Ur-Syphilis entdeckt

2. August 2003, 20:30
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Paläopathologen finden an 4.000 Jahre alten kalifornischen Skeletten unbekannte Variante der Krankheit

Göttingen - Forscher haben eine neue Form der Syphilis entdeckt. Paläopathologen stellten die bisher unbekannte Variante an etwa 4.000 Jahre alten Skeletten aus dem Gebiet des heutigen US-Bundesstaates Kalifornien fest. Bisher waren zwei Formen der Syphilis bekannt. Eine venerische, durch Geschlechtsverkehr übertragene, und eine nicht venerische Form, die angeboren oder nach der Geburt erworben wird.

Milde knöcherne Verlaufsform

Der jetzt entdeckte Typ zeigt den Forschern zufolge eine sehr milde knöcherne Verlaufsform, die mikroskopisch bereits charakteristische Merkmale der venerischen Syphilis der Neuzeit aufweist, wie Forscher auf einem Seminar des amerikanischen Paläopathologen-Verbands in Göttingen mitteilten. Möglicherweise habe sich aus dieser Form die heutige endemische Syphilis, die venerische Syphilis und eventuell auch die Frambösie, eine syphilis-ähnliche Infektionskrankheit, entwickelt.

Die Paläopathologie ist ein neues wissenschaftliches Arbeitsgebiet, das zwischen Medizin, Anthropologie und Archäologie angesiedelt ist und sich der Untersuchung von Skelettfunden widmet. Die Untersuchungsergebnisse geben detailliert Aufschluss über die Lebensbedingungen und den Gesundheitszustand von Menschen vergangener Kulturperioden. (APA/AP)

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