Empowerment? "Wer, wenn nicht wir?"

8. September 2013, 20:24
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Fünf Millionen Frauen will Coca-Cola bis 2020 den Weg zur Unternehmerin ebnen - entlang der Wertschöpfungskette des Konzerns

Ja, sie schlafe schon schlecht, sagt Jackie Duff, stretegische Direktorin im globalen Frauen-Empowerment-Programm von Coca-Cola. Das bezieht sie auf die ambitionierten Ziele: fünf Millionen Frauen zu Unternehmerinnen zu machen bis ins Jahr 2020. Kurz "5by20" genannt.

Der in über 200 Ländern vertretene Konzern mit zuletzt etwa 48 Mrd. Dollar Umsatz und neun Mrd. Gewinn will entlang seiner globalen Wertschöpfungskette fünf Millionen Frauen Hilfe zur Selbsthilfe geben - Weiterbildung, Ressourcen bereitstellen, Marktzutritt ermöglichen.

"Das ist kein philanthropisches Projekt", so Jackie Duff. Der "business case" ist auch ersichtlich: Alle solcherart "empowerten" Frauen bleiben bei der Wertschöpfungskette - auch wenn sie nur Beverages vom Konzern in ihren neuerrichteten Schusterläden verkaufen. Da Coca-Cola fast in allen Ländern auch produziert, böten sich allerlei Möglichkeiten. Klar aber: Die unternehmerischen Frauen bleiben irgendwie mit dem Konzern im Geschäft.

Nach zwei Jahren 5by20 zählt Duff, die jeweils nur kurz Boden unter den Füßen hat und unmittelbar nach ihrem Besuch beim "Ideen gegen Armut" -Workshop in Stegersbach nach Indien weiterflog, 300.000 neue Unternehmerinnen. Gemessen werde nach einer sehr komplexen Matrix mit drei externen Evaluierungen im kurz-, mittel- und langfristigen Bereich. Fokus liegt auf der nachhaltigen Gründung und dem wirtschaftlichen Impact.

Erster Meilenstein

Daran gearbeitet wird bis jetzt in 20 Ländern. Duff: "Dort müssen wir die Bedürfnisse der Menschen, ihre Umfelder verstehen." Das macht die Projekte und ihre Maßnahmen höchst unterschiedlich. Von der Müllsammlung im Elendsviertel und angeschlossener Upcycling-Werkstatt bis zum First-Job-Trainingsprogramm. "Manchmal sind wir Katalysatoren, manchmal Errichter. Mancherorts haben wir lokale Partnerschaften, andernorts kooperieren wir mit globalen Partnern, etwa mit Microsoft." Manchmal gehe es um Bildung, manchmal um Zugang zu Krediten - da wurde wiederum ein Kooperationsfonds mit der Weltbank in die Welt gebracht.

Die ambitionierte Schottin ist mit ihrem Job sichtlich happy - und wirkt unermüdlich engagiert. Gegen rauere Einsätze hat sie offenbar nichts, denn als sie vor sechs Jahren bei Coca-Cola anheuerte, ging es um Nachhaltigkeitsprojekte in Europa. Allerdings wurde sie gleich einmal in die Antarktis geschickt, wo Coca-Cola eine Forschungsstation zum besseren Verständnis des Klimawandels mitfinanziert.

Direkte Wirksamkeit und lebensverändernde Hilfe unmittelbar zu sehen sei eine riesige Bereicherung, sagt Duff.

Ist 5by20 also eher auf sogenannte Entwicklungs- und Schwellenländer konzentriert? "Nein", sagt sie, "angesichts der enormen Arbeitslosenraten in Europa brauchen wir hier solche Programme auch dringend."

Duff argumentiert zudem mit der "Verpflichtung" des Konzerns: "Wer, wenn nicht wir?", fragt sie rhetorisch. Das Konsum-Image sieht sie dabei gar nicht problematisch: Coca-Cola habe Lebensfreude in seiner DNA - und die wolle man teilen.

Auch in Österreich

Im Zuge all dieser Ambitionen läuft auch das Projekt "Ideen gegen Armut" in Österreich heuer mittlerweile im siebenten Jahr. Eingeladen sind Organisationen, Gruppierungen sowie Einzelpersonen mit Projekten und Projektideen, die in Form eines Businessplans umsetzungsreif einem Entscheidungsgremium vorgelegt werden.

Die Initiative "Ideen gegen Armut" wählt zwei förderungswürdige Projekte auf Basis klarer Beurteilungskriterien aus und stellt Umsetzungshilfe durch eine "Anschubfinanzierung" zur Verfügung. Seit 2010 ist das Preisgeld für die Siegerprojekte an die Existenzjahre von Coca-Cola Österreich gekoppelt. Da die Firma in Österreich heuer den 84. Geburtstag feiert, kommen in diesem Jahr 84.000 Euro zur Ausschüttung. Die zwei Gewinnerprojekte erhalten somit jeweils 42.000 Euro.

Eingereicht werden können all jene Projekte bzw. Projektideen, die Armutsbekämpfung und Armutsprävention in Österreich zum Thema haben, wobei ein Schwerpunkt eben auf der Förderung von Female Entrepreneurship und der Teilhabe von Frauen an Unternehmensgründungen liegen soll. Zumindest einer der beiden Innovationspreise wird an ein Projekt mit dieser Schwerpunktsetzung vergeben. (kbau, DER STANDARD, 7./8.9.2013)

  • Jackie Duff: weltweit unterwegs, um in 200 Ländern die jeweils angemessene Unterstützung zum "Empowerment" von Frauen zusammenzustellen. Über die Projektkosten wird geschwiegen.
    foto: coca cola

    Jackie Duff: weltweit unterwegs, um in 200 Ländern die jeweils angemessene Unterstützung zum "Empowerment" von Frauen zusammenzustellen. Über die Projektkosten wird geschwiegen.

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