Viele Vergewaltigungen im asiatisch-pazifischen Raum

10. September 2013, 12:27
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Im Schnitt outete sich ein Viertel der befragten Männer, schon einmal eine Frau vergewaltigt zu haben - Vor allem Ehefrauen und Partnerinnen sind betroffen

Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist in einigen Ländern des asiatischen und pazifischen Raums stark verbreitet. Laut einer Studie, die aktuell im "The Lancet Global Health"-Journal veröffentlicht wurde, geben durchschnittlich 25 Prozent der Männer zu, schon einmal eine Frau vergewaltigt zu haben. Die Raten variieren jedoch stark nach Land und Gegend (wohnhaft in der Stadt oder in ländlichen Gegenden), wie aus der von den Vereinten Nationen (UNO) in Auftrag gegebenen Studie hervorgeht.

In Bangladesch waren es 11 Prozent der Männer, in Papua Neu Guinea allerdings erschreckend hohe 61 Prozent, die schon einmal eine unbekannte Frau oder ihre Ehefrau/Freundin vergewaltigt hatten. Auf dem Inselstaat handelte es sich mehrheitlich um eine Frau (46 Prozent), viele (36 Prozent) gaben jedoch auch an, in ihrem Leben bereits zwei bis drei Frauen vergewaltigt zu haben.

Besonders Ehefrauen und Partnerinnen betroffen

Grundsätzlich ist die Vergewaltigung von Ehefrauen/Partnerinnen viel verbreiteter als Übergriffe gegen unbekannte Frauen. Vier Prozent der Befragten in der Hauptstadt von Bangladesch gaben Übergriffe gegen Unbekannte zu, in Papua Neu Guinea waren es 41 Prozent. Durchschnittlich liegt die Rate der Männervergewaltigungen in den untersuchten Ländern zwischen sechs und acht Prozent.

Vergewaltigung von Männern

Jene Fälle, wo Männer andere Männer vergewaltigten, waren in allen Ländern deutlich seltener. Zwischen ein und vier Prozent der Befragten hatten schon einmal einen Mann vergewaltigt. Einzige Ausnahme stellte hier erneut Bougainville in Papua Neu Guinea, wo 7,7 Prozent der Befragten schon einmal einen Mann vergewaltigt hatten.

Befragung und Methode

Für die erste länderübergreifende Studie zum Thema sexuelle Gewalt wurden insgesamt 10178 Männer aus Bangladesh, China, Kambodscha, Indonesien Papua Neu Guinea und Sri Lanka interviewt. Lediglich für Kambodscha ist die Studie repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, in Papua Neu Guinea wurde die Befragung ausschließlich auf der Insel Bougainville durchgeführt, in Bangladesch und Indonesien wurden Männer aus den Hauptstädten und jeweils einer bzw. zwei ländlichen Gegenden befragt.

Den Männern wurden Fragebögen vorgelegt, die sie anschließend unbeobachtet in einen Handcomputer übertragen mussten. Ihnen wurden Fragen gestellt wie: Hatten Sie jemals Sex mit ihrer Partnerin, obwohl sie nicht wollte, sie aber dachten, sie sollte einverstanden sein, weil sie ihre Frau ist? Oder: Hatten Sie jemals Sex mit einem Mädchen oder einer Frau, als sie zu betrunken war um sagen zu können, ob sie will oder nicht? Das Wort "Vergewaltigung" kam in den Fragebögen nicht vor.

Gründe: Anspruch und Spaß

Befragt nach den Gründen, gaben die meisten Männer (73 Prozent) an, aus einem Gefühl des sexuellen Anspruchs auf die Frauen gehandelt zu haben. Gleich darauf kam Langeweile oder die "Suche nach Spaß" (58,7 Prozent), gefolgt von Ärger und Rachegelüsten (38 Prozent) und Alkoholkonsum (27 Prozent). Mit-Studienautorin Emma Fulu sagte gegenüber BBC: "Sie denken, dass sie das Recht auf Sex mit der Frau haben, unabhängig von ihrem Einverständnis". 

Sonderfall Bougainville

Rachel Jewkes, die die Studie in Papua Neu Guinea durchgeführt hatte, gab zu bedenken, dass Bougainville eine besonders turbulente jüngere Geschichte hat. Dort wütete ab den späten 1980ern ein besonders brutaler Bürgerkrieg, der bis 2005 andauerte und heute noch spürbar sei. "Bougainville ist eine Gegend, wo der Konflikt noch nicht vollständig gelöst ist", gibt Jewkes zu bedenken.

Die StudienautorInnen sehen die wichtigste Aufgabe darin, sexuelle Gewalt gar nicht erst entstehen zu lassen. Interventionen müssten auf die Kindheit und die Jugend der Männer fokussieren und traditionelle Männerbilder thematisieren. Missbrauch in der eigenen Kindheit sei für viele Täter die Ursache ihres Verhaltens, doch auch Armut müsse als Faktor berücksichtigt werden. (freu, dieStandard.at, 10.9.2013)

Weitere Informationen:

Die Studie in "The Lancet"

  • An den jüngsten Protesten gegen Vergewaltigung beteiligten sich auch viele Gruppen aus Bangladesch, wie hier in Dhaka.
    foto: ap/a.m. ahad

    An den jüngsten Protesten gegen Vergewaltigung beteiligten sich auch viele Gruppen aus Bangladesch, wie hier in Dhaka.

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