Büroimmobilien verlieren die Gunst der Investoren

9. September 2013, 08:12
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Nur in Österreich brach das Volumen in der ersten Jahreshälfte drastisch ein. Gefragt sind aktuell nur Handels- und Hotelimmobilien

Der Dämpfer, den der österreichische Investmentmarkt im ersten Halbjahr dieses Jahres abbekommen hat, war markant: Mit einem Investmentvolumen von 430 Millionen Euro lag das Halbjahresergebnis um etwa 20 Prozent unter jenem des Vergleichszeitraumes im Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine Marktanalyse des Immobiliendienstleisters CBRE. Zwar sind Investmenttätigkeiten in den ersten sechs Monaten jeden Jahres fast schon traditionell niedrig, doch der starke Rückgang überraschte heuer selbst die Immobilienbranche. 

Zu geringes Angebot

"Die Investmentaktivität liegt, ähnlich wie im vergangenen Jahr, deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen, bei denen wir noch von einem Anstieg ausgegangen sind", sagt etwa Franz Pöltl, Geschäftsführer von EHL Investment Consulting. Für den Einbruch macht Georg Fichtinger, Leiter der Kapitalmarktabteilung CBRE, in erster Linie das Angebot am Markt verantwortlich: "Wir sehen die Gründe für den Rückgang einerseits in einem - im Vergleich zur Nachfrage - eher eingeschränkten Angebot, insbesondere bei Core-Objekten." Zudem würden Entscheidungs- und Verkaufsprozesse derzeit besonders komplex und damit auch langwierig sein.

Generell hinken die Investmentaktivitäten in Österreich jenen in anderen europäischen Ländern deutlich nach. Vergleicht man beispielsweise die Volumensentwicklungen im zweiten Quartal mit jenen im Vergleichsquartal des Vorjahres, so zeigte Deutschland einen Anstieg um 34 Prozent auf insgesamt 12,6 Milliarden Euro. Damit erzielte der deutsche Markt das höchste Halbjahresergebnis seit dem Boomjahr 2007.

Aber auch andere europäische Länder lieferten in der ersten Jahreshälfte beeindruckende Zahlen: Schwedens Umsatzvolumen legte um 53 Prozent zu, in den Niederlanden stieg es um 17,6 Prozent, und auch die am stärksten von der Krise betroffenen Staaten in der Eurozone, Italien, Spanien, Portugal und Irland, verzeichnen seit dem ersten Quartal des Jahres eine allmähliche Erholung der Investmentaktivitäten, wenn auch auf niedrigem Niveau.

Retail dominiert Investmentmarkt

Den größten Einbruch erlebte in Österreich der Bürosektor, der kaum Transaktionen verzeichnen konnte. "Büroimmobilien waren für Investoren im ersten Halbjahr 2013 weniger attraktiv", bestätigt Andreas Ridder, Geschäftsführer von CBRE. "Es entfielen nur noch etwa acht Prozent aller Investments auf Büroobjekte."

Am anderen Ende der Skala standen im ersten Halbjahr währenddessen Einzelhandelsobjekte: Etwa 30 Prozent aller Investments entfielen auf diese Kategorie, darunter beispielsweise der Verkauf des Fachtmarktzentrums M-City in Mistelbach mit 10.800 Quadratmetern, das FMZ Seyring in Wien 21 (8900 Quadratmeter) oder das Zentrum Neukauf in Villach (16.200 Quadratmeter).

Auch Hotels hielten in der Beliebtheitsskala ihr hohes Niveau; zwar machten diese nur 17 Prozent der Deals aus, konnten aber als einziges Immobiliensegment das Vorjahresvolumen annähernd halten. Hier wurden beispielsweise das Wiener Hotel Theresianum und das Hotel "Am Konzerthaus Vienna by MGallery" verkauft. Zuletzt hat die Immofinanz das Hilton Vienna Danube an eine Tochtergesellschaft der deutschen Internos Real Investors verkauft. Der Kaufpreis für das Hotel betrug nach Angaben der Immofinanz 48,4 Millionen Euro. Und auch das einzig noch verbleibende Hotelobjekt im Portfolio der Immofinanz sollte demnächst einen neuen Eigentümer haben: Das Leonardo Vienna befindet sich ebenfalls im Verkaufsprozess.

Ausländische Investoren im Kommen

Eine überraschende Trendwende ist auch bei der Herkunft der Investoren zu beobachten. Waren in den ersten drei Monaten des Jahres - einem längeren Trend folgend - noch die Österreicher mit rund 80 Prozent aller Investitionen die stärkste Investorengruppe, so drehte sich das Bild im zweiten Quartal: 39 Prozent der Investments von April bis Juni entfielen auf Investoren aus Deutschland, 32 Prozent auf andere ausländische Investoren. "Das ist unter anderem auch auf die Investitionssicherheit und Stabilität des Immobilienmarktes zurückzuführen", sagt Georg Fichtinger. "Nachdem in anderen westeuropäischen Märkten die Renditen wieder deutlich gesunken und insgesamt viel volatiler sind, rückt Österreich auch wieder in den Fokus internationaler Anleger", so Fichtinger, der besonders seitens osteuropäischer Investoren steigendes Interesse ortet.

"Da eine ganze Reihe großvolumiger Transaktionen in Verhandlung sind und einige bereits kurz vor dem Abschluss stehen, rechnen wir damit, dass wir im Gesamtjahr eine Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert von 1,65 Milliarden Euro erreichen werden", sagt Franz Pöltl, der damit neuerlich seine grundsätzlich hohen Erwartungen vom Frühjahr unterstreicht, in der er noch ein Gesamtjahresergebnis von zwei Milliarden Euro prognostiziert hatte. Etwas vorsichtiger sind die Schätzungen von CBRE und Otto Immobilien: Hier geht man von einem Jahresvolumen von 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro aus. Zum Vergleich: In den Boomjahren 2006 und 2007 lagen die Gesamtjahresergebnisse bei 2,2 bzw. 2,8 Milliarden Euro. (Birgit Tisch, DER STANDARD, 7.9.2013)

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