150 auf der Autobahn nicht vor 2008 erlaubt

14. August 2003, 19:17
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Außer den Grünen lehnen politische Vertreter eine Erhöhung des Tempolimits auf Autobahnen nicht grundsätzlich ab - Mit Kommentar, Infografik und Umfrage

Verkehrsminister Hubert Gorbach (FP) will frühestens 2008 grünes Licht für 150 oder 160 km/h geben. Dann soll das heimische Autobahnnetz saniert sein.


Wien - Wie weit Theorie und Praxis voneinander entfernt sein können, zeigte sich am Wochenende im Straßenverkehr: Ausgerechnet während auf dem grauen Asphalt Hunderttausende bei Temperaturen jenseits der 30 Grad stundenlang in Rekordstaus festsaßen, erhitzte sich auf dem politischen Parkett die Diskussion um ein höheres Tempolimit auf Autobahnen.

Wie DER STANDARD berichtete, hatte der steirische VP-Klubchef Christopher Drexler für gut ausgebaute Autobahnabschnitte ein Tempolimit von 160 Stundenkilometern vorgeschlagen. Bis Sonntag reduzierte sich die zur Debatte stehende Geschwindigkeit auf 150 km/h - immerhin noch zwanzig Sachen über der derzeit erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Grund für das leichte Bremsmanöver ist eine Angleichung an italienische Verhältnisse.

In Italien werden bestimmte Strecken für 150 km/h freigegeben. Die Betonung liegt allerdings auf "werden", wie der ARBÖ am Sonntag mitteilte. Noch sei das italienische Gesetz nicht umgesetzt. Wer bei den südlichen Nachbarn mit 150 erwischt werde, müsse immer noch mit Strafen bis zu 125 Euro rechnen, warnte ARBÖ-Sprecherin Lydia Ninz.

Zurück zum heimischen Speedlimit: "Das Thema 150 km/h auf dreispurigen Autobahnen bei besten Witterungsverhältnissen ist durchaus diskussionswürdig", ließ Verkehrsminister Hubert Gorbach (FP) am Sonntag wissen. Vergleiche mit Italien oder Deutschland, wo es Autobahnabschnitte ohne jegliche Geschwindigkeitsbeschränkung gibt, hält er aber für unangebracht. "Wir haben viel kürzere Autobahnstrecken mit ungleich mehr Auf- und Abfahrstellen, die eine höhere Gefahrenquelle darstellen", so der Verkehrsminister. Ab 2008, wenn das heimische Autobahnnetz fertig ausgebaut sei, könne man über ein neues Tempolimit reden. Gorbach: "130 km/h sind für mich kein Dogma."

Auch SP-Verkehrssprecher Kurt Eder kann sich "Tempo 150 auf dreispurigen Autobahnen vorstellen". Begleitend müsste aber die Toleranzgrenze bei Geschwindigkeitsüberscheitungen von zehn auf fünf Prozent gesenkt werden. Außerdem müsste gelten, dass dann Lkw grundsätzlich nur mehr auf der rechten Fahrspur fahren dürften.

Eva Lichterberger, Verkehrssprecherin der Grünen, lehnt eine Erhöhung ab. "150 oder 160 km/h vermindern die Verkehrssicherheit, auch das Schadstoffausmaß würde zunehmen", warnte Lichtenberger. "Österreichs Autobahnen sind keine Formel-1-Strecken und Österreichs Autofahrer keine Rennfahrer." (DER STANDARD, Printausgabe, 4.8.2003)

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    Plakataktion gegen Raser auf den deutschen Autobahnen

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