Sät, es ist schon wieder September!

Kolumne12. September 2013, 11:17
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Erdbeeren, Spinat und Rhabarber wollen justament noch jetzt vor dem Herbst in die Erde, soll deren Ernte im nächsten Jahr üppig ausfallen, weiß Gregor Fauma.

Endlich September. Wer hält das Schöne schon ewig aus! Zeit für die Zeit des letzten Aufbäumens, Zeit für die Zeit des schleichenden Verfalls. Denn nur wo Platz ist, wo gestorben wird, kann Neues entstehen, sich Frisches entfalten. Und schon sind wir bei den Tipps: Wer auch nächstes Jahr reiche Erdbeerenernte einfahren möchte, sollte nun aktiv werden.

Geschickte Bauern mit ihren riesigen Feldern machen das, indem sie das den Erdbeeren untergelegte Stroh einfach anzünden, wodurch jene Teile der Erdbeerenpflanzen entfernt werden, die der Gartler mühsam von Hand entfernen muss: die alten Blätter, die überschüssigen Triebe. Da Erdbeeren nach drei Jahren ein wenig blühfaul und folglich fruchtarm werden, kann man jedes Jahr gut ein Drittel der Pflanzen durch neue ersetzen.

Spinat: Garant für ein erfülltes Leben

Noch früher als die Erdbeeren kann man den Spinat kommendes Jahr ernten. Dazu muss man ihn im September säen. Hybridsorten sind dafür ideal, sonst muss man zu Winterspinatsorten greifen. Idealerweise gießt man den Boden einen Tag vor dem Säen intensiv, sät dünn mit drei Zentimeter Individualabstand und dem zehnfachen an Reihenabstand. Wer gierig ist, kann oft schon im Spätherbst ernten, die eigentliche Ernte jedoch sollte im Frühjahr stattfinden.

Auch der Rhabarber möchte jetzt gepflanzt werden. Er ist womöglich das einzige Gemüse, das ausschließlich süß zubereitet wird - als ob es Obst wäre. Als klassischer Knöterich braucht er viel Sonne und eine fette Erde, dann aber ist er pflegeleicht bis vernachlässigbar.

Interessanterweise finden in China, wo er herkommt, die Stängel kaum Verwendung, sondern die Wurzeln. Deren Extrakte sorgen für Sprintrekorde am Weg zur Toilette. Und Darmreinigung, so kann man es überall lesen und hören, ist die prinzipielle Voraussetzung für jedes erfüllte Leben jenseits evidenzbasierter Maßnahmen.

Die Treue des Rhabarbers

Steht der Rhabarber gut genährt im Beet, so braucht man nur noch für ausreichend Wasserversorgung zu sorgen, damit einer Stängel- oder Wurzelernte nächstes Jahr im April nichts im Wege steht. Das Schöne am Rhabarber ist auch seine Treue. Als Staude mit ausdauernden Rhizomen bleibt er, wo er ist, und treibt Jahr für Jahr seine sauren Stängel aus.

Als robuster Kerl können ihm auch die meisten Schädlinge wie Blattläuse, Käfer oder Raupen keinen bemerkenswerten Schaden antun - da steht er drüber. Aber der Rhabarber kann robusten Kerlen etwas anhaben: Für den Verzehr sei vermerkt, dass man ihn nicht roh knabbern sollte! (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 6.9.2013)

Tipp zum Spinat: Wer eigenen Spinat will, braucht viel Platz im Garten: Man muss ihn schon massenhaft für eine anständige Portion säen, denn die Blätter fallen beim Dünsten auf ein armes Häuflein zusammen.
  • Tipp zum Rhabarber: Rhabarber verfügt über einen hohen Oxalsäuregehalt, der kalziumzehrend wirkt. Kinder, nieren- und gallenkranke Menschen sollten darauf verzichten. Wer ihn jedoch schält und kocht, und ab Mitte Juni nicht mehr anrührt, bleibt auf der sicheren Seite.
    foto: dpa/roland weihrauch

    Tipp zum Rhabarber: Rhabarber verfügt über einen hohen Oxalsäuregehalt, der kalziumzehrend wirkt. Kinder, nieren- und gallenkranke Menschen sollten darauf verzichten. Wer ihn jedoch schält und kocht, und ab Mitte Juni nicht mehr anrührt, bleibt auf der sicheren Seite.

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