Biobauer - ein Kinderspiel

4. September 2013, 18:49
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"Hay Day" ist derzeit eines der erfolgreichsten Handy- und Tablet-Spiele: Es gilt, einen Bauernhof zu betreiben und Produkte an lokale Abnehmer zu verkaufen. Tatsächlich wollten die Entwickler des Spiels gezielt einen Biobetrieb abbilden

Wien/Helsinki - "Papa?" - "Ja?" - "Moxostoma Hubbsi." Grins. Und das natürlich mehrfach jeden Tag. Der Bub liebt diesen Namen - genauso, wie er dem Onlinespiel Hay Day verfallen ist. Na ja. Nicht nur der Bub und seine Schwester - unter der Woche hält schließlich der Papa das Spiel und also den ganzen Landwirtschaftsbetrieb am Laufen.

Jedenfalls macht dieser Name neugierig: Moxostoma Hubbsi? Sind das Fantasiefische, die hier gefangen werden können? Ganz im Gegenteil: Wie sich herausstellt, handelt es sich um den Copper Redhorse, eine Saugkarpfenart, die nur in ein paar Flüssen der kanadischen Provinz Québec vorkommt - und stark gefährdet ist.

Biokost liegt im Trend

Auch ein weiterer Fisch, der im Hay Day-Spiel gefangen werden kann, ist eine gefährdete Art: Der Rotfisch ist hierzulande auch als Huchen oder Donaulachs bekannt - und ist stark vom Aussterben bedroht.

Dann das endgültige Aha-Erlebnis: Im Spiel startet eine begrenzte Aktion: "Biokost liegt im Trend! Besucher deiner Farm würden für diese extra köstlichen lokalen Produkte Premium zahlen."

Ist Hay Day bewusst als Ökospiel konzipiert? Anfrage an Supercell - an jene Firma, die das Spiel entwickelt hat und von Finnland, USA und Japan aus am Laufen hält. Heini Vesander, PR Lead von Supercell, leitet die Anfrage an die Hay Day-Gruppe weiter, und wenig später kommt die Antwort von Stephan Demirdjian. Er ist Teamleiter von Hay Day in Helsinki - und gebürtiger Österreicher, der 2008 nach Finnland übersiedelte.

"Spot on!"

"Yep, spot on!", anwortet Stephan Demirdjian: Die Grundidee bei der Entwicklung von Hay Day war: Ein Spieler baut Bioprodukte an und verkauft sie an seine Nachbarn und lokale Abnehmer wie Kindergarten, Schule oder Kirche. So sei etwa auch die Idee des Straßenverkaufstandls aus diesem Konzept des lokalen Verkaufs von Bioprodukten entstanden.

Auch die Spezialaktionen im Spiel wurden eingeführt, um gesunde und nachhaltige Farmprodukte entsprechend ins Rampenlicht zu stellen.

Ziel sei es auch gewesen, die Arbeit auf dem Bauernhof möglichst lebensnah darzustellen - von der Aussaat bis zur Verarbeitung. Obwohl natürlich aus Rücksicht auf die spielenden Kinder gewisse Kompromisse nötig waren. So werden die Schweine beispielsweise nicht geschlachtet - sondern beim "Ernten" schlicht in eine Art Sauna gesteckt, in der sie ihren Speck ausschwitzen. Also quasi die finnische Lösung.

Lernaspekt

Aber alles in allem sollte eben der Lernaspekt möglichst beibehalten werden - angeblich hätten bereits viele Spieler die Grundprinzipien lokaler Lebensmittelproduktion über dieses Spiel gelernt. Hinter diesem Satz steht ein Grinser-Zeichen.

Und - zurück zum Fisch: "Auch beim Fischen wollten wir so nahe wie möglich am wirklichen Leben bleiben", bestätigt Stephan Demirdjian. "Also hatten wir uns entschlossen, echte Fische mit ihren original lateinischen Namen einzuführen." Auch ein Aspekt, um spielerisch etwas lernen zu können. Sogar einige Verhaltensweisen der Fische seien ins Spiel eingeflossen. Und der Moxostoma Hubbsi ist manchmal ganz schön widerspenstig, wenn er an der Angel zappelt. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 5.9.2013)

  • Bei "Hay Day" gibt es keinen Kunstdünger und keine Hybridsorten. Angebaut wird immer das eigene Saatgut.
    foto: supercell

    Bei "Hay Day" gibt es keinen Kunstdünger und keine Hybridsorten. Angebaut wird immer das eigene Saatgut.

  • Beim Fischen lernt man seltene Arten kennen.
    foto: supercell

    Beim Fischen lernt man seltene Arten kennen.

  • Spezialaktionen mit Premiumpreisen für lokale Bioprodukte runden das nachhaltige Spiel ab.
    foto: supercell

    Spezialaktionen mit Premiumpreisen für lokale Bioprodukte runden das nachhaltige Spiel ab.

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