Ungehobelte Gäste mit chemischen Waffen

9. September 2013, 20:59
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Ungewöhnliche Gemeinschaft: Parasitäre Ameisen-"Söldner" schädigen und beschützen ihre Wirtskolonie gleichermaßen

Kopenhagen - Söldner belagern den Staat. Sie rauben und plündern, schädigen die gesamte Agrargesellschaft. Doch wenn noch gefährlichere Räuber von außen kommen, werden die Parasiten zu willkommenen Helfern. Mit ihrer überlegenen Kampftechnik schlagen sie die Feinde in die Flucht. Trotz ihres schlechten Verhaltens sind die ungehobelten Gäste ein Gewinn für die Gesellschaft.

Was nach einer Episode aus dem finsteren Mittelalter klingt, fasst eine neue Studie aus dem Reich der Ameisen zusammen: "Chemisch bewaffnete Söldnerameisen beschützen Pilz anbauende Gesellschaften" lautet der Titel der im Fachjournal "PNAS" veröffentlichten Arbeit von Rachelle Adams von der Universität Kopenhagen und ihren Kollegen.

Eine ganze Reihe von Ameisenarten haben den Weg des Parasitentums eingeschlagen. Meist sind sie mit ihren Wirten eng verwandt. Eine entfernte Verwandtschaft wie zwischen den Wirten Sericomyrmex amabilis und ihren Dauergästen, der parasitären Art Megalomyrmex symmetochus, kommt relativ selten vor. Königinnen der Megalomyrmex-Art, die sich gerade erst gepaart haben, infiltrieren heimlich die Pilzfarmen der Sericomyrmex-Spezies und gründen darin eigenen Kolonien. Die Gäste sind nicht zimperlich: Sie verhindern das Wachstum der Wirtskolonie, indem sie der Königin die Flügel abtrennen und nicht nur Pilze, sondern auch einen Teil Brut der Gastgeber fressen.

Gift gegen gefährliche Angreifer

Die Symbiose zahlt sich für die Wirtsart erst aus, wenn die Räuber Gnamptogenys hartmani auftauchen, um Pilzgärten und Nester zu übernehmen. Die Parasiten gleichen den Studienautoren zufolge dann einer "funktionalen Soldatenkaste", die die Kolonie besser verteidigen kann als die Wirte selbst. Die Parasiten setzen ein alkaloides Gift als Waffe ein, das viel effektiver ist als die Beißwerkzeuge, mit denen sich die Pilzanbauer selbst wehren.

Die Experimente - die Forscher ließen etwa in einer Reihe von Versuchen jeweils eine unterschiedliche Anzahl von Wirten und Parasiten gegen die Räuber antreten - lassen darauf schließen, dass die "teuren Gäste" als Beschützer insgesamt doch einen Vorteil bringen. Da die parasitäre Kolonie ihr Leben lang an ihre Wirtskolonie gebunden ist, würden die Gäste ihren eigenen Interessen schaden, wenn sie ihre Wirte nicht verteidigten. (pum, DER STANDARD, 10.9.2013)

  • Parasitäre Ameisen der Spezies Megalomyrmex symmetochus (oben) stellen eine räuberische Gnamptogenys hartmani (unten).
    foto: anders illum

    Parasitäre Ameisen der Spezies Megalomyrmex symmetochus (oben) stellen eine räuberische Gnamptogenys hartmani (unten).

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