Motorola gewinnt Milliarden-Prozess gegen türkische Uzan-Familie

10. August 2003, 09:59
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Verurteilung zu 4,26 Milliarden Dollar Schadenersatz und Strafentschädigungen - Auch Nokia klagte

Im Rechtsstreit mit dem Telekomausrüster Motorola ist die prominente türkische Unternehmerfamilie Uzan von einem US-Gericht zu 4,26 Mrd. Dollar (3,76 Mrd. Euro) Entschädigungszahlung verurteilt worden. Mitglieder der Uzan-Familie sollen einen Riesenbetrug durchgeführt haben. Es ging um Milliardenkredite von Motorola zum Ausbau einer türkischen Mobilfunkfirma.

Sofortige Festnahme

Der New Yorker Bundesrichter Jed S. Rakoff ordnete zudem die sofortige Festnahme der Beklagten an, falls sie in die USA kommen sollten. Dies teilte Motorola am Donnerstag mit. Motorola ist einer der weltgrößten Handyhersteller und Mobilfunkausrüster. Die finnische Firma Nokia hatte ebenfalls gegen die Uzan-Familie geklagt.

4,26 Milliarden Dollar

Das New Yorker Gericht verurteilte Mitglieder der Uzan-Familie und die von ihnen kontrollierten Firmen zu 2,13 Mrd. Dollar Schadenersatz und zu 2,13 Mrd. Dollar Strafentschädigungen. Die Uzans hätten unter dem Vorwand, Finanzierungen für eine türkische Telekom-Gesellschaft zu bekommen, mehr als eine Milliarde Dollar Gelder der Kläger für eigene Zwecke abgezweigt.

Die Uzan-Familie wolle Berufung gegen die Entscheidung einlegen und rechne damit, dass diese von dem Berufungsgericht rückgängig gemacht werde, berichtete die "New York Times" am Freitag in ihrer Onlineausgabe.

Hoffen auf Rückerstattung

Die Uzans hätten Motorola der Unternehmensmitteilung zufolge auf betrügerische Weise veranlasst, der von der Familie kontrollierten Telekom-Firma Telsim Mobil 1,8 Mrd. Dollar zu leihen. Die Uzans wurden angewiesen, sofort 73,5 Prozent der Telsim-Aktien beim Gericht zu hinterlegen. Motorola-Chef Christopher B. Galvin hofft, die von der Familie abgezweigten Milliardenbeträge wieder hereinzuholen.

Die Entscheidung resultierte aus einer Serie von Finanz- und Lieferabkommen, die von April 1998 an zwischen Tochterfirmen von Motorola und Telsim abgeschlossen worden waren. Motorola stellte Telsim Ausrüstungskredite, Finanzierungsmittel für den Kauf einer GSM-Mobilfunklizenz von der türkischen Regierung sowie die Hauptkomponenten für eine GSM-Mobilfunksystem zur Verfügung. Die Totalfinanzierung habe sich auf rund zwei Mrd. Dollar belaufen. Die Uzans hatten als Sicherheit Telsim-Aktien zugesagt. Zeitgleich hatten sie mit Nokia ein ähnliches Abkommen abgeschlossen, ohne Motorola zu informieren.

Nokia und Motorola vereint

Die letzte Zahlung an Motorola sei im Juni 2000 erfolgt, erklärte das Unternehmen. Die Uzans hätten von Ende 2000 an eine Umschuldung verlangt und eine Kampagne betrügerischer Taktiken begonnen. Damit wollten sie verheimlichen, dass sie mehr als eine Milliarde Dollar von Telsim, Motorola und Nokia gestohlen hätten, betonte Motorola. Motorola und Nokia hatten im Januar 2002 gemeinsam eine Klage gegen die Uzans bei US-Gerichten eingereicht.(APA/dpa)

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