Spanisches Start-up Geeksphone startet mit Firefox-Handys durch

10. September 2013, 10:06
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Mozilla möchte mit dem neuen Betriebssystem Firefox OS den Smartphonemarkt aufmischen

Alles begann 2009. "Mit absolut null Kapital", erzählt Geesksphone-Gründer Javier Agüera Reneses. "Die Idee war einfach. Der Besitzer eines Handys ist anders als bei sonstigen Produkten nie Kunde beim Hersteller. Er ist Nutzer. Kunde ist er bei einem Telekomunternehmen. Das wollten wir ändern."

Handy für Bastler

Eine Community mit Forum, Betreuung, Service, eine Werkstatt für Reparaturen, alles was zu einer Marke dazugehört, sollte Geeksphone haben. Und - darum der Name - das Telefon sollte für die Software für Bastler offen sein. "Das heißt, egal was du installierst, du hast weiterhin Garantie", erläutert Agüera. Die ersten beiden Modelle, die er aus der Taufe hob, liefen mit Android. Das Geeksphone One war das erste europäische Handy mit dem damals völlig neuen Betriebssystem, und das Zero war das erste Android-Handy weltweit für weniger als 200 Euro.

Die beiden ersten Developper-Preview-Modelle für Firefox OS - Keon und Peak - waren innerhalb von Stunden ausverkauft. Mit verbessertem Peak+ legte Geeksphone dieser Tage nach. Das Modell richtet sich erstmals an den Endverbraucher. Die Nachfrage nach Keon und Peak ist international. Nur sieben Prozent gingen bisher nach Spanien, aber zehn Prozent gingen nach Japan und acht Prozent nach Deutschland.

In die "Zehntausende" gehe die Produktion mittlerweile. Genauere Zahlen will Agüera nicht preisgeben. Der 21-jährige Sohn eines Arztes hat gerade einmal das Abitur gemacht. Sein Studium zum Telekomingenieur an einer Privatuniversität in Madrid hat er noch nicht abgeschlossen. Zu viel Zeit nimmt Geeksphone in Anspruch.

"Google kontrolliert stark"

Auch wenn es schwerfällt, sich den jungen Agüera vorzustellen, wie er mit großen chinesischen Fabrikanten verhandelt, er hat wohl tatsächlich ein Gespür fürs Geschäft. "Wir hatten ja was zu bieten. Mit Android waren wir ganz am Anfang mit dabei, das interessierte damals Foxconn. Mit den Firefox-Modellen gingen wir zum Fabrikanten, der auch für Motorola arbeitet, und wir hatten wieder Erfolg. Auch sie waren an der neuen Technik interessiert", sagt Agüera.

Das Angebot von Mozilla und Telefónica kam für Agüera im richtigen Augenblick. "Wir waren mit Android nicht so recht zufrieden. Es ist bei weitem nicht so offen, wie wir am Anfang glaubten. Google kontrolliert sehr stark", sagt er. Zwar sei auch Ubuntu-Linux ein System, das Offenheit für Programmierer und versierte Anwender verspreche, doch Firefox OS habe bessere Chancen, erfolgreich zu sein. "Es genießt die Unterstützung von Telefónica und weiteren 17 Telcos. Die Industrie, allen voran Qualcomm, unterstützt die Plattform, und dann ist da natürlich die Community der Entwickler rund um Mozilla", sagt Agüera, der mittlerweile 20 Mitarbeiter hat.

Lowcost-Terminals

"Engineered in Spain", heißt es neben dem heute in fast allen Elektronikprodukten üblichen "Made in P. R. C." unter dem Akku der Handys. Die Feineinstellung des Firefox OS, Treiber, Senkung des Stromverbrauchs - all das wurde tatsächlich in Madrid vorgenommen. "Dank unserer eigenen Entwicklungen holen wir wesentlich mehr Leistung aus den Geräten als die Konkurrenz", sagt Agüera. Die anderen Firefoxhandys, die nach und nach auf den Markt kommen, seien dem Keon und dem Peak weit unterlegen. "Es sind absolute Lowcost-Terminals", urteilt Agüera. 20.000 User zähle die Geeksphone-Community mittlerweile.

Agüera schaut zuversichtlich in die Zukunft: "Ich bin mir sicher, dass wir einen Marktanteil haben werden, der groß genug ist, um das Unternehmen weiter auszubauen." Nach Madrid und dem kleinen Büro in China soll bald eine Niederlassung im Silicon Valley folgen. Die will er selbst betreuen und dann sein Studium in Santa Clara beenden. (Reiner Wandler aus Madrid, DER STANDARD, 10.9.2013)

  • Geeksphone-Firmengründer Javier Agüera bringt Firefox-Betriebssystem aufs Handy.
    foto: wandler

    Geeksphone-Firmengründer Javier Agüera bringt Firefox-Betriebssystem aufs Handy.

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