Unfallprävention: Früh übt sich

7. Oktober 2013, 17:00
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Freude und Risiko gehen beim Spielen Hand in Hand. Wie können Unfälle im Eifer des Gefechts verhindert werden? Die beste Vorsorge ist motorisches Geschick - Kinder sollten es früh lernen

Wenn er fällt, dann schreit er: Dass sich Kinder beim Spielen wehtun, ist ganz normal und verläuft in den meisten Fällen zum Glück glimpflich. Dass Kinder besonders oft stürzen, hinfallen und sich wehtun, liegt am Spannungsfeld zwischen impulsivem Bewegungsdrang und mangelndem Geschick. Kinder als Reaktion auf mögliche Stürze und Verletzungen in Watte zu packen ist aber die falsche Reaktion. Wer Kinder sturzsicher machen will, muss sie in Bewegung bringen.

Studien zu Unfällen im Kindesalter zeigen, dass die Ursachen etwa für Stürze vor allem in mangelnden motorischen Fähigkeiten von Kindern liegen. Anders gesagt: Ungeschickte Kinder tun sich öfter weh. Das kann kaum erstaunen. Erstaunlich ist eher, dass viele Eltern lieber Geld in Sturzhelme, Knieschützer und vermeintliche Sicherheitsvorkehrungen investieren als in die Geschicklichkeit ihrer Kinder.

Erfahrungen fürs Leben

Wie aber trainieren Kinder motorisches Geschick? Indem sie unterschiedliche Bewegungsabläufe bewusst üben - und zwar so früh wie möglich. Ein Drittel der täglichen Unfälle ereignet sich im Kindergarten. Sportlehrer wie John Herzog, der sich seit Jahren im Kindersport und Bewegungstraining von Heranwachsenden engagiert, geben die Devise "Je früher, desto besser" aus.

Herzog legt allen Eltern und Erziehungsberechtigen nahe, den Nachwuchs bereits im Säuglingsalter mit gezielter Bewegungsförderung zu konfrontieren. Nur dann bestehe die Chance, dass Kinder später auf diesen kognitiven Erfahrungen der ersten Lebensjahre aufbauen können.

Sportliche und emotionale Intelligenz

Ihre ersten Gehversuche und damit erste motorische Erfahrungen erleben Kinder in der Regel innerhalb der Familie. Noch bevor sie selber gehen können, orientieren sie sich an den "Bewegungsvorbildern" in ihrem Umfeld. Sind Bewegung und Sport für die Eltern, die Erziehungsberechtigen und ältere Geschwister etwas Selbstverständliches, das zum Alltag gehört, werden sie für die Kinder eher zur Normalität.

Mut zum Risiko

Wie motiviert man darüber hinaus Kinder zur Bewegung? Ab wann hemmen übertriebene Sicherheitsbedenken der Eltern die freie Entfaltung von Bewegungsfreude beim Nachwuchs? Die Herausforderung sei, die Balance zwischen einer freien Selbstverwirklichung des Kindes und einem schonenden Eingreifen zu finden, sagt John Herzog. Er plädiert für mehr Mut zum Risiko. "Wobei Risiko auch Inklusion bedeuten kann", so der Bewegungstrainer. Im Idealfall lassen sich körperliche Intelligenz und Sozialkompetenz von Kindern in einem Aufwaschen fördern. "Gruppenspiele können die Sozialkompetenz steigern." Deren Dynamik motiviert die Stärkeren, den Schwächeren zu helfen.

Darf ein Kind seine eigenen Erfahrungen innerhalb eines regulierten, kindgerechten Rahmens machen, lernt es neben sportlicher Intelligenz und Selbsteinschätzung im Idealfall auch Kooperation und Teamfähigkeit.

Ein ungleiches Paar

Zentral für die Herausbildung von motorischem Geschick ist aber auch zielgerichtete Bewegungsförderung. Studien legen Sportarten wie Tanzen, Ballspiele und Kinderyoga nahe - dabei trainieren Kinder kognitive Fähigkeiten wie die Hand-Auge-Koordination und Schrittkombinationen, aber auch Teamfähigkeiten und Selbstbewusstsein.

Kinder, die zweimal pro Woche diese oder ähnliche Sportarten für mindestens 45 Minuten betreiben, verbessern signifikant ihre motorisches Geschick und haben weniger Unfälle wie Stürze. Herzog rät zudem, so oft wie möglich einfache Spielübungen in den Alltag zu integrieren.

Entscheidungsfreiheit erhöht Erfolgschancen

Die Entscheidung, welche Sportart zum Kind passt, ist durch mehrere Faktoren beeinflusst: Wohnort, Mobilität, finanzielle Möglichkeiten der Familie. Ob nun Tanzen oder Kinderyoga, Klettern oder Judo gewählt wird - die finale Entscheidung sollte beim Kind liegen. Kinder sollten alles ausprobieren dürfen und für sich selbst entscheiden, was ihnen gefällt. Um sich einen Überblick über das Angebot an Sportarten zu verschaffen, eigenen sich Angebote wie der jährliche "Tag des Sports". (Catharina Felke/Sara Hassan, derStandard.at, 7.10.2013)


 

  • Die Geschicklichkeit eines Kindes ist die beste Vorkehrung gegen Stürze und ähnliche Freizeitunfälle.
    foto: apa

    Die Geschicklichkeit eines Kindes ist die beste Vorkehrung gegen Stürze und ähnliche Freizeitunfälle.

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