Österreichische Werber im Dienste der Parteien

5. September 2013, 15:31
17 Postings

Demner: "Was wir machen, ist etwas, was wir für andere Marken auch machen" - Glück ortet "Mut zur Mutlosigkeit" - Menasse: "Die Wahl ist entschieden"

Fokussierung, Positionierung und Markenmagnetismus: Das sind laut Mariusz Jan Demner die Kernpunkte der von seiner Agentur betreuten SPÖ-Wahlkampagne. "Was wir machen, ist etwas, was wir für andere Marken auch machen", erklärte Demner Mittwochabend beim "Unique.Talk" zum Thema "Wahlkampf: Wettstreit der besten Ideen oder reine Show".

Für Demner liegt der strategische Fokus des SPÖ-Zielgruppenwahlkampfs vor allem auf der eigenen Klientel: Wenn wir nur die Hälfte der SPÖ-affinen Personen, die beim letzten Mal zu Hause geblieben sind, dazu bringen, zur Wahl zu gehen, dann haben wir einen gewaltigen Erfolg."

Arbeitsplätze, sichere Pensionen, Bildung, keine Zweiklassenmedizin und günstiges Wohnen sind laut Demner die Themen, die die Österreicher bewegen. "Ich habe das Glück, dass mein Auftraggeber diese Themen in seiner DNA trägt. Arbeit, Pensionen, Bildung - da genügt ein Wort." Im Wahlkampf 2008 habe man die Leute etwa mit der simplen Botschaft "Genug gestritten" abgeholt. "Die SPÖ lag damals in Umfragen knapp vor der FPÖ. Innerhalb von sieben Wochen ist es gelungen, einen Sprung von acht Prozentpunkten zu machen."

Arbeit so gut wie erledigt

Für Demners Agentur ist die Arbeit so gut wie erledigt. "Der Wahlkampf ist bereits fertig produziert. Die letzten Plakate werden diese Woche ausgedruckt. Überraschungen werden kommen, wir werden sie nicht liefern. Wir machen einen Wahlkampf, der auf Verlässlichkeit setzt. Arbeit, Pensionen, Bildung, Wohnen - das werden wir bis zum Ende durchziehen", so Demner. Die Politiker dagegen hätten bis 29. September mit "unglaublichem Druck" zu kämpfen. "Vergessen sie nicht, am 30. wird es den einen oder anderen vielleicht gar nicht mehr geben. Wir haben einen Wahlkampf, der aufgemischt ist wie noch nie. Neue Angebote, neue Parteien."

Heidi Glück, Kommunikationsberaterin und einst langjährige Pressesprecherin von ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel, ortete in der SPÖ-Kampagne "Mut zur Mutlosigkeit". Die roten Plakatwellen seien "simpel", aber für einen Kernwähler-Wahlkampf "ziemlich treffsicher". Die ÖVP-Kampagne bezeichnete Glück hingegen als "mutig", sie ließ aber punkto Treffsicherheit und Authentizität auch Skepsis durchklingen. ÖVP-Spitzenkandidat Michael Spindelegger müsse in den letzten Wochen jedenfalls kämpfen und das ihm von Medien verpasste Image ablegen, ein farbloser und fader Politiker zu sein. "Aus dieser Ecke muss er raus."

"City-Jäger und Stadt-Förster"

Wahlplakate sollten auch unterhaltsam und humorvoll sein, sagte Josef Koinig, Kreativer der Werbeagentur Jung von Matt/Donau und einer der Gestalter der grünen Kampagne. "Unsere Plakate haben mehr Intelligenz, mehr Witz und weniger Anbiederung und bewusste Provokation als die vom Herrn Strache. Die Menschen reden über die Belämmert-Plakate." Demners SPÖ-Wahlkampf findet der Jung-von-Matt-Werber "fad".

Für den Schriftsteller Robert Menasse ist die Wahl unterdessen gelaufen. "Als ich die ersten Plakate gesehen habe, habe ich gewusst, die ÖVP hat verloren." Die Volkspartei habe ohnehin ein Problem in Städten. Wenn man sich das Bürgertum in Wien anschaue, sehe man ein in Loden gewandetes antiurbanes Bürgertum. "City-Jäger und Stadt-Förster, Wien am Gebirge. Und dann wird das durch die Plakate noch verstärkt, und die ÖVP plakatiert in den Städten Berge und Seen. Ein modernes, junges Bürgertum kann man damit nicht gewinnen."

Die SPÖ bediene hingegen mit klaren und einfachen Botschaften ihre Kernwähler und Kernwähler-Schnittstellen wie Beamte in Pension. "Die Wahl ist entschieden. Wir werden weiter einen Kanzler Faymann haben", so Menasse. Was der Schriftsteller im Wahlkampf vermisst: europapolitische Aspekte. "Europapolitik bleibt auf der Strecke."

Kalina-Plädoyer gegen Kochsendungen

Gastgeber und Unique-Relations-Geschäftsführer Josef Kalina, der in den vergangenen 30 Jahren selbst an mehreren SPÖ-Wahlkämpfen beteiligt war, plädierte für eine "Art Abrüstungsvertrag" zwischen Parteien und Medien. "Bitte nehmen Sie keine Klatscher ins Studio mit, es ist nicht zum Aushalten. Bitte keine organisierten Jubler vor Auftritten, der Durchschnittsmensch ist davon peinlich berührt. Bitte keine Parteipressedienstaussendungen 20 Sekunden nach Ende des TV-Auftritts, in denen der eigene Kandidat als Sieger bejubelt wird. Und bitte keine Kochsendungen und ähnliche Formate. Das könnte dazu beitragen, dass der Wahlkampf ohne fokussierte Unintelligenz und gröbste Blödheiten auskommt." (APA, 5.9.2013)

Zum Thema

  • Die Plakate der SPÖ beurteilt die Werber-Konkurrenz mit "simpel" und "fad".
    foto: spoe

    Die Plakate der SPÖ beurteilt die Werber-Konkurrenz mit "simpel" und "fad".

Share if you care.