Die riesigen Mosasaurier waren schnelle Jäger

11. September 2013, 18:19
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Ein außergewöhnlich gut erhaltenes Fossil veranlasst zum Umdenken: Die Schwanzflosse der Meeresechsen sah anders aus als gedacht

London - Vor etwa 100 Millionen Jahren trat mit den Mosasauriern eine neue Gruppe von Meeresreptilien auf den Plan. Als Schuppenkriechtiere, also nahe Verwandte von Echsen und Schlangen, hatten sie einen langgestreckten Körper. Beine und Schwanz waren zwar zu Flossen ausgebildet, ansonsten erinnerten sie von ihrem Körperbau her aber viel stärker an landlebende Reptilien als die älteren Ichthyosaurier, die sie nichtsdestotrotz erfolgreich aus deren ökologischer Nische verdrängten.

Ihre Zähne lassen darauf schließen, dass sämtliche Mosasaurier Fleischfresser waren. Die größten Spezies dieser weltweit vorkommenden Jäger wie der namensgebende Mosasaurus wurden über 17 Meter lang. Dass lange Zeit angenommen wurde, die Mosasaurier seien mit ihrem mächtigen Körperbau eher langsame Schwimmer und höchstens zu kurzen Sprints in der Lage gewesen, hat sich nun aber als falsch erwiesen.

Der Fund

Ein Forscherteam um Johan Lindgren von der schwedischen Universität Lund berichtet im Fachjournal "Nature Communications" vom Fund eines Mosasaurier-Fossils aus der späten Kreidezeit. Die Form der Schwanzflosse veranlasst die Paläontologen zu der Vermutung, dass die Fortbewegung der Giganten der von Haien ähnelte - auch wenn die Schwanzflosse der Reptilien wie die spiegelverkehrte Version einer Haiflosse aussah.

Bisher war man ähnlich wie bei anderen Schuppenkriechtieren von einem spitzen Ende des mit bis zu 100 Wirbeln bestückten Schwanzes ausgegangen. 2008 wurde im zentralen Jordanien jedoch ein kaum eineinhalb Meter großes Fossil eines Jungtiers gefunden. Neben den hervorragend erhaltenen Knochen konnten die Paläontologen auch die Umrisse der verschiedenen Flossen freilegen. Bisher gab es keinen Fossilfund mit ähnlich gut erhaltenen Abdrücken.

Starker Antrieb

"Durch diesen einmaligen Fund konnte die bisherige Lehrmeinung widerlegt werden", schreiben die Wissenschafter in ihrem Artikel. Die Abdrücke zeigen eine sogenannte hypocerke Schwanzflosse. Das bedeutet, dass sich das Ende der kräftigen Wirbelsäule nach unten biegt und damit den unteren Teil der Schwanzflosse stützt - wie es auch bei den Ichthyosauriern der Fall war.

Bei Haien ist es genau andersherum: Ihre Schwanzflosse ist heterocerk, die Wirbelsäule biegt sich also nach oben und stützt damit den oberen Teil der Flosse. Weshalb bei Haien der obere auch der größere Teil der Schwanzflosse ist, während es bei den Mosasauriern genau umgekehrt war. Das Ergebnis beider Anatomien ist jedoch genau dasselbe. Eine solche zweigeteilte Flosse war bereits weit von der ursprünglichen Schwanzform der an Land lebenden Echsenverwandtschaft entfernt und ermöglichte den kreidezeitlichen Jägern einen starken Antrieb.

Statt plump durchs Meer zu pflügen, dürften die Mosasaurier also mit vergleichbar eleganten wellenförmigen Bewegungen geschwommen sein wie Haie. Und sie mussten ihre Beute nicht überfallsartig attackieren, sie konnten sie auch über längere Strecken verfolgen. (jdo/APA, derStandard.at, 11. 9. 2013)

  • Obwohl der größere Teil nach unten statt nach oben ragt, ähnelt die neurekonstruierte Schwanzflosse von Mosasauriern der von Haien.
    foto: stefan sølberg

    Obwohl der größere Teil nach unten statt nach oben ragt, ähnelt die neurekonstruierte Schwanzflosse von Mosasauriern der von Haien.

  • Ermöglicht wurde die Rekonstruktion durch dieses in Jordanien gefundene Fossil.
    foto: johan lindgren

    Ermöglicht wurde die Rekonstruktion durch dieses in Jordanien gefundene Fossil.

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