AKH-Polizeieinsatz in Wien wegen fehlender Asylanträge

9. September 2013, 18:26
578 Postings

Sprecherin verteidigt Vorgehen der Beamten, Mutter und kranke Tochter zu trennen

Wien - Ein Polizeieinsatz im Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH) sorgt - wenige Wochen nach einem Vorfall mit einer Schwangeren, die später eine Totgeburt hatte - für Irritationen. Samstagabend wurde dort die Mutter einer jungen Frau von Polizisten mitgenommen und ins Anhaltezentrum Rossauer Lände gebracht, da keine der beiden Tschetscheninnen zuvor einen Asylantrag gestellt hatte.

Die Rettung hatte die 18-Jährige mit ihrer Mutter ins AKH gebracht. Die beiden sollen gerade auf dem Weg ins Erstaufnahmezentrum Traiskirchen gewesen sein, als es der Tochter plötzlich schlecht gegangen sei. Schriftstellerin und Standard-Kolumnistin Julya Rabinowich, die angibt, zufällig im AKH gewesen zu sein und die dann spontan für die Frauen übersetzt hat, sagt, beiden sei es psychisch schlecht gegangen.

Sie habe die Beamten daher mehrfach gebeten, die Frauen nicht zu trennen. Reinhard Krepler, ärztlicher Direktor des AKH, sagt, eine Pflegekraft habe die Polizei gerufen gehabt, da die beiden Frauen angegeben hätten, nach Traiskirchen zu wollen.

18-Jährige wird ambulant nachversorgt

Zwei Beamte nahmen die Mutter mit ins Polizeianhaltezentrum, zwei weitere blieben bei der Tochter. Laut Polizeisprecherin hat für einen Asylantrag "umgehend" eine Vorführung vor der zuständigen Bundesbehörde zu erfolgen. Das Ende der Behandlung der Tochter abzuwarten, sei keine Option gewesen. Dies diene dem Schutz der Betroffenen und beuge möglichem Untertauchen vor. Ein Beamter war laut Rabinowich auch mit im Behandlungszimmer - "wie bei einer Schwerverbrecherin". Laut Polizeisprecherin sind Beamte in solchen Fällen "unterstützend für das Krankenhauspersonal" bei der Behandlung anwesend, um Dinge zu klären (wie etwa den Namen).

Laut Krepler wurde die - nicht versicherte - 18-Jährige über Nacht im AKH aufgenommen. Sie werde wegen ihres Nierenleidens auch ambulant nachversorgt.

Die beiden Frauen befanden sich Montagnachmittag laut Polizei gemeinsam in Wien 9, sollten abends aber nach Traiskirchen gebracht werden und hätten inzwischen beide Asyl beantragt.

Totgeburt: AKH entlastet

Im Fall der im fünften Monat schwangeren Frau, die ihr Kind verloren hat, wurden AKH und das St. Josef-Krankenhaus am Montag von der zuständigen Magistratsabteilung MA 40 entlastet: Es habe kein Fehlverhalten gegeben. Die 33-jährige Irakerin wendete sich Mitte August mit Schwangerschaftskomplikationen zunächst an das AKH. Das Kind war nicht mehr lebensfähig, die Frau sollte stationär aufgenommen werden: Für die unversicherte Frau war das nicht finanzierbar. Das AKH überwies sie an das St. Josef-Krankenhaus. Kurz nach der Ankunft verließ sie offenbar aufgrund von Kommunikationsproblemen das Spital wieder. Am nächsten Tag brachte sie das Kind tot zur Welt.

"Die Aktion war sehr gut gemeint, doch leider misslungen", sagte AKH-Chef Reinhard Krepler. Die Ärztin im AKH habe in bestem sozialen Bemühen eine Unterbringung organisieren wollen, wo die Kosten sofort von dem Sozialfonds übernommen werden. Im AKH sollen Patienten daher wieder sofort behandelt werden, auch wenn dafür zunächst Rechnung gelegt werden müsse. "Das Risiko ist viel zu groß, dass etwas schiefgeht", sagte Krepler. (Julia Schilly, Gudrun Springer, DER STANDARD, 10.9.2013)

  • Ein Polizeieinsatz im Wiener Allgemeinen Krankenhaus und der Fall einer im fünften Monat schwangeren Frau sorgen  für Irritationen.
    foto: standard/newald

    Ein Polizeieinsatz im Wiener Allgemeinen Krankenhaus und der Fall einer im fünften Monat schwangeren Frau sorgen  für Irritationen.

Share if you care.