Scheherazades Tanz als Bastion gegen Barbarei

5. September 2013, 12:00
1 Posting

1001 Nacht, flüchtige Töne oder Heldenleben: Zum Saisonauftakt im Festspielhaus St. Pölten zeigen Tanzstar Angelin Preljocaj, der Komponist Kurt Schwertsik sowie die Tonkünstler viel Herz und Haltung

Aus dem markanten Pavillon noir des Architekten Rudy Ricciotti in Aix-en-Provence kommen jene Geschichten aus 1001 Nacht, die Brigitte Fürles erste Saison als Intendantin des Festspielhauses St. Pölten einleiten: das Ballett Les Nuits des französischen Starchoreografen Angelin Preljocaj.

Der 56-jährige Arbeitersohn entstammt einer in die Pariser Banlieues immigrierten albanischen Familie. Heute absolviert er mit seiner Compagnie weltweit rund einhundert Vorstellungen pro Jahr. Preljocaj gilt als politisch wacher Künstler, der bisher so ziemlich alles ausprobiert hat, was sich mit modernem Ballett auf die Bühne bringen lässt.

Les Nuits ist seine jüngste großformatige Arbeit und eine Kooperation mit der Kulturhauptstadt Marseille. Preljocaj beschwört die erotische Komponente der Geschichtensammlung aus dem alten Persien. Er choreografiert die Tänzerkörper wie kalligrafische Zeichen und setzt ganz auf Atmosphäre und Stimmung. Aber Scheherazades Erzählungen sind für ihn auch eine Bastion gegen Barbarei. Bewusst zielt er in diesem Stück darauf ab, einen fantasierten Orient als kulturelles Mysterium des Okzidents zu zeichnen.

Die Bühne wurde von Constance Guisset gestaltet, und für die Kostüme hat Azzedine Alaïa gesorgt, der Damen wie Michelle Obama und Lady Gaga mit edlen Stoffhüllen versorgt. Die Musik für diese Nächte kommt von Natacha Atlas und Samy Bishai.

Atlas, die charismatische, in Belgien lebende Sängerin angloägyptischer Herkunft, gibt mit ihrer Band nach der Vorstellung von Les Nuits - im Großen Festspielhaus-Saal einmalig am 27. September um 19.30 Uhr zu erleben - im Kleinen Saal ein Konzert.

Leicht flüchtig gibt sich Kurt Schwertsiks Auftragswerk (op. 110) der Tonkünstler für den Einstand der neuen Saison. Es ist Teil eines Musikabends, den das Orchester am 28. und 30. September präsentiert - zusammen mit der Rhapsodie über ein Thema für Klavier und Orchester op. 43 von Sergej Rachmaninow mit dem Tastenvirtuosen Rudolf Buchbinder und Richard Strauss' Ein Heldenleben (op. 40).

Am Dirigentenpult steht Andrés Orozco-Estrada. Beginn jeweils 19.30 Uhr, die Einführung um 18.30 Uhr wird von Barbara Rett moderiert. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 5.9.2013)


Dieser Artikel entstand mit finanzieller Unterstützung des Festspielhaus St. Pölten. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Eine dreifache Sphinx vor Perserkönig Schahrayârs Palast, in dem fantastische Nächte zu erotischen Geschichten werden.
    foto: jean-claude carbonne

    Eine dreifache Sphinx vor Perserkönig Schahrayârs Palast, in dem fantastische Nächte zu erotischen Geschichten werden.

Share if you care.