Ultra HD-TV: 110-Zoll-Superlative und fehlender Content

6. September 2013, 18:56
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Auf der IFA wurden neue 4k-Geräte präsentiert - auf den Massenmarkt ist es noch ein weiter Weg

Geht es nach den Fernseherherstellern sehen wir zu Hause Film und Fernsehen bald in 3.840 mal 2.160 Pixel. UHD beziehungsweise 4k nennt sich die Auflösung, die vier Mal so viele Pixel wie Full-HD-Fernsehen liefert. Auf der IFA haben die Hersteller neue Produkte präsentiert: zwischen 110 Zoll großen Showcases, die in erster Linie den Bereich des Möglichen ausloten sollen und nur für betuchte Kunden gedacht sind und kleineren Geräten, die sich mit niedrigeren Preisen den Weg auf den Massenmarkt bahnen sollen.

Die Luxus-Abteilung

110 Zoll ist eine Größe, die man von kleineren Kinoleinwänden kennt. Samsung und Hisense hatten auf der IFA UHD-Geräte von diesem Kaliber im Gepäck. Die Fernseher messen diagonal fast drei Meter. Ein 86-Zöller von Hisense kostet 15.000 Euro, wieviel die 110-Zoll-Modelle kosten, ist noch nicht bekannt. Samsung ging zudem einen Schritt weiter und zeigte einen Curved UHD-Fernseher und Protoypen eines UHD-OLED-TV-Geräts.

"Einsteiger"-Preise

Um den Massenmarkt zu erobern, sind diese Modelle nicht geeignet. In Österreich bietet Samsung daher kleinere Varianten mit 65 und 55 Zoll an. Kostenpunkt: ab 4.000 Euro. Hisense unterbietet diese Preise mit 50-Zoll-Modellen ab 2.000 Euro, die im September auf den Markt kommen sollen. Mit den günstigen Flatscreens um ein paar Hundert Euro können auch diese Geräte noch nicht konkurrieren, aber es dürfte nicht mehr lange dauern, bis der erste UHD-Fernseher unter 1.000 Euro erhältlich ist.

4k-Streaming-Dienst von Sony

Die Fernseherhersteller haben jedoch noch ein Problem: denn so gerne sie die höheren Auflösungen jedem Konsumenten buchstäblich aufs Auge drücken würden, auch der Content muss bereitstehen. Kinofilme werden seit längerem in 4k gedreht. Erste Fernsehstudios wie die BBC experimentieren schon mit UHD. Sony bietet bereits einen UDH-Player an und hat auf der Messe nun den dazu passenden Streaming-Dienst Video Unlimited 4K gestartet. Zum Start stehen in den USA 70 Filme bereit, das Angebot soll in den nächsten Monaten deutlich ausgebaut werden.

Erste Satellitenübertragung

Das Material ist prinzipiell vorhanden. Ein größeres Hindernis stellt jedoch der Weg dar, wie die 4k-Programme zum Kunden kommen. UHD-Blu-ray-Discs gibt es noch nicht und für Streaming-Dienste müssen hohe Bandbreiten zur Verfügung gestellt werden. Immerhin benötigen die Filme etwa 40 bis 60 GB. Neue Komprimierungstechnologien wie HEVC könnten da Abhilfe schaffen. Samsung hat auf der IFA gemeinsam mit Eutelsat zudem die erste Satellitenübertragung von 4k-Programmen demonstriert.

4k-Kameras für Privatnutzer

Einige nun auf der IFA vorgestellt Smartphones und Camcorder können bereits Videos in 4k aufzeichnen. Etwa Samsungs Galaxy Note 3, das Acer Liquid S2 oder Sonys Camcorder FDR-AX1E.

Hochskalieren

Die Geräteproduzenten müssen sich also derzeit eines Hilfsmittels bedienen, wenn 4k-Fernseher trotz mangelndem Contents verkauft werden sollen. Die HD- oder Full-HD-Auflösung wird hochskaliert. Hier hat die Nase vorne, wer die bessere Rechenpower in seinen Geräten unterbringen kann. Der Unterschied zwischen Full-HD auf einem 4k-Schirm und UHD ist gravierend, sofern das Gerät groß genug ist. Bei Diagonalen unter 50 Zoll kann das Auge die viermal so hohe Auflösung allerdings kaum wahrnehmen. Programm in Standardauflösung ist auf einem großen 4k-TV erst recht nicht mehr ansehnlich.

Noch kein Standard

Ein Grund für die dürftige Content-Auswahl ist, dass der UHD-Standard noch nicht fertig spezifiziert ist. So halten sich Gerätehersteller, Anbieter von Video-Diensten und Produzenten von Speichermedien noch zurück. Samsung behilft sich eines Tricks, indem Tuner und Prozessor seiner Smart TVs austauschbar sind. Wird eine neue Technik oder ein schnellerer Chip benötigt, kann die Hardware mit dem Evolution Kit aktualisiert werden.

Zukunftssicher

Zukunftssicher nennen alle Hersteller ihre Geräte. Schließlich wollen sie Kunden schon jetzt Anreize geben, die neuen, scharfen aber auch teuren Fernseher zu kaufen. Und über diesen Umweg soll den Produzenten signalisiert werden, dass der Markt für 4k-Angebote bereit ist. Ob 4k wie im Fall von 3D-Fernsehern eine Nische bleiben wird, oder UHD so gängig sein wird wie heute Full-HD, bleibt abzuwarten. (Birgit Riegler aus Berlin, derStandard.at, 5.9.2013)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Reise zur IFA erfolgte auf Einladung von Samsung.

Nachlese

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    foto: ap/gero breloer
  • 110 Zoll in 4k-Auflösung: auf der IFA ziehen die Hersteller alle Register.
    foto: derstandard.at/riegler

    110 Zoll in 4k-Auflösung: auf der IFA ziehen die Hersteller alle Register.

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