Nachwehen zur Affäre um gefälschte "Sachbücher"

1. August 2003, 13:42
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Schriftsteller mahnen mehr Sorgfalt im Umgang mit Manuskripten ein

Stuttgart - Im Zusammenhang mit der großenteils erfundenen Biografie "Mitten in Afrika" von Ulla Ackermann hat der Vorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller (VS), Fred Breinersdorfer, die deutschen Verlage kritisiert. In den "Stuttgarter Nachrichten" (Freitag) warf er ihnen vor, "in letzter Zeit generell sehr viel weniger Sorgfalt" im Umgang mit Manuskripten walten zu lassen.

"Ich kann mir sogar vorstellen, dass wegen des wirtschaftlichen Drucks in der Branche die Frage nach Nachprüfung gar nicht mehr gestellt wird", sagte der Krimi- und Drehbuchautor ("Tatort"). Der Fall Ackermann sei nur "die Spitze eines Eisbergs".

"Verabscheuungswürdige Methoden"

Breinersdorfer forderte die Branche auf, diesem "ganz klaren Trend" entgegenzuwirken. "Ich erwarte klare Worte vom Börsenverein des deutschen Buchhandels sowie von den Verlegern, die sonst immer die Fahne der Moralität und Gerechtigkeit ins Fenster hängen", sagte er. Das Publikum habe einen Anspruch darauf, nicht angelogen zu werden. Breinersdorfer sprach von "verabscheuungswürdigen Methoden", die dem Image der gesamten Buchbranche schadeten.

Der Verlag Hoffmann und Campe musste Ackermanns Biografie "Mitten in Afrika", die sich bis dahin 25.000 Mal verkauft hatte, Ende Juni vom Markt nehmen. Die Autorin hatte eingeräumt, weite Teile ihrer Biografie frei erfunden zu haben. Kurz darauf kam mit dem Titel "Todeszone" (Heyne) ein weiteres Buch in die Läden, an dessen Wahrheitsgehalt gezweifelt wird. Der unter dem Pseudonym Thomas Sanders schreibende Autor schildert darin angebliche Sabotageakte eines "Elitekommandos Ost" in der DDR im Auftrag des Bundesnachrichtendienstes. BND, Historiker und Zeitzeugen halten dies ebenfalls für zum Teil frei erfunden. (APA/dpa)

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