Porsche: Weltrettung auf höchstem Niveau

Interview8. September 2013, 16:40
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In der Supersport-Liga spielen elektrische Komponenten eine größere Rolle. Otmar Bitsche im Interview über Ladung, Mehrwert und Emotion

STANDARD: Als geborener Vorarlberger zu Porsche: Das war ja rein geografisch kein besonders weiter Weg.

Bitsche: So einfach war's nicht ganz. Ich habe an der TU Graz Elektrotechnik studiert und dann sechs Jahre lang bei einer Elin-Tochter Leistungselektronik entwickelt. Danach bin ich zu Steyr-Daimler-Puch gekommen. Die Entwicklung des Elektro-Panda war mein Einstieg in die Elektromobilität. Danach entwickelten wir eine richtige Elektroantriebseinheit, mit automatisiertem Zweiganggetriebe, mit Elektronik und integriertem Ladegerät.

STANDARD: Ist man inzwischen überhaupt weitergekommen?

Bitsche: Anfang der 1990er-Jahre war ein richtiger Hype, vor allem getrieben durch die Gesetzgebung in Kalifornien. GM entwickelte das Elektroauto EV1, Mercedes die A-Klasse mit Doppelboden zuerst auch in einer Elektroversion.

STANDARD: Dann ist der Trend aber wieder eingeschlafen ...

Bitsche: Ich war dann 1996 ein Jahr bei Smart, danach 15 Jahre bei Mercedes.

STANDARD: Waren Sie dort auch für Elektroautos zuständig?

Bitsche: Ich war verantwortlich für die Entwicklung des S 400 Hybrid und habe auch den Grundstein gelegt für den E 300 Hybrid, also den Dieselhybrid, der da jetzt draußen schon länger fährt. Ich habe überall meine Duftmarken hinterlassen.

STANDARD: Sie sind vor zwei Jahren zu Porsche gewechselt. Da war der Cayenne Hybrid schon fertig.

Bitsche: Ich bin gekommen, als die Plug-in-Entwicklung gestartet ist. Das war für Porsche ein signifikanter Schritt. Beim Hybridantrieb des Cayenne war ja einiges gemeinsam mit VW entwickelt worden. Der Plug-in-Hybrid bedeutete für Porsche ein signifikanter Schritt nach vorn, weil wir in der E-Mobilität mit einer neuen Technologie plötzlich eine Führungsrolle übernommen haben.

STANDARD: Was ist hier das ganz Neue, das Schwierige?

Bitsche: Die Lithium-Ionen-Batterie in dieser Größe, die Ladevorgänge in dieser Komplexität, da kriegen sie einen komplett neuen Zustand ins Auto. Plötzlich kennt das Auto nicht mehr nur ein und aus, sondern auch Laden, Vorkonditionieren. Da gibt es völlig neue Betriebszustände, die wir erst lernen mussten.

STANDARD: Das ist ja nicht nur sehr kompliziert, sondern auch interessant, immerhin können Sie jetzt viele zusätzliche Funktionen anbieten ...

Bitsche: Wir können unseren Kunden tatsächlich viele zusätzliche Features anbieten, etwa das komfortable Steuern über Apps, die neue Technologie nicht allein als ökologischen Fortschritt darstellen, sondern die Akzeptanz der neuen Technologie auch über einen allgemeinen Mehrwert erhöhen.

STANDARD: Könnte es nicht sein, dass ein Sportwagenhersteller wie Porsche seine Identität etwas aufweicht, wenn er zu sehr auf Umwelt spielt?

Bitsche: Wir spielen ja nicht auf Umwelt, im Mittelpunkt steht nach wie vor die Performance. Wenn sie etwas nur grün anmalen, werden sie die Technologie nicht verkaufen. Sie brauchen einen Mehrwert für die Kunden, immer auch emotional. Wir können die Spreizung der Marke zwischen Komfort und Sportlichkeit mit neuer Technologie noch einmal riesig ausweiten. Das ist es ja, was die Marke ausmacht, einerseits die kompromisslose Alltagstauglichkeit, und sie können damit auch auf die Rennstrecke gehen. Ich nenne hier nur das Beispiel Boosten mit dem Elektro­motor.

STANDARD: Wie sieht Ihre persönliche Beziehung zum Auto aus, viele Maschinenbauer haben ja Benzin im Blut, sagt man, gibt es das bei Ihnen als Elektrotechniker auch?

Bitsche: Nachdem ich fleißig an meinem alten Puch-Moped geschraubt hatte, um es am Leben zu erhalten, dachte ich, jetzt kenn ich mich im Maschinenbau schon so weit aus und hab ganz bewusst Elektrotechnik studiert (lacht). Nach meinem Ausflug in die Elektroindustrie, wo ich mir sehr viel Know-how aufgebaut habe, bin ich dann schnell und mit Begeisterung in die Autoindustrie gegangen. (Rudolf Skarics, DER STANDARD, 6.9.2013)

Otmar Bitsche, Jahrgang 1957, absolvierte das Elektrotechnik-Studium an der TU Graz und begann seine Berufslaufbahn ebendort bei Steyr Daimler Puch und ist jetzt bei Porsche Leiter für die Entwicklung Elektrik/Elektronik/ Elektromobilität.

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Porsche

  • Der Österreicher Otmar Bitsche ist Porsches Mann für Elektroantrieb.
    foto: der standard/skarics

    Der Österreicher Otmar Bitsche ist Porsches Mann für Elektroantrieb.

  • Porsches Flaggschiff in Sachen E-Antrieb: der Panamera S E-Hybrid.
    foto: porsche

    Porsches Flaggschiff in Sachen E-Antrieb: der Panamera S E-Hybrid.

  • Bitsche über die Herausforderungen: "Da gibt es völlig neue Betriebszustände, die wir erst lernen mussten".
    foto: porsche

    Bitsche über die Herausforderungen: "Da gibt es völlig neue Betriebszustände, die wir erst lernen mussten".

  • Zwei Ergebnisse der Übung: 416 PS, 0-100 km/h in 5,5 Sekunden. Aber auch 2170 Kilo Leergewicht.
    foto: porsche

    Zwei Ergebnisse der Übung: 416 PS, 0-100 km/h in 5,5 Sekunden. Aber auch 2170 Kilo Leergewicht.

  • Ab 112.900 Euro fährt die Sportlimousine mit dem E-Anteil vor.
    foto: porsche

    Ab 112.900 Euro fährt die Sportlimousine mit dem E-Anteil vor.

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