Einkommensentwicklung in den USA veröffentlicht. Die Ergebnisse sind sozialpolitisch ernüchternd: Saez zeigt, dass sich die US-Einkommen nach dem tiefen Einbruch 2008 zwar insgesamt wieder erholen, allerdings profitieren von dem Aufschwung fast ausschließlich die Reichen. Der Effekt: Die Bestverdiener, dazu gehört das oberste Einkommenszehntel mit einem Jahresgehalt von mehr als 114.000 US-Dollar (etwa 85.000 Euro), verdienten in den USA im vergangenen Jahr mehr als 50 Prozent des Gesamteinkommens. Das ist der höchste Wert seit 1917, als die Behörden begannen, regelmäßig Lohnstatistiken zu veröffentlichen.

Die Tendenz zu einem ungleichen Aufschwung hat sich im vergangenen Jahr beschleunigt. Den größten Teil des Kuchens schnappte sich die Gruppe der absoluten Spitzenverdiener (das oberste Prozent): Ihr Einkommen stieg 2012 um fast ein Fünftel an, während die übrigen 99 Prozent der Amerikaner auf ein Plus von durchschnittlich einem Prozent kamen. Der ungleiche Zuwachs kam nicht zuletzt durch den Höhenflug an den Börsen zustande, auch die Erholung der Immobilienpreise trug zu der ungleichen Entwicklung bei. Studienautor Saez hat für seine Statistik nämlich alle Arten von Einkünften und realisierten Gewinnen einbezogen (Löhne, Dividenden, Kapitalerträge, Aktienverkäufe, Pensionen). Als Basis diente ihm die offizielle US-Einkommenssteuerstatistik. Ausgenommen aus seiner Berechnung sind nur Sozialtransfers.

Gewinnmitnahmen

In einem Punkt sind die Zahlen allerdings mit Vorsicht zu genießen: Mit Anfang 2013 sind in den USA eine Reihe von Steuern für Besserverdiener angehoben worden. Unter anderem stieg auch die Steuer auf Kapitalgewinne von 15 auf 20 Prozent. Daher könnte ein Teil des großen Einkommenszuwachses bei den Topverdienern auf vorzeitige Gewinnmitnahmen zurückzuführen sein.

Am Gesamtbild ändert das freilich wenig. Die Einkommen der Topverdiener haben ihr Vorkrisenniveau wieder erreicht, schreibt Studienautor Saez, während der Rest Amerikas nicht vom Fleck kommt. Aus den Zahlen wird auch ersichtlich, dass nach der Großen Depression in den 30er-Jahren und nach dem umfassenden Reformprogramm von Franklin D. Roosevelt (New Deal) die Konzentration der Einkommen bei den Spitzenverdienern zurückgegangen ist. Diese Tendenz hielt bis Ende der 70er-Jahre an, seitdem steigt der Anteil der Reichen am Gesamteinkommen rapide an. Saez fordert daher rasch eine Anhebung der Spitzensteuersätze in den USA. (szi, DER STANDARD, 12.9.2013)

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