Niemetz: Langsamer Konkurs, schnelle Lösung

9. September 2013, 17:41
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Die Hängepartie um den Schwedenbombenerzeuger Niemetz hat sich trotz Konkurses in Wohlgefallen aufgelöst

Wien - Ende gut, alles gut. Auf kaum ein anderes Unternehmen in Österreich trifft dies so zu wie auf den Erzeuger von Schwedenbomben, Niemetz. Der Traditionsbetrieb, der nach längerem Würgen und Ächzen Anfang Februar ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt hat, ist jetzt Teil von Heidi Chocolat, einem Unternehmen der Meinl-Gruppe. Mit September wurde die Zahl der Mitarbeiter im Wiener Werk von 40 auf 60 aufgestockt. Und auch die Gläubiger kommen voll auf ihre Rechnung.

"Es passiert selten, dass ein Verfahren so rasch abgewickelt wird wie im gegenständlichen Fall und dass die Gläubiger ihre ganzen Ansprüche befriedigt bekommen", sagte Roman Tahbaz vom Kreditschutzverband (KSV) von 1870 dem Standard. "Normalerweise dauert so ein Konkursverfahren ein paar Jahre, an dessen Ende die Gläubiger eine Quote von null bis zehn Prozent erhalten."

Niemetz ist überhaupt ein Sonderfall. Die Banken spielten im Gegensatz zu anderen Pleiten so gut wie keine Rolle. Es hängen viele kleine Lieferanten mit drinnen, in Summe etwas mehr als 200. Die haben Ansprüche von insgesamt gut vier Millionen Euro angemeldet. Ob es nach Einrechnung der Dienstnehmeransprüche 4,2 oder 4,3 Millionen sein werden, mache keinen großen Unterschied. "Es ist genug Geld da, um alle Ansprüche zu befriedigen, inklusive der Kosten für Gericht und Masseverwalter", sagte Tahbaz.

Hoher Kaufpreis

Der Verkauf an Heidi Chocolat aus Rumänien, der nach einem Bieterverfahren im Mai finalisiert und im Juni rechtskräftig geworden ist, brachte sechs Millionen Euro in die Kasse. Das war deutlich mehr als ursprünglich gedacht. Dass die Sache einen so guten Ausgang nehmen konnte, sei nicht zuletzt den vielen Schwedenbombenfans zu verdanken, die in einer einzigartigen Welle der Solidarität zum Kauf der süßen Versuchungen aufgerufen hatten. Die Aktion "Rettet die Schwedenbomben" fand binnen kurzer Zeit rund 36.000 Unterstützer auf Facebook.

"Diese Solidarität hat dem Betrieb Zeit gegeben; die Kunden haben mit ihren Hamsterkäufen der Firma gewissermaßen die Rutsche gelegt", sagte KSV-Mann Tahbaz. Wäre dies nicht in dem Ausmaß passiert, hätten die Eigentümer Masseunzulänglichkeit anzeigen müssen. Der Betrieb wäre geschlossen worden. Einen geschlossenen Betrieb zu verkaufen sei unvergleichlich schwieriger als einen gut laufenden.

Ursprünglich hatten die Alteigentümer, die einige technologische Entwicklungen verschlafen und marketingmäßig unglücklich agiert haben, eine Fortführung im Auge. Ein Finanzinvestor sollte einsteigen und für die nötige Liquidität sorgen. Die Gläubiger hatten Anfang Mai den Sanierungsplan bereits abgesegnet, wonach bis zu einem bestimmten Stichtag 4,18 Millionen Euro aufgetrieben werden sollten. Die Finanzspritze hätte von der Bagrup Investments Kolumbien SA kommen sollen. Das Unternehmen mit dem Deutschen Peter Barthel als Geschäftsführer lieferte aber nicht. Daraufhin wurde der Verkaufsprozess gestartet.

Heidi Chocolat mit Sitz in Pantelimon nahe Bukarest will nach Angaben von Generaldirektor Erwin Vondenhoff die original Schwedenbombe "dank unseres Know-hows nun auch in den Nachbarländern bekannt machen". Den ganzen Sommer über wurde im Werk in der Aspangstraße im dritten Wiener Gemeindebezirk ohne Pause gearbeitet - auch ein Sonderfall. Bisher gab es immer Werksferien in den Sommermonaten.

Das Werk, das 1930 eröffnet worden ist, steht noch immer an derselben Stelle. Dort werden neben Schwedenbomben auch die Schokoriegel Manja und Swedy hergestellt. Der Namen Schwedenbombe geht auf die Freundschaft von Unternehmensgründer Walter Niemetz mit einem Schweden zurück, der ihn zu einer lockeren, leichten Süßigkeit aus Eisschnee im Schokolademantel animiert hat.

50 Prozent der angemeldeten Forderungen sind vor kurzem ausbezahlt worden. Eine derartige "Zwischenverteilung" komme selten vor, sagte Tahbaz. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden die restlichen Forderungen noch in diesem Jahr befriedigt. (Günther Strobl, DER STANDARD, 10.9.2013)

  • Schwedenbomben von Niemetz waren zwar bekannt, aber lange Zeit kein Renner. Das hat sich geändert, wie der Eigentümer auch.
    foto: standard/matthias cremer

    Schwedenbomben von Niemetz waren zwar bekannt, aber lange Zeit kein Renner. Das hat sich geändert, wie der Eigentümer auch.

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