Blinde pochen in Iowa auf ihr Recht auf Bewaffnung

12. September 2013, 12:26
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Blinden und sehbehinderten Menschen den Privatbesitz von Schusswaffen zu untersagen sei Diskriminierung, argumentieren NGOs - In Österreich gibt es Hürden, die einen solchen Fall verhindern

Selbst wenn sie wegen ihrer Sehbeeinträchtigung das Antragsformular für eine Schusswaffe nicht ohne Hilfe ausfüllen können, dürfen Bürger des US-Bundesstaats Iowa in der Öffentlichkeit Waffen tragen. Ein entsprechender Bericht von DesMoinesRegister.com lässt die Debatte um Waffengesetze in den USA erneut hochkochen.

Das Staatsgesetz erlaubt es Sheriffs nicht, Bürgern Iowas nur aufgrund ihrer körperlichen Fähigkeiten das Recht auf Waffenbesitz zu untersagen, heißt es in dem Artikel. Das gilt auch für Menschen, die über kaum oder gar kein Sehvermögen verfügen. Während ein Gutteil der Exekutivorgane Bedenken an dieser Regelung äußert, setzen sich vereinzelt Sheriffs, vor allem aber Vertreter von Blindenverbänden für ein Waffenrecht für Blinde ein.

Waffenverbot als Diskriminierung

Laut Jane Hudson von der Vereinigung "Disability Rights Iowa" würde ein solches Verbot gegenüber Sehbehinderten sogar als Verstoß gegen den "Americans with Disabilities Act" verstoßen. Dieses 1990 verabschiedete Gesetz gegen Diskriminierung räumt Menschen mit Beeinträchtigungen das Recht auf Gleichbehandlung ein.

"Es gibt keinen Grund, warum einer Person nur aufgrund ihrer Blindheit untersagt werden sollte, eine Waffe zu tragen", wird Chris Danielsen von der "National Federation of the Blind" in dem Bericht zitiert. Danielsen macht den Hausverstand zum entscheidenden Kriterium, eine Waffe führen zu dürfen oder nicht: "Vermutlich werden diese Menschen ihre Waffe in keiner Situation benützen, in der sie andere gefährden könnten - genauso wie wir es von anderen Leuten mit gesundem Menschenverstand erwarten würden."

Nicht auf Schemen schießen

Mit simpler Logik argumentieren allerdings auch die Gegner der Regelung: "Wenn man nichts als verschwommene Schemen sieht", sagt der Sheriff des Delaware County, John LeClere, "dann würde ich sagen, man sollte besser auf nichts schießen."

LeCleres Amtskollege aus dem Cedar County, Sheriff Warren Wethington, hingegen unterrichtet sogar Blinde und Sehbehinderte im Umgang mit Schusswaffen. Seine erste Schülerin war seine blinde Tochter. Gegenüber DesMoinesRegister.com sagt Wethington: "Es wäre produktiver, wenn die Sheriffs mehr Zeit darauf verwenden würden, Waffen nicht Menschen mit Beeinträchtigungen abzunehmen, sondern Kriminellen."

Patrick Clancy, der Leiter der Iowa Braille and Sight Saving School, kann beide Position verstehen. Das tatsächliche Sehvermögen von Menschen, die behördlich als blind eingestuft werden, variiere stark, so Clancy. Er glaube zwar, dass es tatsächlich Betroffene gibt, die eine Waffe sicher handhaben können. "Aber auch, wenn Blinde in fast allen Lebenslagen bestehen können, gibt es einige Fälle, wo das nicht so ist. Die Bedienung einer Waffe gehört wohl dazu."

Das Recht auf eine Waffe

Auch wenn der zweite Zusatz zur Verfassung grundsätzlich jedem US-Amerikaner das Führen einer Waffe erlaubt, gibt es unterschiedliche bundesstaatliche Gesetze, die die genauen Voraussetzungen für den Waffenbesitz regeln. Anders als in Iowa, wo das entsprechende Gesetz 2011 novelliert wurde, müssen Besitzwillige in den meisten anderen Bundesstaaten Sehtests bestehen.

Generell verboten ist das Tragen einer Waffe nur Minderjährigen, einschlägig Vorbestraften und Menschen, aus deren psychischem Zustand eine Gefährdung anderer zu schließen ist.

Theoretisch auch in Österreich möglich

In Österreich sind Blinde und Sehbehinderte juristisch nicht vom Waffenbesitz ausgeschlossen, sagt Georg Zakrajsek, Generalsekretär der Interessensgemeinschaft Liberales Waffenrecht in Österreich (IWÖ). Das zum Erwerb der Waffenbesitzkarte notwendige psychologische Gutachten könnten theoretisch auch Personen mit eingeschränktem Sehvermögen absolvieren - lediglich der vorgesehene schriftliche Teil könnte hier Probleme bereiten.

Letztlich würde ein entsprechender Versuch wohl an der Fertigkeitsüberprüfung ("Nachweis des sachkundigen Umgangs mit Schusswaffen") scheitern, die der Waffenhändler oder Büchsenmacher bei der Ausfertigung einer Waffe vornehmen muss, sagt Zakrajsek. Er selbst wünscht sich im Namen der IWÖ auch für Österreich eine Regelung wie in Iowa, wo Blinde es nicht nur theoretisch dürfen, sondern in einigen bekannten Fällen auch tatsächlich öffentlich Waffen führen. So wie Michael Barber, der sich in einem Geschäft in Altoona, Iowa, eine Pistole besorgte:

(Michael Matzenberger, derStandard.at, 12.9.2013)

  • Schusswaffen ohne Augenlicht zu bedienen - in Iowa entbrannte darüber eine Debatte.
    foto: reuters/ralph d. freso

    Schusswaffen ohne Augenlicht zu bedienen - in Iowa entbrannte darüber eine Debatte.

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