Elke Hesse: "In fünf Jahren könnte das Muth anders ausschauen"

9. September 2013, 18:07
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Der Sängerknaben-Konzertsaal im Wiener Augarten, genannt Muth (Musik und Theater), geht in seine zweite Saison - Geschäftsführerin Elke Hesse sieht 150 Vorstellungen entgegen

Wien - Die Streitigkeiten, die der Konzertsaal der Wiener Sängerknaben (ein privat von der Unternehmerfamilie Pühringer initiiertes und finanziertes Projekt ohne öffentliche Subventionen) im Vorfeld seiner Errichtung ausgelöst hat, haben dem Haus letztendlich vor allem genutzt. Die kurz Muth (Musik und Theater) genannte Institution hat durch die Standortdispute internationale Bekanntheit erlangt, sagt Geschäftsführerin Elke Hesse. Die Hochgeschwindigkeitsfrau, vormals Leiterin der Festspiele Bad Hersfeld, führt rasant durch den innen riesig wirkenden Saal und kann sich nachher zufrieden in ihren Chefsessel setzen.

Sie blickt gelassen auf die erste Saison zurück - 70 Prozent Publikumsauslastung und eine exzellente Akustik, die sich unter potenziellen Einmietern rasch herumgesprochen hat, machen es möglich. Das Gebäude wird von den Sängerknaben (künstlerischer Leiter: Gerald Wirth) nur zu etwa einem knappen Drittel genützt, in der restlichen Zeit wird es vermietet: an Musiktheaterveranstalter wie auch an kunstferne Unternehmen. "Wenn sich ein Pharmabetrieb hier am Dienstag einmietet, so bin ich am Mittwoch sehr glücklich." Elke Hesse muss gut wirtschaften. Lediglich die Betriebskosten werden von der Stiftung gedeckt. Im ersten Jahr betrug der Eigendeckungsgrad bereits knapp 40 Prozent.

Elke Hesse braucht aber noch mehr Geld, denn sie will künftig auch selbst produzieren. Stichwort Fundraising. Vorläufig sind die Eigenproduktionen noch rar, vor allem sind es die Opernproduktionen der Sängerknaben. Anlässlich von Benjamin Brittens 100. Geburtstag (1913-1976) begeben sie sich ab 2. November mit dem eigens für sie komponierten Vaudeville Der Junge und das Meer auf ein Seeräuberabenteuer.

Bereits am Dienstag eröffnen die Hausherren das diesjährige Konzertprogramm mit chinesischen und taiwanischen Volksliedern, die sie von ihren Reisen mitgebracht haben. 1959 waren die Sängerknaben das erste Mal in Hongkong und zuletzt, 2010, in der Provinz Shanxi, wo sie altes Liedgut kennenlernten und die Zusammenarbeit mit chinesischen Chören vertieften.

Nachwuchsförderung

Das Muth deckt im Musiktheaterbereich in zweierlei Hinsicht eine Nische ab: Einerseits ist ein 413-Plätze-Haus eine Größenordnung, die sich in einer Stadt wie Wien relativ gut bedienen lässt. Andererseits versteht sich das Haus als Stätte der Nachwuchsförderung. "Wir wollen die erste Bühne für angehende Künstler sein", so Hesse. Es wird mit Volksschulen zusammengearbeitet, mit Musikschulen, mit Konservatorien, "und mein nächstes Ziel ist die Universität". Hesse weiter: "In fünf Jahren könnte das Muth schon ein wenig anders ausschauen. Es sollte noch mehr leben, auch unter Tags. Wir peilen in der nächsten Saison etwa 130 bis 150 Vorstellungen an. Wenn es geht, hätte ich aber gern 365 im Jahr."

Wir glauben das gern. Und der Zuspruch, den das Haus erfährt, lässt daran nicht zweifeln. Publikumsschichten mischen sich, vom Philharmonischen Ensemble bis zum Wiener Kindertheater. Die Koproduktionen - mit der Volksoper besteht sie bereits - werden ausgebaut. Auch mit der Staatsoper gibt es "erste zarte Gespräche". (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 10.9.2013)

  • Sängerknaben unterwegs in China: Mit chinesischen und taiwanischen Volksliedern kehren sie am Dienstag in ihren Konzertsaal am Wiener Augartenspitz zurück (19.30 Uhr).
    foto: faudon movies ny

    Sängerknaben unterwegs in China: Mit chinesischen und taiwanischen Volksliedern kehren sie am Dienstag in ihren Konzertsaal am Wiener Augartenspitz zurück (19.30 Uhr).

  • Elke Hesse, Geschäftsführerin des Muth.
    foto: beck

    Elke Hesse, Geschäftsführerin des Muth.

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