Metcha Matcha: Leuchtender Reis

6. September 2013, 17:17
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Eine entzückend gestaltete Tee- und Imbissstube in Wien-Wieden bietet japanische Alltagsküche in fast privatem Rahmen

Daheim in Tokio war Mari Wanzel Modejournalistin, ihr aus Österreich gebürtiger Mann Christoph arbeitete als Art-Director und Innenarchitekt. Seit einigen Jahren sind sie in Wien, betreiben ein winziges, charmantes - und günstiges! - Appartement-Hotel (Wanz'Inn in der Rüdigergasse) und haben soeben eine Teestube in der Operngasse eröffnet, wo neben kunstvoll aufgegossenem Matcha, Sencha, Genmaicha und anderem Edeltee aus Japan auch gekocht wird. Es gibt auch antike Teeschalen, alte und zeitgenössische Farbholzschnitte ("Moku-hanga"), Papierlampions und andere selbst importierte Feinheiten aus Japan zu kaufen.

Zentrales Thema Reis

Schon von außen fällt eine Installation aus filigranen Reispapierlampen ("Kami lei-do") auf, die nicht zufällig an riesige Reiskörner erinnern: Reis ist hier ein zentrales Thema, von Onigiri, den in Japan allgegenwärtigen Snacks in Form verschieden gefüllter, dreiseitiger Reispatzeln, bis zu allerhand Donburi, wie die mit diversen Toppings versehenen Reisschalen genannt werden. Sushi hingegen wird man vergebens suchen: "Das ist eine hochspezialisierte Küche, die schon zu oft in bastardisierter Form angeboten wird", sagt Christoph Wanzel. In ihrem Lokal konzentrieren sich die Wanzels deshalb auf Varianten der Alltagsküche, die ihnen selbst in Wien bislang abgegangen sind.

Die Theke ist ebenso minimalistisch wie kunstvoll aus Naturholz gezimmert und verfügt über ein paar wenige Sitzplätze, wo den Damen (eine davon meist im Kimono) beim Teemachen zugesehen werden kann. Ansonsten findet sich an zwei kleinen Holztischen Platz, von denen einer durch einen leuchtend roten Papierschirm ("Nodate-gasa") behütet wird, wie sie traditionell für die Teezeremonie verwendet werden.

Rauchig umamiwürziger Dashi-Fond

Auch das Essen gibt auf unaufgeregte Weise Einblick in japanische Traditionen und Geschmackswelten. Onigiri etwa haben in Japan den Status eines universell einsetzbaren Snacks - wie hierorts die Leberkässemmel. Für hiesige Gaumen sind die mit fermentierter Pflaume, mariniertem Senfgemüse, Tofu oder roten Bohnen gefüllten, kühlen Reistaschen aber gewöhnungsbedürftig. Ungleich zugänglicher ist der feine Wafu-Salat aus eingelegtem Gemüse, geröstetem Sesam und Bonitoflocken.

Die sanfte, rauchig-umamiwürzige Kraft der getrockneten Fischflocken schmeckt auch im Udon-Nudeltopf vor oder bei Yakiniku Don, einer Reisschale mit Topping aus ge-schmorter Schweinsschulter, Nori-Algen und ein paar Tupfern süßer Mayonnaise. Die Mayo taucht auch bei Yakitori Don auf, wo sehr saftig gegrillte Hühnerspieße auf der Schale Reis zu liegen kommen, oder bei Shake Don mit in Salz gereiftem und gegrilltem Lachs. Was allen Gerichten gemein ist: die feine Balance der Gewürze, die leichte, trotz Mayonnaise-Einsatz sehr bekömmliche Art der Küche und die ausgesuchte Freundlichkeit, mit der sie zu Tisch gebracht werden. Ein Gewinn für die Stadt! (Severin Corti, Rondo, DER STANDARD, 6.9.2013)

Metcha Matcha
Operngasse 23
1040 Wien
Tel.: 0676/956 67 65
Mo-Sa 10- 20 Uhr
Onigiri-Snacks € 1,90-2,90, VS € 1,90-4,90, HS €6,90-9,90

  • Das Metcha Matcha in der Operngasse bietet...
    foto: gerhard wasserbauer

    Das Metcha Matcha in der Operngasse bietet...

  • ... original japanische Hausmannskost, wie man sie in Wien bislang nicht kennt.
    foto: gerhard wasserbauer/wasserbauer.cc

    ... original japanische Hausmannskost, wie man sie in Wien bislang nicht kennt.

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    foto: maria ziegelböck
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